Insider im Fokus: Analytik Jena AG
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 06. November 2007 14:30 Uhr
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es ist mal wieder „Insider im Fokus“-Time: Auch in der vergangenen Woche wurden vor allem auf Seite der Micro Caps wieder zahlreiche Insidertransaktionen vorgenommen. Eine interessante Directors Dealings Meldung betraf einen Insiderkauf bei der im General Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gelisteten Analytik Jena AG.
Bei den meldepflichtigen Personen handelte es sich um Vorstandsvorsitzenden Klaus Berka und dessen Ehefrau Anita Berka sowie den stellvertretenden Vorstand Jens Adomat und dessen Ehefrau Annett Adomat, die über ihre gemeinsam zu gleichen Teilen betriebene Grundstücksverwaltungsgesellschaft, A&B und Partner GbR, 20.000 Aktien von Analytik Jena im Gesamtwert von 121.275 Euro außerbörslich erwarben. Ein Grund für mich das Unternehmen mal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Das Unternehmen: Tradition und Innovation
Schon lange hegen wir die Vermutung, dass wir nicht mehr das essen, was wir essen. Lebensmittelskandale bevölkern die Medien und verderben uns nicht selten den „Genuss am Essen“. Sind unsere Lebensmittel mit Schwermetallen belastet, die unsere Gesundheit gefährden? Enthält der probiotische Joghurt die richtigen Enzyme, um die gewünschte Wirkung auf Stoffwechsel und Immunsystem auch garantieren zu können? Diesen Fragen versuchen Wissenschaftler in den Laboren der Lebensmittel-, Umwelt-, und Biotechnologie auf den Grund zu gehen. Dafür benötigen sie innovative Technologien und Analysesysteme, wie die von Analytik Jena.
Analytik Jena und deren Tochterfirmen entwickeln, produzieren und vertreiben analytische und bioanalytische Systeme, die eine quantitative und qualitative Charakterisierung von festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffen ermöglichen. Die Kunden des Unternehmens stammen demnach vorwiegend aus der Industrie und der Wissenschaft. Daneben gehört die Projektierung und Einrichtung kompletter Laboratorien zum Angebot. Bei Analytik Jena treffen 150 Jahre Erfahrung auf absolute Innovation. Erst im November vergangenen Jahres wurde das von den Jenaern entwickelte „Verfahren zum schnellen Nachweis des Vogelgrippe-Erregers H5N1“ mit dem Thüringer Innovationspreis 2006 ausgezeichnet.
Mehr als zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaftet die Gesellschaft mittlerweile im Ausland. Einen enormen Schub in die internationale Ausrichtung brachte der Markteintritt in Asien im Geschäftsjahr 2001/2002. Um künftig flexibler auf die internationalen Währungsschwankungen am asiatischen Markt reagieren zu können, gründete Analytik Jena zu Beginn des Geschäftsjahrs 2004/05 ein Tochterunternehmen in Shanghai. Überdies ist man auch in Japan und Russland mit einem eigenen Vertriebsbüro vertreten. Tochtergesellschaften gibt es u.a. in Russland, China, Japan und den USA.
Die Zahlen: Von Rekord zu Rekord!
„Analytik Jena von Rekord zu Rekord!“, titelte der BetaFaktor im Mai dieses Jahres. Denn nach dem schon mehr als ansprechenden ersten Fiskalquartal 2006/07, das zum 31. Dezember 2006 endete, konnten die Jenaer auch in Quartal Nummer zwei (Ende: 31. März 2007) einen Rekord verbuchen. Den Hintergrund erklärte man sich bei den Experten von BetaFaktor so: „Die Konjunktur brummt – und Analytik Jena hat marktführende Produkte, die weltweit nachgefragt werden. Als Sondersituation kommt hinzu, dass vor allem das margenstarke Instrumentengeschäft überdurchschnittlich läuft.“
Dies mündete in einer wahren Ebit-Explosion um 31,4% auf 2,3 Mio. Euro. Gleichzeitig streute Vorstandschef Berka die Aussicht auf einen lukrativen Auftrag im Geschäftsbereich Projekte, der bisher der exzellenten Geschäftsentwicklung 2007 noch dezent hinterher hinkt. Im vierten Quartal des laufenden aber spätestens im ersten Quartal des folgenden Geschäftsjahres soll dieser Auftrag sich im Umsatz niederschlagen. Details dazu und eine entsprechende Prognoseanhebung blieben damals dennoch aus.
