Insider im Fokus: freenet
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 06. Mai 2008 14:30 Uhr
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Thorsten Krämer, Aufsichtsratsmitglied der freenet AG, hat sich Anfang vergangener Woche mit freenet-Aktien eingedeckt. Wie aus der Director´s Dealings Mitteilung des Unternehmens hervorgeht, hat er am 28. April 50.000 Aktien zu einem Kurs von 10,91 Euro über Xetra-Handel erworben. Die Transaktion hatte damit ein Volumen von etwas mehr als 0,5 Mio. Euro. Noch am Tag des Insiderkaufes ging die Meldung über die Ticker, dass der Aufsichtsrat von freenet einer Übernahme von Konkurrent Debitel zugestimmt hat.
Der Aktienkurs des Telekommunikationsdienstleisters, welcher seit dem Börsengang fast ausschließlich den Weg nach Süden kannte, konnte sich daraufhin deutlich stabilisieren. Die Aktie legte von 10,40 Euro auf knapp über 11 Euro zu. Doch der scheinbar von Krämer erhoffte Push nach oben blieb aus. Dabei klang die Meldung doch so großartig: „In Deutschland entsteht ein neuer drittgrößter Mobilfunk-Anbieter mit rund 19 Mio. Kunden.“
Neuer deutscher Mobilfunkriese entsteht
Hintergrund des Überraschungs-Deals: freenet soll für die Stuttgarter Mobilfunkgruppe Debitel inklusive Schulden insgesamt rund 1,63 Mrd. Euro an den Finanzinvestor Permira gezahlt haben. Permira wiederum soll im Gegenzug eine Beteiligung von 25 Prozent an Freenet erhalten und wird damit größter Einzelaktionär vor United Internet und Drillisch, die ihrerseits eine Übernahme von Freenet geplant haben.
Die Kartellbehörden müssen zunächst allerdings dem Kauf von Debitel durch freenet zustimmen. Und diesem Braten trauen die Aktionäre und Börsianer wohl noch nicht so recht über den Weg. Das erklärt die eher verhaltene Entwicklung des Aktienkurses nach der Bekanntgabe des Deals.
Auch generell stoßen freenet´s Übernahmepläne bisher auf wenig Zustimmung unter der Schar der Aktionäre, vor allem natürlich bei den beiden „gelackmeierten“ Großaktionären United Internet und Drillisch, die schon seit geraumer Zeit an der Freenet-Führung bezüglich ihres Übernahmewunsches dran sind. Freenet-Chef Spoerr lehnt einen Kauf durch United Internet und Drillisch jedoch mindestens schon genau so lange konsequent ab.
Um den Übernahmeversuch abzuwehren, stellte er schließlich vor knapp einem Monat die Weichen für einen Erwerb von Debitel. Durch die Ausgabe neuer Aktien an Permira wird der freenet-Anteil von United Internet und Drillisch sinken. Die beiden Konzerne halten über eine Holding 25,2 Prozent an dem norddeutschen Unternehmen. Nun sprachen sich die Konzernoberen von Drillisch und United Internet offiziell gegen eine Übernahme von Debitel aus. Und obendrauf packten sie ein neues Übernahmeangebot ihrerseits. Man will sich also nicht so einfach geschlagen geben.
Denn sollte die Kartellbehörde der Debitel-Übernahme ihr Jawort erteilen, dann rutscht der Anteil der beiden Großaktionäre unter die 25 Prozent-Marke. Zudem müssten United Internet und Drillisch, sollten sie dann noch immer Interesse an freenet haben, wohl weitaus tiefer in die Tasche greifen. Denn immerhin entstünde durch den Debitelkauf mit der neuen freenet AG die Nummer drei im deutschen Mobilfunkmarkt nach T-Mobile und Vodafone D2. Das ergebe mit großer Wahrscheinlichkeit einen ordentlichen Aufschlag auf den aktuellen Kurs der freenet-Aktie. Und eben darauf spekuliert wohl auch Aufsichtsrat Krämer.
Freenet im Kampf gegen seine Großaktionäre
Nun sollen sich United Internet und Drillisch nach eigenen Angaben auf die Suche nach geeigneten Partnern für das Gelingen ihrer Übernahmepläne gemacht haben. Acht institutionelle Investoren, die rund 32,6 Prozent des Grundkapitals von freenet hielten, hätten demnach bereits ihr Interesse bekundet, die Aktien zu verkaufen. Doch das ist zunächst reine Spekulation.
Meine Einschätzung: Der Schachzug von freenet mittels Debitel-Übernahme die eigene feindliche Übernahme inklusive Zerschlagung abzuwenden, ist durchaus sehr gewagt. Was aber bleibt der Konzernführung übrig, als offensiv gegen die Feinde ins Feld zu ziehen. Was auch immer nun im Machtkampf zwischen der „neuen freenet“ und den „alten“ Großaktionären an Geschützen aufgefahren wird, der Aktienkurs von freenet wird angesichts dessen zunächst auf mittelfristige Sicht ein zähes Dasein fristen.
Also ist der Insiderkauf von Herrn Krämer durchaus nicht auf kurzfristige Sicht gedacht. Er spekuliert auf die Zustimmung der Kartellbehörde und damit auf ein ausgepepptes Übernahmeangebot der „UI-Drillisch-Fraktion“. Wir dürfen gespannt sein, ob diese Spekulation aufgeht.
Ich wünsche Ihnen einen guten Börsentag.
Ihre
Cindy Bach