Insider sehen einen insgesamt relativ stabilen Kupfermarkt
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Kupfer als Geldanlage
vom 20. Januar 2012, 17:00 Uhr
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Positiv ist mir aufgefallen, dass kein so starker Einbruch der Kupferpreise wie 2008 erwartet wird. Starke Schwankungen seien möglich, doch angesichts der weiterhin robusten Nachfrage sei der immer noch relativ hohe Kupferpreis fundamental gut unterstützt. Dies drückte sich auch in den komfortablen Raffinierlöhnen aus, die Aurubis für das Schmelzen von Kupferkonzentraten und Altmetallen erhält. Zudem profitiert das Unternehmen von den Beiprodukten, die im Anodenschlamm bei der Elektrolyse gewonnen werden können. Neben dem enthaltenen Gold und Silber sind das Industriemetalle wie Blei, Zink, Kobalt oder Molybdän. Doch auch die Absonderung strategischer Metalle daraus wird angesichts von deren steigenden Preisen immer interessanter. Die Kupferkonzentrate können ebenfalls Platin, Palladium, Irridium, Rhenium, Tellur, Bismut und weitere gesuchte Stoffe enthalten. (Mehr zu diesem Thema finden Sie übrigens in dem Buch "Strategische Metalle für Investoren" von Gunther Maassen und Michael Vaupel mit Gastbeiträgen von mir.)
Auch Schwefelsäure ist ein wichtiges Beiprodukt der Kupferherstellung. Es dient als Grundstoff in der Düngerproduktion und in der Chemieindustrie. In diesem Bereich wird jedoch mit einer Abnahme der hohen Nachfrage des vergangenen Jahres gerechnet. Gerade die Chemieindustrie als Basis für die industrielle Produktion spürt es sehr früh, wenn sich die Wirtschaft weiter abschwächen sollte.
Die Wirtschaft der USA sieht nicht gar so schlecht aus wie erwartet
Angesichts des jüngsten Abflauens der Schuldenkrise durch die erfolgreiche Stützung der europäischen Banken mit dem Dreijahres-Tender der EZB, die sich auch in sinkenden Zinsen bei den recht erfolgreichen Anleihenauktionen des neuen Jahres zeigte, haben sich die Sorgen zuletzt etwas abgeschwächt. Dazu trugen auch die Quartalszahlen großer US-Banken bei, die zwar im Schnitt nicht gerade rosig aussahen, aber dennoch über den sehr negativen Prognosen lagen. Die Märkte preisen mit ihrem jüngsten Anstieg schon wieder einmal die Zukunft ein, während die Medien noch von den Krisennachrichten beherrscht sind. Hier zeigen sich durchaus einige Sonnenstrahlen am Horizont in Form von sich etwas erholenden Konjunkturdaten.
Freeport-McMoRan zeigt sich vorsichtig optimistisch ...
Zu diesen möglicherweise etwas positiveren Aussichten der Wirtschaft außerhalb Europas passt auch der Ausblick, den der große Kupfer- und Goldproduzent Freeport-McMoRan gestern bei der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen abgab. Wenn sich die Schuldenkrise in Europa nicht zu einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise entwickele, bleibe die Perpektive für den Kupfermarkt optimistisch. China zeige sich weiter stark trotz der Befürchtungen über eine Konjunkturabschwächung. In den USA sehe man sogar eine leichte Verbesserung in der Bauindustrie, die ebenso wie die Automobilindustrie und die Exportsektoren einen ziemlich positiven Ausblick ermöglichten.
... trotz katastrophalem Quartalsergebnis
Dass das Quartalsergebnis von Freeport-McMoRan mit einem Einbruch des Gewinns um 57% auf 640 Mio. USD schlecht ausfiel, war erwartet worden. Es ist den Streiks und Produktionsausfällen zu verdanken, denen das Unternehmen ausgesetzt war. Dennoch lagen die erzeugten 823 Mio. Pounds Kupfer über der Prognose vom Dezember, die sich nur auf 800 Mio. Pounds belief. Doch diese Probleme sollten zumindest in der indonesischen Grasberg-Mine der Vergangenheit angehören. Denn es konnte für die kommenden zwei Jahre eine Vereinbarung getroffen werden, aufgrund der die Produktion dort im laufenden Quartal wieder die volle Fördermenge erreichen solle.
Das Fazit aus diesem Berg an Geschäftsberichten unterstreicht meiner Ansicht nach die fundamentale Einschätzung aus dem Nebenwerte Daily am Dienstag: 2012 wird kein einfaches Jahr werden. Es werden noch einige Stürme über den Konjunkturindikator Kupfer brausen, doch insgesamt ist kein stärkerer Einbruch des Preises zu erwarten, solange es nicht zu unvorhersehbaren Wirren in der Schuldenkrise kommt, die stärker auf die Realwirtschaft ausstrahlen. Die Nachfrage zeigt sich bisher robust bis steigend, während eine Ausweitung des Angebots nur schleppend in Gang kommt. Zudem kann dieses immer wieder von Streiks oder anderen Produktionsausfällen überschattet werden. Besonders rechne ich damit, sollte es zu steigenden Energiepreisen kommen, was wiederum auf die Kosten und die Lohnforderungen der Arbeitnehmer durchschlagen wird.
Herzliche Grüße, ein nicht allzu stürmisches Winterwochenende wünscht Ihnen
Ihre Daniela Knauer