Auch die Neunmonatszahlen brachten einen Umsatz- und Ergebnisanstieg. Der Gesamtumsatz kletterte um 7,2% auf 49,19 Mio. Euro, nach 45,88 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Das Ebit kletterte von 2,04 Mio. Euro auf 2,34 Mio. Euro, wobei die Ebit-Marge von 4,4 auf 4,8% stieg. Es lief also jetzt drei Quartale hintereinander alles nach Plan, aber wieder keine Prognoseanhebung.
Der Chart: Ordentlich zusammengefaltet!
Das was seit Anfang 2007 in Bezug auf die Entwicklung der Aktie von Analytik Jena zu vernehmen war, gefällt indes weniger: Die Aktie des Systemanbieters notiert aktuell auf ihrem 9-Monatstief. Mitte dieses Jahres wurde zudem der seit 2003 bestehende, langfristige Aufwärtstrend erstmals nach unten durchbrochen. Damit wurde eine Börsenwert-Vernichtung eingeleitet (aktuell: 27,46 Mio. Euro), die bis auf die Höhe des Eigenkapitals zusammen schmolz. Erst im Geschäftsjahr 2005/2006 hatte Analytik das Kapital um 962.501 neue Aktien auf insgesamt 4,8 Mio. Stücke erhöht, infolge dessen das wirtschaftliche Eigenkapital auf 27,48 Mio. Euro zulegte.
Eine Bodenbildung auf aktuellem Niveau wäre rein technisch gesehen möglich, da der Kurs sich seit einiger Zeit schon um die mögliche Unterstützung bei 5,60 Euro bewegt. Variante zwei ist aus meiner Sicht jedoch wahrscheinlicher: Wir würden dann auch noch die Marke von fünf Euro fallen sehen, bevor sich ein endgültiger Boden für einen charttechnischen Turnaround bei 4,50 Euro ausbildet.
Die Aussichten: Es läuft bestens, aber die Währungsrisiken...
Für das Gesamtjahr 2006/2007, das am 30. September endete, erwartet das Management einen Umsatz von rund 75 Mio. Euro (Umsatz 2005/2006: 64,4 Mio. Euro) und ein Ebit von etwa 3,5 Mio. Euro. Ob bei Letzterem nicht sogar eine vier vor dem Komma drin ist, wie einige Analysten vermuten, werden wir leider erst im Dezember erfahren, wenn das Unternehmen laut Terminplan sein Jahresergebnis offiziell bekannt geben wird. Böse Überraschungen erwartet nach drei Top-Quartalen eigentlich kaum einer. Doch es gibt da in meinen Augen einen ganz wichtigen Aspekt, die sogenannte zweite Seite der Medaille.
Ich hatte es ja bereits vorhin schon erwähnt: Analytik Jena erzielt mehr als zwei Drittel seines Umsatzes im Ausland. Allein 40% des international erwirtschafteten Umsatzes sind derzeit durch den zunehmenden Dollarverfall belastet. Das drückt gewaltig auf das Ergebnis. Auch wenn die Geschäfte sonst brummen. Denn wenn der Dollar derart an Wert verliert wie in den vergangenen Monaten, dann wird jede noch so gute Marge irgendwann schlicht weg aufgefressen.
Wie man da von Konzernseite im letzten Quartal gegensteuern konnte, wird sich im Dezember zeigen: Ich sag nur: Stand des Euro Anfang Juli: 1,36 Dollar; Ende September: 1,42 Dollar. Aktuell sogar 1,45 Dollar. Ob man das einkalkuliert hat? Der Kauf eigener Aktien durch Vorstandsmitglieder lässt mich hoffen, dass da vielleicht ein ganz großer Fisch jenseits des Dollars an Land gezogen wurde. Hatte man doch verkündet insbesondere das Asien- und Osteuropageschäft künftig stärker forcieren zu wollen. Ich bleibe dran....
Ihnen einen schönen Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
