Insider Daily-Medienschau: Henkel, E.ON und Lanxess
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 10. November 2010, 14:30 Uhr
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ich sehe nur noch Zahlen. In dieser Woche beschäftige ich mich mit nichts anderem als der Auswertung von Quartalsberichten. Denn wie Sie bereits am Montag in unserem Wochenausblick sehen konnten, ist die Liste derer, die in diesen Tagen Einblick in ihr Zahlenwerk gewähren, fast unüberschaubar lang. Sicher ist es schwer, hier zu selektieren, denn für jeden Leser sind andere Zahlen wichtig. Ich habe für Sie dennoch vier Unternehmen herausgepickt, die alle heute Zahlen vorlegten: Neben Henkel und E.ON aus dem DAX, finden Sie Zahlen und Jahresausblicke von MDAX-Wert Lanxess.
Beginnen wir mit Henkel: Der Hersteller von Pritt-Klebestiften und Persil Megaperls hat im dritten Quartal dank steigender Konsumlaune und einem straffen Kostensenkungsprogramm einen Gewinnsprung erzielt. So konnte der Nettogewinn von 172 Mio. Euro auf 337 Mio. Euro nahezu verdoppelt werden. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie erhöhte sich von 0,59 auf 0,80 Euro, das bereinigte Ebit kletterte von 407 auf 517 Mio. Euro.
Auch den Umsatz konnte Henkel um 13,7% auf 3,961 Mrd. Euro steigern. Das organische Wachstum belief sich dabei auf 6,5%. Damit konnte Henkel die im Vorfeld von Experten gemachten Prognosen in allen Kennzahlen überbieten.
Florierende Geschäfte in der Klebstoffsparte und Kostensenkungen seien laut Aussage des Konsumgüterkonzerns die maßgeblichen Wachstumstreiber gewesen, allein die Klebstoffsparte vollzog einen beeindruckenden EBIT-Sprung von 89 auf 268 Mio. Euro. Und Henkel sieht sich auch für das Gesamtjahr voll auf Kurs - die Prognose wurde deutlich angehoben. So will Henkel das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie (EPS) 2010 nun um "mehr als 45%" steigern. Die bereinigte Ebit-Marge solle auf "deutlich über 12,0%" anwachsen.
"Henkel zündet den Turbo", schreiben heute die Experten von "Der Aktionär" nach Veröffentlichung der Zahlen. "Die Henkel-Aktie hat auf die Zahlen mit einem Kurssprung von aktuell mehr als sechs Prozent reagiert. Somit haben sich nun auch die charttechnischen Aussichten deutlich verbessert." Die Aktie habe die wichtige technische Hürde beim alten Hoch knapp unterhalb von 42 Euro mühelos überspringen und somit ein neues Kaufsignal generieren können.
E.ON: Strategiewechsel und Prognosebestätigung
Erst gab es Zahlen und dann musste er vor die Presse: Pressekonferenz mit Liveübertragung im Fernsehen hieß es heute Morgen für E.ON-Chef Johannes Teyssen. Und was er zu verkünden hatte, traf auf großes Interesse. Denn er will den größten deutschen Energieversorger tief greifend umbauen. Dabei will der Manager sich stärker auf die Energieerzeugung konzentrieren. In der Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen und mit konventionellen Kraftwerken gebe es die größten Wachstumschancen, verkündete er. Zudem will Teyssen künftig auch außerhalb Europas stärker in der Erzeugung und im Handel mitmischen. Bislang ist E.ON fast ausschließlich in Europa präsent.
Um für die Expansion Geld zu bekommen und die Schulden weiter abzubauen, kündigte Teyssen den Verkauf von anderen Geschäften und Beteiligungen an. Welche Bereiche er dabei im Blick hat, ließ der erst seit einem halben Jahr amtierende Vorstandschef zunächst offen.
Einen Schwerpunkt wolle E.ON künftig natürlich auch auf die erneuerbaren Energien legen. Bis 2015 sei die Verdreifachung der bisherigen Kapazitäten geplant. Dabei setze man auf Windparks in Nord- und Ostsee sowie auf Solarkraftwerke in Südeuropa.
