Insider im Fokus: Drillisch
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 22. November 2011, 14:30 Uhr
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Das große Kursdebakel von Drillisch liegt jetzt knapp zwei Wochen zurück. Am Montag, 7. November brach der Aktienkurs des Internet-Dienstleisters innerhalb weniger Handelsminuten um mehr als 65% ein. Der Schock unter den Marktakteuren war groß. Auch mein Redaktionsteam rieb sich die weit aufgerissenen Augen, während die Kurse weiter und weiter purzelten. Was war passiert?
Kurz nach 15.30 Uhr lief die Nachricht über die Ticker, dass die Deutsche Telekom Drillisch wegen Betruges angeklagt und die Geschäftsverbindung gekündigt habe. Die Telekom soll im August festgestellt haben, dass Drillisch seit Februar 2011 mehrere zehntausend Mobilfunkanschlüsse aktiviert hat, ohne dass reelle Kundenverhältnisse" vorgelegen hätten - jede Menge Scheinkunden, für welche die Drillisch-Tochter Simply Provisionen von der Telekom bekam, die ihr nicht zustanden. Drillisch habe die Telekom also um Provisionen in Höhe von 1 bis 2 Mio. Euro betrogen. Diese will sie nun einklagen.
Die Konzernführung von Drillisch bekundete innerhalb kürzester Zeit in den Medien, dass an der Sache nichts dran sei. Andere Geschäftspartner wie Vodafone und O2 stellten sich offiziell hinter ihren Partner. Die Aktie drehte und kämpfte sich über die Kursmarke von 6 Euro zurück. Ende vergangene Woche drehte der Kurs abermals und durchbrach die die 6-Euro-Schwelle wieder nach unten. Aktuell notiert sie knapp darunter bei 5,90 Euro. Damit notiert die Aktie noch immer knapp 30% unter ihrem alten Kursniveau.
Viele Experten halten diese massive Kursabstrafung für absolut übertrieben. 130 Mio. Euro Börsenwert seien in Anbetracht eines Peanuts-Schadens" von 1,5 bis 2 Mio. Euro deutlich überzogen. Im Gesamtjahr soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) nach wie vor von 49,3 auf 52 Mio. Euro klettern. Damit kommt Drillisch auf ein aktuelles 2011er KGV von gerade mal 6. Das scheinen auch die beiden Konzernchefs Paschalis Choulidis und Vlasios Choulidis für zu niedrig zu halten. Sie nutzten das runter geprügelte Kursniveau um zwei recht beachtliche Pakete mit Drillisch-Aktien in ihre privaten Depots zu kaufen. Gemeinsam legten sie dafür mehr als eine halbe Mio. Euro auf den Tisch. Ein echter Vertrauensbeweis.
| Datum | Name | Stellung im Konzern | Art | Anzahl | Kurs in Euro | Volumen in Euro |
| 09.11.2011 | Vlasios Choulidis | Vorstand | Kauf | 55.000 | 6,16 | 338.628 |
| 09.11.2011 | Paschalis Choulidis | Finanzvorstand | Kauf | 50.000 | 6,20 | 310.000 |
Die Experten von Der Aktionär mahnen dennoch zur Vorsicht - zumindest kurzfristig: "Trotz starker Q3-Zahlen, der attraktiven fundamentalen Bewertung und der Ankündigung von Unternehmen und Vorstand, eigene Aktien kaufen zu wollen, könnte der Drillisch-Kurs kurzfristig unter Druck bleiben. Die finanziellen Auswirkungen des Streits mit der Telekom mögen überschaubar sein, das Image des Maintaler Unternehmens aber hat gelitten. Vor einem Neueinstieg empfiehlt sich, eine Kursberuhigung abzuwarten."