Insider im Fokus: Bijou Brigitte
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 21. September 2011, 14:30 Uhr
ENL5454
im September 2008 notierte die Aktie von Modeschmuckanbieter Bijou Brigitte auf einem Mehrjahrestief. Die Aktie war innerhalb von 18 Monaten von 175 Euro auf 60 Euro eingebrochen - Finanzmarktkrise und Rezession sei Dank. Doch plötzlich drehte der Kurs und stabilisierte sich leicht bis auf knapp 70 Euro.
Die beiden Vorstände Roland Werner und Marc Gabriel sahen die Trendwende gekommen und griffen auf dem mehr als günstigen Kursniveau zu.
| Datum | Name Insider | Stellung | Art | Anzahl | Kurs | Volumen |
| 04.09.2008 | Roland Werner | Vorstand | Kauf | 500 | 68,00 | 34.000 |
| 03.09.2008 | Marc Gabriel | Vorstand | Kauf | 550 | 70,00 | 38.500 |
Was dann kam war beeindruckend. Die Aktie legte eine 18 Monate andauernde Rally hin, welche das Papier bis auf 144 Euro Anfang dieses Jahres laufen ließ. Die Vorstände hatten also ein glückliches Händchen beim Einstieg bewiesen. Doch sie nahmen ihre Gewinne nicht mit. Sie blieben investiert, auch als die Aktie im März 2011 zu einer erneuten Talfahrt aufbrach, welche das Papier innerhalb weniger Monate auf das Einstiegsniveau der beiden Insider zurück brachte. Im Dezember 2011, genau drei Jahre nach dem letzten Mehrjahrestief, hat Bijou Brigitte dieses Kursniveau wieder erreicht. Und - oh Wunder - auch im September 2011 zeigt der Aktienkurs erste Erholungstendenzen. Am 13. September drehte die Aktie beim Tief bei 61 Euro und sprang binnen weniger Tage bis auf aktuell 68 Euro. Und was machen Werner und Gabriel - sie kaufen erneut. Scheinbar glauben sie auch an eine Wiederholung der letzten Rally.
| Datum | Name Insider | Stellung | Art | Anzahl | Kurs | Volumen |
| 09.09.2011 | Roland Werner | Vorstand | Kauf | 500 | 62,00 | 31.000 |
| 09.09.2011 | Marc Gabriel | Vorstand | Kauf | 250 | 62,50 | 15.625 |
Doch die fundamentale Ausgangslage ist nicht mehr ganz dieselbe wie 2008. War Bijou Brigitte bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts ein Garant für stetiges Wachstum, stagnieren Umsatz und Gewinn seit 2006. Als Belastung erweist sich komischerweise das, was einst vom Konzern als richtige Strategie zur Absicherung der hohen Wachstumsraten gesehen wurde: die starke Auslandsexpansion, insbesondere in Südeuropa. Und in eben diesen Absatzregionen regieren derzeit Staatsschulden- und Wirtschaftskrise. Der Umsatz in den für Bijou wichtigen Märkten Spanien und Portugal war im ersten Halbjahr 2011 aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage weiterhin deutlich rückläufig.
Sorgenkind bleibt die Iberische Halbinsel
Kein Wunder also, dass das erste Halbjahr für den Konzern insgesamt alles andere als erfreulich verlief: Mit einem leichten Umsatzrückgang und einem deutlich niedrigeren Ergebnis hat der Hamburger Modeschmuckkonzern die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres beenden. Während der Konzernumsatz mit 174,3 Mio. Euro das entsprechende Vorjahresniveau nur knapp verfehlte, ging der Gewinn je Aktie markant von 3,11 auf 2,38 Euro zurück.
Für das gesamte Geschäftsjahr sind die Aussichten wenig verheißungsvoll: Angesichts der makroökonomischen Unsicherheiten und der vorliegenden Resultate rechnet die Unternehmensleitung mit einem leichten Umsatzrückgang sowie einem Nettoergebnis im Bereich von 45 bis 50 Mio. Euro. 2010 hatte Bijou Brigitte noch einen Überschuss von 58,3 Mio. Euro erzielt.
Doch nun kommt mein dickes, fettes Aber: An der fundamentalen Klasse von Bijou Brigitte hat sich nichts geändert. Das Unternehmen ist schuldenfrei: Der Finanzierungsbedarf des Konzerns ist vollständig durch den Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit gedeckt (30.06.2011: 22,4 Mio. Euro). Bijou Brigitte hat zudem die Eigenkapitalquote auf 88% ausbauen können und besitzt mehr als ausreichend Cash in der Kasse (183,9 Mio. Euro). Und das Unternehmen wächst, wenn auch etwas langsamer weiter. Legt man eine konservative Umsatzprognose für 2011 von 385 Mio. Euro zugrunde, dann wird Bijou in diesem Geschäftsjahr eine Umsatzrendite von knapp 13% und eine Eigenkapitalrendite von 18,6% erwirtschaften - das ist wahrlich beeindruckend. Hinzu kommt eine Dividendenrendite von aktuell 9,43%. Auch nicht zu verachten ist die mittlerweile charttechnisch wieder recht interessante Ausgangslage. Das könnte spekulative Anleger durchaus locken.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag.
Ihre
Cindy Bach
