Insider Daily-Medienschau: US-Autobauern steht das Wasser bis zum Hals
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 3. Dezember 2008, 10:00 Uhr
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wer bislang noch zweifelte, der bekam es nun schwarz auf weiß präsentiert: Die Furcht der amerikanischen Autohersteller vor einer existenzbedrohenden Absatzkrise ist gerechtfertigt. Wie gestern aus den USA zu vernehmen war, brach der Autoabsatz in den USA im November um ein Drittel ein. Überraschend kommt diese Meldung für uns nicht, denn längst ist bekannt, dass es keine gute Zeiten für die amerikanischen Autobauer sind. Doch angeblich soll die Lage für die Automobilbranche rund um den Globus - auch für die deutschen Autobauer - nun doch weitaus düsterer aussehen, als bislang angenommen.
Ich vernahm es bereits heute am frühen Morgen von meinem ersten "Neuigkeiten-Orakel" des Tages - dem Radiowecker: Nicht nur auf Deutschlands Straßen ist es derzeit eiskalt und verschneit, auch in der Automobilbranche weht der Wind weitaus eisiger, als bisher angenommen. Grund Nummer eins: Die kreditverwöhnten Amerikaner kaufen kaum mehr Autos. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat den US-Autoabsatz auf dem weltweit größten Markt sämtlicher Hersteller in den Keller gehen lassen. Im November verzeichneten sie drastische Rückgänge. Laut Ford Motors betrug dieser Absatzrückgang ein Drittel.
Die amerikanischen Hersteller mit ihrer auf dem Weltmarkt kaum noch wettbewerbsfähigen Modellpalette litten dabei besonders stark. Ford verkaufte 30 Prozent weniger; der ehemals größte Autohersteller der Welt, General Motors, verbuchte sogar ein Minus von 41 Prozent. Auch die Importeure mussten auf dem amerikanischen Markt empfindliche Einbußen verbuchen. Autos von Toyota verkauften sich im Jahresvergleich um 33,9 Prozent schlechter.
Von den deutschen Herstellern kam VW noch recht glimpflich davon. Volkswagen verkaufte mit 14.295 Autos "nur" 19 Prozent weniger als vor einem Jahr. BMW und Daimler meldeten ebenfalls US-Absatzzahlen. Mit 19.762 verkauften Autos lag der Münchener Konzern 26,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Daimler verbuchte einen Rückgang von 30 Prozent auf 15.991 Autos. Und selbst Porsche, die sonst immer im Vergleich noch recht gut abschnitten, kamen diesmal auf lediglich 1.378 verkaufte Autos, fast die Hälfte weniger als vor einem Jahr. "Der dramatische Abschwung im Pkw-Markt, einschließlich der Luxusmarken, zeigt keine Anzeichen einer Erholung", teilte Porsche mit.
GM und Chrysler müssen ohne Staatshilfe Insolvenz anmelden
Und so werden nun auch die Hilferufe von General Motors, Chrysler und Ford immer lauter und vor allem auch konkreter: Die US-Gewerkschaft der Automobilarbeiter befürchtet offenbar, dass General Motors noch vor Weihnachten Gläubigerschutz nach Chapter 11 des UN-Insolvenzrechts anmelden muss, sollte der angeschlagene US-Automobilhersteller keine staatliche Hilfe bekommen.
Die drei großen US-Autokonzerne benötigen nach eigenen Angaben mittlerweile staatliche Darlehen in Höhe von insgesamt rund 34 Mrd. Dollar. Die Opel-Mutter General Motors beantragte gestern vor dem US-Senat eine Finanzhilfe von 18 Mrd. Dollar. Noch in diesem Monat sei ein erstes Darlehen in Höhe von 4 Mrd. Dollar erforderlich, weitere 8 Mrd. Dollar würden bis Ende März benötigt. Sollte sich die Marktlage weiter verschlechtern, sei zusätzlich eine Kreditlinie von 6 Mrd. Dollar notwendig.
Chrysler teilte mit, ohne staatliche Hilfe drohe dem Unternehmen im ersten Quartal des kommenden Jahres die Insolvenz. Der Konzern beantrage daher ein Darlehen in Höhe von 7 Mrd. Dollar, das noch vor Jahresende benötigt werde. Ford bat den Kongress um eine Absicherung in Höhe von 9 Mrd. Dollar, erklärte aber zugleich, möglicherweise werde das Geld gar nicht gebraucht. Ford will 2011 wieder Gewinn machen oder zumindest den Break-even erreichen.
Die drei großen Autobauer unternehmen in dieser Woche einen neuen Anlauf, an Staatsgelder zu kommen, um ihr Überleben zu sichern. Vor zwei Wochen hatten die Abgeordneten sie abgewiesen, weil die Konzernchefs keine konkreten Vorschläge für die Sanierung vorzuweisen hatten. Diesmal waren die Top-Manager scheinbar etwas besser vorbereitet. Immerhin geht es für sie mittlerweile um "Kopf und Kragen". Wir dürfen gespannt sein, ob die Bittsteller diesmal Gehör und offene Portemonaies bei den Staatsmännern finden.
Ich wünsche Ihnen einen winterlich schönen Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
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