Insider im Fokus: Update zu HeidelbergCement
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 13. November 2007 14:30 Uhr
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
erinnern Sie sich noch an unseren „Insider im Fokus“ HeidelbergCement? Ich hatte Ihnen im „Insider Daily“ vom 10. Oktober ausführlich über das Unternehmen berichtet, dass seit Jahrzehnten Zement und Beton rund um den Globus verkauft und seit der Übernahme von Hanson der größte Zuschlagstoff- und der drittgrößte Zementhersteller der Welt ist.
Zu jenem Zeitpunkt waren bei HeidelbergCement zwei „schwere“ Insiderkäufe von Seiten der Württembergische Leinenindustrie AG zu verzeichnen gewesen. Diese hatte 80.000 Aktien des Zementspezialisten für umgerechnet rund 8,3 Mio. Euro erworben. Und damals stellte ich Ihnen die Frage, ob mit Zement eigentlich international Geld zu verdienen sei. Ich musste bejahen, denn schon im September waren die Planzahlen für das Geschäftsjahr 2007 bereits in „Sack und Tüten“ und man konnte seinen Aktionären das Rekordjahr Nr. 2 in Aussicht stellen.
Heute, gut einen Monat später, gibt es erneut „weitaus schwerere“ Insiderkäufe bei HeidelbergCement zu vermelden. So erwarb die Spohn und Knoell GmbH 300.000 Aktien des Unternehmens im Gegenwert von 32,4 Mio. Euro. Darüber hinaus kaufte die Pan GmbH 660.616 HeidelbergCement-Papiere im Gesamtwert von rund 71,4 Mio. Euro. Das schreit förmlich nach einem „Insider im Fokus“-Update.
Verwirrendes, aber spannendes Beteiligungsgeflecht
Will man das Geflecht aus HeidelbergCement-Beteiligungen entwirren, kommt man, wie ich Ihnen bereits berichtete an der Unternehmerfamilie Merckle nicht vorbei. Jedes beteiligte Unternehmen ist mit diesem Namen „verbandelt“. Die Merckle GmbH ist eigentlich ein Unternehmen der Pharmaziebranche (Dr. Adolf Merckle gründete u.a. das Tochterunternehmen Ratiopharm). Heute ist das Unternehmen aber auch auf den Geschäftsfeldern Baumaschinen und Baustoffe (insbesondere Zement) tätig.
Über deren Tochterunternehmen, die Spohn Cement GmbH, hält die Familie Merckle rund 62% an HeidelbergCement und ist somit Großaktionär. Die Spohn und Knoell GmbH steht wiederum in Verbindung mit der Spohn Cement GmbH. Und die Pan GmbH aus Norderfriedrichskoog ist mit 7,64% an der Kötitzer Ledertuch- und Wachstuch-Werke AG ebenfalls mit Sitz in Norderfriedrichskoog beteiligt, an welcher wiederum auch die Merckle-Familie 20,4% Beteiligungen hält. Kommen Sie noch mit? Ich finde es verwirrend, aber spannend. Denn es geht noch weiter.
Den beiden oben genannten Insiderkäufen war am gleichen Tag ein Verkauf von 1,384 Mio. HeidelbergCement-Aktien im Gesamtwert von 149,54 Mio. Euro durch die VEM Vermögensverwaltungs GmbH voraus gegangen. Auch hinter dieser Dresdner Gesellschaft verbirgt sich die Familie Merckle, wie ich dem Internetauftritt der Vermögensgesellschaft entnehmen konnte. Ich werde noch zum Detektiv.
Und diese drei Insidertransaktionen wurden begleitet – sie können jetzt überrascht sein oder auch nicht – von der erfreulichen Meldung, dass sich HeidelbergCement auch nach neun Monaten des laufenden Geschäftjahres 2007, auf Wachstumskurs befindet.