Apropos Südeuropa: Milliardenabschreibungen auf die dortigen Geschäfte haben dem Energiekonzern in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Gewinnrückgang eingebrockt. Der Überschuss sank um 42% auf 3,5 Mrd. Euro. Eine Überraschung war das indes nicht. Denn E.ON hatte die Wertberichtigungen von 2,6 Milliarden Euro in Südeuropa bereits Ende Oktober bekannt gegeben.
Auf die Dividende soll dies jedoch keinen Einfluss haben. Entscheidende Messgröße ist dabei das bereinigte Nettoergebnis, aus dem einmalige und nicht zahlungswirksame Effekte wie Wertberichtigungen herausgerechnet werden. Und nach neun Monaten lag diese Kennzahl bei 4,4 Mrd. Euro, ein Plus von rund 2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Operativ (bereinigtes EBIT) steigerte E.ON seinen Gewinn um 8% auf rund 8 Mrd. Euro. Der Umsatz konnte um 11% auf fast 64 Mrd. Euro zulegen.
An seiner Jahresprognose hielt das Unternehmen fest. Demnach soll das operative Ergebnis maximal um 3% steigen, der bereinigte Überschuss stagnieren.
Vor allem die Bestätigung der Dividende dürfte bei den E.ON-Anlegern in diesem Informations-Wirrwarr auf positive Resonanz gestoßen sein. Die Aktie kann heute im frühen Handel um gut 4% zulegen und sich hinter Henkel auf Platz zwei der DAX-Gewinner einreihen.
Lanxess erhöht Prognose erneut
Für Begeisterung unter den Aktionären dürfte auch das Zahlenwerk von Lanxess gesorgt haben: Der Spezialchemiekonzern hat nach einem Umsatz- und Gewinnschub im dritten Quartal die Prognose für 2010 nämlich abermals angehoben.
Dank einer weiter kräftigen Nachfrage sei nun ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (EBITDA) sowie vor Sondereinflüssen von etwa 900 Mio. Euro zu erwarten. Bisher waren etwa 800 Mio. Euro veranschlagt worden. "2010 gehen wir von einer sehr guten Entwicklung aus", sagte Konzernchef Axel Heitmann.
Entscheidender Treiber blieb auch im dritten Quartal die starke Nachfrage nach synthetischen Kautschuken und Hightech-Kunststoffen. Der Konzerngewinn erhöhte sich von Juli bis September auf von 23 Mio. Euro auf 118 Mio. Euro. Der Umsatz kletterte um 34,5% auf 1,847 Mrd. Euro, während das operative Ergebnis (EBITDA) vor Sondereinflüssen um 70,6% auf 244 Mio. Euro zulegte. Analysten hatten im Schnitt deutlich niedrigere Werte erwartet. So waren sie im Konsens von 1,81 Mrd. Euro Umsatz und einem operativen Gewinn von 138 Mio. Euro ausgegangen.
Besonders erfreulich finde ich: Auch die Lanxess-Mitarbeiter sollen am Geschäftserfolg beteiligt werden. Es sei eine einmalige Zahlung von rund 20 Mio. Euro geplant. "Weltweit haben unsere Mitarbeiter auf Teile ihres variablen Einkommens verzichtet und damit dem Konzern die Möglichkeit gegeben, im Krisenjahr 2009 Einsparungen zu erreichen", sagte Heitmann. "Es ist daher nur fair, wenn wir uns nun bei ihnen mit einer Einmalzahlung bedanken."
Lanxess bleibt auf Wachstumskurs. Kann der für seine eher konservativen Prognosen bekannte MDAX-Konzern das Ziel eines EBITDA von 900 Mio. Euro erfüllen, dann wird Lanxess den Rekordgewinn aus 2008 um 14% übertreffen. Ein Ergebnisrekord wird es allemal. Die Lanxess-Aktie läuft und läuft seit zwei Jahren ununterbrochen. Heute verlor das Papier trotz der guten Zahlen bis zum Mittag gut 1,8% und notierte knapp über 51 Euro. Einige nutzten die gute Nachrichtenlage wohl aus, um Gewinne zu realisieren.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.
Ihre
Cindy Bach
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