Inkonsequent
Kay Patrick Kaymer in Wave Daily
vom 02. Oktober 2006 13:00 Uhr
ENL5454
Dass der September vorbei ist, merke ich meist daran das ein guter Freund von mir Geburtstag hat und dann traditionell am letzten September Wochenende eine Party schmeißt. Der September hat nicht das gehalten was er aus saisonaler Sicht verspricht. Wie Sie wissen ist die saisonale Analyse ein Baustein, aber bestimmt nicht der heilige Gral. Viele Bullen meinten bereits zu Beginn des Crash Monats, dass saisonale Analyse non-sens ist.
Da kann man zu stehen wie man will. Für mich ist es halt nur eine Auswertung der Verläufe zu bestimmten Zeitpunkten. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn ich allerdings von den gleichen Analysten nun zu hören bekommen, dass Sie sich für die Weihnachtrallye anschnallen sollen, komme ich schon ins Staunen. Hatten mir diese Herrschaften nicht noch vor einem Monat erzählt, dass saisonale Muster Quatsch sind.... Der Oktober ist übrigens aus saisonaler Sicht ein durchwachsener Monat. Ich bin gespannt.
Stammtischgespräche
Aber zurück zur Party. Nach einigen - leider nur halbkalten – Bierchen, einem Vodka Red Bull Verschnitt und leckerem Essen kam neben einigen Witzen auch das Gespräch auf die aktuelle Entwicklung in Deutschland. Ich fide es immer wieder hoch interessant sich mit Menschen mit unterschiedlichem Background über solche Themen zu unterhalten. Das hat den Vorteil, dass man dadurch seine manchmal engstirnige Einstellung ein wenig öffnen kann.
Das Hauptthema war der Insolvenzantrag von BenQ. Gerade einmal ein Jahr ist es her, da hat Siemens sein ehemaliges Problemkind an die Taiwanesen verschenkt und sogar noch ein ordentliches Päckchen Geld oben drauf gelegt. Ein kluger Schachzug damals. Was da jetzt aber abgelaufen ist, ist einfach nur eine Sauerei. Siemens dachte anscheinend dass sie sich mit dem Verkauf schön aus der Affäre ziehen können. Aber ganz so vergesslich ist das deutsche Volk dann doch nicht.
So steht der Deutsche Traditionskonzern bereits zum zweiten Mal im Rampenlicht. Und auch beim ersten Mal war das nicht gerade ein positives Licht. Während die Mitarbeiter unter Sparzwang leiden, hat sich der CEO Kleinfeld sich und seinen Kollegen mal eben eine Gehaltserhöhung von 30% genehmigt. Jetzt lese ich heute morgen, dass die Vorstände die Gehaltserhöhung nicht annehmen bzw. das Geld den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt wird. Ein richtiger Schachzug, aber das hätte erst gar nicht so kommen müssen. Wo bleibt hier die nachhaltige Verantwortung? Ich frage mich, wie solche Manager morgens ohne Probleme in den Spiegel schauen können....
Gewerkschafter auch nicht anders
Bei meiner Wochenendlektüre wurde wieder einmal mein Bild über die Gewerkschaftsfunktionäre bestätigt. Gerade diejenigen die immer am lautesten tönen und häufig falsche und rein populistische Argumente in die Runde schmeißen, haben ihren eigenen Mitarbeitern klammheimlich die Altersvorsorge gekürzt. Klasse Leistung! Wenn die Gewerkschaftsangestellten nun nach den Maximen ihrer Chefs handeln, sollten sie einmal streiken...