Hanson-Integration läuft
HeidelbergCement konnte von Januar bis September dieses Jahres dank der starken Nachfrage in Osteuropa und Asien seinen Wachstumskurs fortsetzen. Zudem profitierte das Unternehmen von den erstmalig vollständig einbezogenen Zahlen von Hanson im September. Das Unternehmen peile in diesem Jahr weiter ein zweistelliges Wachstum sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis an. Das teilte das im MDAX notierte Unternehmen seinen Aktionären in einem Brief mit.
Die Integration von Hanson laufe nach Plan, hieß es weiter. HeidelbergCement hatte den Konkurrenten inklusive dessen Schulden für rund 14 Mrd. Euro übernommen. Die wegen der Übernahme deutlich erhöhte Verschuldung will das Unternehmen konsequent reduzieren. Neben Anleihen und Schulddarlehen werde auch eine weitere Kapitalerhöhung in Betracht gezogen, hieß es. Der frühere Chef der britischen Baustofffirma Hanson, Alan Murray, wurde in den HeidelbergCement-Vorstand berufen.
Umsatzzuwachs
Wie einem dpa-Bericht zu entnehmen ist, kletterte der Konzernumsatz in den ersten neun Monaten um gut ein Fünftel auf 7,254 Mrd. Euro. Der operative Cashflow (Ebitda) verbesserte sich um ein Drittel auf 1,721 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis stieg um 40,9% auf 1,343 Mrd. Euro. Der Gewinn nach Minderheiten hat sich mit 1,829 Mrd. Euro mehr als verdoppelt, da der Verkauf der Vicat-Beteiligung zusätzlich 800 Mio. Euro in die Kasse gespült hatte.
Drei mal ABER...
Das klingt alles, als ob es rund läuft bei HeidelbergCement. Doch ich habe einige ABER anzuführen. 1. Aber: Aufgrund der erstmals vollständigen Konsolidierung der Hanson-Zahlen in das Konzernergebnis und die Veräußerung der Vicat-Beteiligung, ist das Ergebnis nur schwer mit den Vorjahreszahlen vergleichbar. 2. Aber: Die Konzernleitung hielt sich mit dem Jahresausblick „sehr“ bedeckt. Man ließ lediglich verlauten, dass der Oktober „nicht schlecht verlaufen sei“, die weiteren Geschäfte bis Jahresende jedoch sehr wetterabhängig und deswegen schwer zu prognostizieren seien.
3. Aber: Es gibt bei HeidelbergCement durchaus nicht unwesentliche Risiken auf der Tagesordnung, die da wären: US-Immobilienschwäche und die Dollarkurs-Entwicklung. Da man sehr stark in Nord-Amerika engagiert ist (auch dank der Hanson-Beteiligung), hat der starke Euro das operative Ergebnis in den ersten neun Monaten mit 33 Mio. Euro belastet und den Umsatz in dieser Zeit um 210 Mio. Euro gedrückt. Das sollte bei der Prognosebetrachtung nicht gänzlich außer acht lassen.
Langfristig attraktive Aktie
Nichts desto trotz sehe ich HeidelbergCement auf dem richtigen Kurs. Denn auch wenn das Nordamerikageschäft durch die Dollar-Schwäche belastet wird, läuft es in anderen Dollar-unabhängigen Kernmärkten wie Europa und Zentralasien ebenfalls großartig. Diese beiden Geschäftsregionen lieferten nämlich den größten Beitrag zum deutlichen Gewinnanstieg in den ersten neun Monaten.
Und auch wenn die Aktie momentan nicht so recht aus ihrem seit Anfang dieses Jahres andauernden Seitwärtstrend ausbrechen will, sehe ich für HeidelbergCement-Papiere langfristig weiteres Aufwärtspotenzial. Die Insider bauen auf den Kurs ihres Unternehmens und ich werde auch weiterhin dran bleiben am Zementriesen aus Heidelberg.
In diesem Sinne, Ihnen einen angenehmen Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
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