Insider im Fokus
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 25. September 2007 14:30 Uhr
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Heute: Lanxess
Wer kennt Lanxess? Ich kannte das Unternehmen, obwohl im MDAX notiert, bis vor kurzem nur eher beiläufig. Dann las ich am vergangenen Mittwoch die Directors Dealings Meldung, dass Lanxess-Finanzvorstand Matthias Zachert und Vorstandsmitglied Rainier van Roessel je 1.000 Aktien ihrer Gesellschaft im Gesamtgegenwert von rund 50.000 Euro erworben haben. Das ist zwar NICHTS angesichts einer Marktkapitalisierung von 2,84 Mrd. Euro. Doch für mich, da wenig Wissen über das Geschäftsgebaren, war dies ein Grund für den berühmten Blick hinter die Kulissen.
Was ich las beeindruckte zunächst wenig: Lanxess ist ein bedeutender Chemie- und Polymeranbieter in Europa. Das umfangreiche Produktsortiment reicht von Festkautschuken, Kunststoffen sowie synthetischen Fasern über hochwertige Grund- und Feinchemikalien bis hin zu Chemikalien für die Leder-, Textil- und Papierindustrie. Mit seinen Auslandsgesellschaften ist Lanxess auf allen wichtigen weltweiten Chemie- und Polymermärkten vertreten und produziert an 50 Standorten in 18 Ländern, insbesondere in Deutschland, Belgien, den USA, Kanada sowie China.
Eine „Bayer-Tochter" mit zu großen Kinderschuhen
Interessanter schien mir die Tatsache, dass es sich bei dem Leverkusener Chemiekonzern um einen Ableger von Bayer handelt, den man als Tochtergesellschaft Anfang 2005 unter dem Namen Lexus an die Börse brachte. Der Anfang der Selbständigkeit schien wirklich schwer zu fallen, so dass manch ein Analyst in Schwafeleien von "der verstoßenen Bayer-Tochter" verfiel. Doch überzeugend waren die Zahlen in der Tat nicht: 2006 setzte Lanxess im 2. Jahr der Selbständigkeit 6,94 Mrd. Euro um, ein erwartetes Minus von 2,9% auf Grund von Umstrukturierungskosten. Das EBITDA nahm vor Sondereinflüssen um 16% auf 675 Mio. Euro zu und lag damit unter den Analystenerwartungen (680 Mio. Euro).
Das Management ist dafür bekannt eher weniger detailgetreue Prognosen abzugeben, so sprach man auch beim Ausblick für 2007 lediglich von „moderatem Umsatzwachstum". Und in der Tat zog Unternehmenslenker Axel Heitmann seinen Sanierungskurs im ersten Quartal 2007 durch und präsentierte 1,7 Mrd. Euro Umsatz und - vor Sondereinflüssen - 219 Mio. Euro Betriebsgewinn. Die operative Rendite erhöhte sich auf ordentliche 12,8%. Eine solide Basis, um jetzt bei wieder anziehender Chemiekonjunktur Gas zu geben. Auch der Aktienkurs ließ sich davon nur zu gerne anstecken.
Es wurde besser, blieb aber holprig
Dann ein Rückschlag: Anfang Juli brachte Lanxess seine mehr als mäßig laufende Polymer-Sparte in ein Joint Venture mit der Ineos Group ein. Man behielt sich lediglich einen Anteil von 49% vor, von welchem man sich, nach Meinung der Analysten, in rund zwei Jahren wohl komplett verabschieden dürfte. Damit löste Lanxess das größte Problem in seinem Portfolio. Da der Deal jedoch zu Buchverlusten führte, schrieb man im 2. Quartal 150 Mio. Euro ab. Der Aufwärtstrend der Aktie geriet ins Stocken. Und dann scheitere auch noch die geplante Übernahme von Degussa.
Wollte man mit Degussa hoch hinaus, bäckt Heitmann derzeit etwas kleinere Brötchen, die ja bekanntlich aber nicht schlechter schmecken müssen. So kündigte er an, von größeren Übernahmen Abstand genommen zu haben. Man wolle künftig versuchen an „kleine und mittlere Unternehmen zu kommen, die unsere bestehenden Unternehmensbereiche erweitern“. Zudem wolle man erst einmal das organische Wachstum vorantreiben. Dafür will man bis 2009 eine Milliarde Euro investieren. Das klingt doch irgendwie vernünftig.
Endlich wieder Licht am Horizont
Und wie ging es weiter: Nur wenige Tage nach den Insiderkäufen verkündete Vorstandvorsitzender Heitmann auf der diesjährigen Investorenkonferenz des Konzerns in London, dass man die für 2009 geplanten Ziele ein Jahr früher als angekündigt erreichen werde. „Bereits 2008 werden wir bei der EBITDA-Marge zum Wettbewerb aufgeschlossen haben", berichtete er. Auch das ebenfalls für 2009 in Aussicht gestellte Ziel, kein Geschäft mehr mit einer EBITDA-Marge von weniger als 5% im Portfolio zu haben, wird der Konzern ein Jahr früher erreichen.
Aller Anfang ist eben oft schwer. Und "Lehrjahre sind auch keine Herrenjahre". Aber wer durchhält, wird den Lohn ernten. Das hat die Führung bei Lanxess hinlänglich bewiesen. Wir dürfen also gespannt in die Zukunft blicken, was aus dem einstigen "Bayer-Kind" wird, wenn es in die zu "großen Kinderschuhe" endgültig hinein gewachsen ist.
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