Insider im Fokus: SAP
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Insiderhandel
vom 5. November 2009, 14:30 Uhr
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am vergangenen Mittwoch schickte SAP seine Aktie mit schlechter als erwarteten Zahlen zum dritten Geschäftsquartal und einer erneut gesenkten Prognose für seine Kernerlöse auf Talfahrt. Von 34,30 Euro ging es zurück bis auf knapp über die 30-Euro-Marke zum Wochenausklang, ein Minus von gut 10 Prozent innerhalb von nur drei Tagen. Finanzvorstand Werner Brandt nutzte die zurück gekommenen Kurse zum Einstieg. Er erwarb am 29. Oktober ein Aktienpaket mit 1.000 SAP-Anteilen zum Kurs von 31,95 Euro je Aktie.
Wer aber hat Recht? Die, die nach den zurückhaltenden Ausblicken des SAP-Managements ihre Anteile auf den Markt schmissen, oder der Finanzvorstand, der kauft, wenn die anderen flüchten? Nur soviel sei vorweg gesagt: Wenn der Finanzvorstand investiert, ist er vom Zahlenwerk seines Konzerns überzeugt. Schauen wir uns dieses aber mal genauer an.
Der Hersteller von Unternehmenssoftware aus dem badischen Walldorf verbuchte im dritten Quartal nicht die erhoffte Geschäftsbelebung und schraubte erneut seine Prognose nach unten. Der Umsatz brach in den ersten 9 Monaten um 31 Prozent auf 525 Mio. Euro ein. Nach Angaben des Finanzvorstandes Werner Brandt sind dafür besonders die Situation in den Schwellenländern und Japan verantwortlich.
Der Gesamtumsatz in diesem Jahr beläuft sich auf bisher 2,5 Mrd. Euro. Das sind 9 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Beim Gewinn verbuchte SAP einen Rückgang von 8 Prozent auf 674 Mio. Euro. Der Überschuss belief sich in den ersten neun Monaten diesen Jahres auf 1,1 Mrd. Euro. Das wiederum sind 2 Prozent mehr als im Vorjahr.
Krise wird nicht schön geredet
Der Softwarehersteller möchte trotz der wenig erfreulichen Quartalszahlen wie geplant eine operative Marge von 25,5 bis 27 Prozent erreichen. Fakt also ist: Die Wirtschaftskrise hat SAP getroffen. Die Unternehmen bei Investitionen in Firmensoftware aber auch Softwareschulungen sparen. Außerdem sind die meisten SAP-Kunden anders als früher inzwischen mit Unternehmenssoftware gut ausgestattet. Der Markt für Unternehmenssoftware ist also vor allem bei großen Kunden ziemlich gesättigt.
Werner Brandt bringt es selbst auf den Punkt: "Während wir Anzeichen für eine Stabilisierung des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes sehen, bleibt unser Markt weiterhin schwierig", so der Finanzvorstand. SAP will deshalb seinen Sparkurs fortsetzen. Das bedeutet Stellenabbau, auch bei SAP. Dennoch muss Brandt vom eingeschlagenen Kurs des Unternehmens überzeugt sein, wenn er gerade jetzt seine Anteile am Unternehmen aufstockt.
Aussichten weniger düster als viele meinen
Ich meine: Sobald die Investitionszurückhaltung der großen Konzerne aufgrund der Wirtschaftskrise wieder nachlässt, dürfte auch das Geschäft von SAP wieder ins Laufen kommen. Zudem kündigte der neue Vorstandschef Leo Apotheker kürzlich die lang ersehnte Einführung der neuen Mittelstands-Software von SAP für das erste Halbjahr 2010 an. Ein riesiger neuer Markt würde sich dann für die Walldorfer eröffnen.
Zum ersten Mal in der Geschichte bietet SAP die Möglichkeit, die Anwendung direkt über das Internet zu nutzen, statt sie auf eigenen Servern installieren zu müssen. Der Kunde zahlt dann nur für die Nutzung und die Datenleitung. Das kommt den mittelständischen Firmen in wirtschaftlich schweren Zeiten entgegen. Lange hatte SAP seine Aktionäre auf diese Innovation warten lassen. Das drückte natürlich erheblich auf die Stimmung und dementsprechend auch auf den Aktienkurs. Gelingt die Einführung im kommenden Jahr, kommt dies einem Befreiungsschlag für die Aktie gleich.
Aktuell notieren die Anteile von SAP stabil über der wichtigen Unterstützungslinie von 30 Euro. Von hier aus kann nach oben so einiges passieren, wie der langfristige charttechnische Trend in Aussicht stellt. Jetzt muss SAP nur selbst den Startschuss geben. Man hat es also selbst in der Hand.
Ich wünsche Ihnen einen guten Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
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