Insider im Fokus: Update zu Continental
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 15. Januar 2008 14:30 Uhr
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
unmittelbar vor der Bekanntgabe der Q4-Zahlen bei unserem „Insider im Fokus“ aus der „Insider Daily“-Ausgabe vom 7. November, Continental, hat die Vorstandsriege des Reifenspezialisten und Zulieferers für die Automobilindustrie aus Hannover ordentlich Aktien ihres eigenen Unternehmens gekauft. Sowohl Vorstandsvorsitzender Manfred Wennemer (3.230 Stück) als auch Finanzvorstand Alan Hippe (3.200 Stück) und Vorstandsmitglied Gerhard Lerch (1.890 Stück) waren vergangene Woche auf der Käuferseite zu finden. Gegenwert der erworbenen Continental-Anteile rund 0,650 Mio. Euro.
Zufall oder nicht: Gestern folgte dann auch die dazu passende und fast schon zu erwartende Meldung. Vorstandschef Manfred Wennemer höchstpersönlich verkündete auf dem German Invest Seminar der Dresdner Kleinwort in New York, dass Continental sich überaus zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zeige und mit einem Umsatzwachstum von mindestens 7,5 Prozent kalkuliere. Ohne die im Dezember von Siemens übernommene VDO-Sparte werde man einen Umsatz von mehr als 16 Mrd. Euro erzielen.
Potenzial für weitere Übernahmen gegeben
Das ist natürlich eine Harke für alle Kritiker der bisher größten Übernahme in der Unternehmensgeschichte von Conti. Und Herr Wennemer konnte diesem Coup sogar noch einen drauf setzen. Denn in einem gestern veröffentlichten Interview mit „auto motor und sport“ war zu lesen, dass Continental trotz der 11,4 Mrd. Euro schweren VDO-Übernahme Spielraum für weitere Übernahmen im Volumen von bis zu 4 Mrd. Euro sehe. Derzeit schaue man sich 30 bis 40 Übernahmekandidaten an. Nachholbedarf habe man vor allem auf dem Markt in Amerika und Asien, ließ Wennemer verlauten.
„Im Reifenbereich suchen wir in Asien, vor allem in China, nach einem geeigneten Übernahmekandidaten“, erklärte der Conti-Chef. Zudem wolle man in Indien weiter wachsen. Mit der durchaus „teuren“ VDO-Übernahme hat sich der Siemenskonzern durchaus ein ordentliches Sümmchen Schulden aufgeladen. Doch der Konzernchef sieht das als eher positiv. Durch die VDO-Übernahme sei man wenigstens sicher vor einer Übernahme-Attacke durch Finanzinvestoren.
Alle VDO-Unsicherheiten eingepreist
So zuversichtlich wie der Conti-Boss und seine Mannen scheinen die Aktionäre indes nicht zu sein. Ich hatte Ihnen bereits in meinem ersten „Insider im Fokus“-Bericht zu Continental über die Unsicherheit der Anleger zu den aktuellen Entwicklungen berichtet. Doch damals hatte der Aktienkurs gerade mal 20% von seinen Spitzenkurs bei 109,07 Euro verloren. Ein aktueller Blick auf den Chart zeigt, dass das noch lange nicht das Ende war. Aktueller Kurs der Conti-Aktie 79,40 Euro.
Bei der Continental-Aktie hat die Börse es mit der Kursabschlachtung gelinde ausgedrückt übertrieben, denn 30 Prozent Wertverlust in nur drei Monaten sind zwar in der aktuellen Marktlage keine Ausnahmeerscheinung, aber für den fünftgrößten Automobilzulieferer der Welt mit einer soliden fundamentalen Entwicklung und einem hervorragenden Konzermanagement eindeutig eine Nummer zu heftig, Risiken aufgrund der VDO-Übernahme und Produktionskosten-Explosion in der Automobilbranche hin oder her.
Hier wurde in den letzten Wochen scheinbar willkürlich alles kurstechnisch „gemordet“, was nur im Ansatz etwas mit der Automobilbranche zu tun hat, ohne auf die Fakten zu schauen. Inklusive VDO ist Continental künftig sogar einen Jahresumsatz von 25 Mrd. Euro schwer. Schon hat man in der Managementetage Platz 3 unter den Automobilzulieferern der Welt im Visier, bis 2015 soll das geschafft sein. Doch das reicht den Aktienanlegern an positiven Prognosen derzeit wohl nicht aus.
Weitere Rücksetzer locken zum Einstieg
Aber das ist ein Phänomen nervöser Märkte, dass uns ja nicht unbekannt ist. Sind die möglichen Risiken aber eingepreist, beruhigt sich der Markt und die Nervosität weicht einer Vorfreude auf den Wiedereinstieg. Und das wird auch Continental zu spüren bekommen. Positiver Nebeneffekt für hier noch nicht investierte Anleger: Der Branchengrößus ist bei Kursen unter 80 Euro fast schon ein Schnäppchen. 2008er KGV auf aktuellem Kursniveau bei 9, weitere Verbilligung nicht ausgeschlossen.
Charttechnisch gesehen ist der Kurs der Conti-Aktie derzeit an einem Entscheidungspunkt angekommen. Die letzte Unterstützung bei 85 Euro hat nicht gehalten. Die nächste wartet zwar erst bei 70 Euro. Hält diese ist ein charttechnischer Turnaround wahrscheinlich. Das Fundament dafür könnten die Quartalszahlen am Donnerstag liefern. Ich sehe für Continental gute Chancen, dass es hier aktienkurstechnisch bald wieder deutlich in die andere Richtung geht.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.
Ihre
Cindy Bach
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