Inflationserwartungen
Investors Daily
vom 18. November 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Die Anweisungen meines Arztes in den Wind schlagend, schaute ich mir Alan Greenspan im Fernsehen an, als er vor dem versammelten Wirtschaftskomitee eine Rede hielt und natürlich habe ich schrecklich an den Gurten der Zwangsjacke gezerrt, die ich jetzt tragen muss. Mir blieb nur noch übrig, zu fluchen und auf den Bildschirm zu spucken, wann immer ich nicht mit dem übereinstimmte, was dieser schreckliche kleine Mann sagte.
Heute geht es nur noch darum, "die Inflationserwartungen einzudämmen". Die Tatsache, dass wir es offensichtlich mit einer Preisinflation zu tun haben, kommt nie auf den Tisch. Der Fed scheint es wichtiger zu sein, die Erwartungen der Leute zu kontrollieren. Hahahaha! Wo steht das in der Verfassung der Fed? Hahahaha! Dieser ganze Unsinn ist so absurd, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass irgendwer, außer den Dummköpfen bei CNBC, darauf reinfallen wird.
Und darauf reingefallen, das sind sie. Auf CNBC gab es drei Schwachköpfe, darunter Steve Liesman (der Hausökonom bei CNBC), Rick Santelli (Volontär) und irgend so eine Labertasche von einer Bank (der Gasttrottel), die sich angeregt über die "Inflationserwartung" unterhielten, und dabei nicht ein einziges Mal erwähnten, 1.) dass die Preisinflation eine Tatsache ist und dass die steigende Inflation eine Tatsache ist. 2.) dass die verdammte Fed immer noch Geld und Kredite in Rekordgeschwindigkeit herauspumpt (monetäre Inflation), was bedeutet, dass die Preisinflation sich noch schlimmer entwickeln wird oder 3.) welche schrecklichen Auswirkungen das auf den Mogambo haben muss. Die lokalen Fernsehstationen stellen schon ihre Kameras vor meinem Haus auf, weil sie wissen, dass ich schon sehr bald in einem Anfall von selbstgerechter Wut vor ihnen in die Luft gehen werde.
Ich werde Ihnen zeigen, welch ein schwachsinniger Lügner Greenspan ist: er hat gesagt, dass "auch wenn die Ausgaben auch im vergangenen Jahr weiter gestiegen sind, dann ist das Defizit im Gesamthaushalt doch um 319 Milliarden Dollar zurückgegangen, auf fast 100 Milliarden Dollar weniger als die Zahl für das Steuerjahr 2004 und es ist eine wesentlich geringere Zahl, als irgendwer zu Anfang des Jahres geglaubt hätte." Hahahaha! Allein die neu angefallen Schulden auf Bundesebene liegen schon bei über 500 Milliarden Dollar. Und doch gibt es irgendein "Gesamtbudget" – eine Ansammlung von Lügen und Verzerrungen und "außerbudgetären" Ausgaben – das ein Defizit von nur 319 Milliarden Dollar aufweist? Hahahaha! Und dieser hinterhältige Esel ist der Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank? Hahaha! Kein Wunder, dass die Leute uns töten wollen. Wir sind Trottel mit Atombomben.
Greenspan hat auch gesagt, die "Inflationserwartungen sind zurückgegangen und demnach sind auch die Inflationsprämien, die in die langfristigen Zinssätze überall auf der Welt eingehen, gefallen." Häh? Anleihenpreise fallen, Zinssätze steigen und doch denkt dieser Depp, dass die Inflationsprämien gefallen sind? Hahahaha! Was ist denn dann gestiegen, was die Sätze steigen ließ? Hahahaha! Was für ein Trottel!
Er hat in einem Anfall von Ehrlichkeit gesagt: "Nichtsdestotrotz, die Unterdrückung einer Kostenzunahme und einer weltweiten Inflation, wird irgendwann anfangen nachzulassen und mit Abschluss dieser Niveauangleichung auch langsam aber sicher enden." Also gibt er zu, dass man die Kostenzunahme und die weltweiten Inflation unterdrückt. Und er gibt zu, dass die List irgendwann ein Ende haben wird. Und was passiert danach? Ich werde Ihnen sagen, was als nächstes passieren wird: Wir sterben einen schrecklichen wirtschaftlichen Tod!
Aber mit dieser "gesteuerte Inflationserwartung" ist man bei Stuart Thomson an der falschen Adresse. Er ist ein Stratege bei Charles Stanley Sutherlands in Schottland. Da wir es hier mit einem Schotten zu tun haben, bin ich dazu übergegangenen, Single Malt Scotch zu trinken. Er hat gesagt, dass er glaubt, T-Bonds würden ein gutes Geschäft versprechen, weil die Erträge für zehn Jahre in der letzten Woche mit den höchsten Erträgen abschlossen, die erreicht wurden, seit die Fed angefangen hat, die Zinssätze im Juni 2004 anzuheben.
Und dass das bedeuten würde, dass Anleihen eine "gute Kaufmöglichkeit sind, da der Markt vom aggressiven Kommentar der Fed verführt wurde.", Hahahaha! Dazu sagt der Kommentator des Marktes: "Was sind denn steigende Zinssätze, wenn nicht ein Maß für das Geld, das den Anleihenmarkt verlässt?"
Augenscheinlich stimmt Mr. Thomson da nicht mit mir überein. In der Ausgabe des Economist vom 5. November schreibt er, der "Preis für die amerikanischen Schatzanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit ist gesunken", und "Anleihen haben auch anderswo ihre Anziehungskraft verloren."
Wenn man wissen will, warum das so ist, muss man nur – da wir sowieso schon im Economist blättern – einen Blick auf die Zahlen werfen, die die Geldmenge beziffern. Und dann wird man erstaunt feststellen, dass allerorten Geld im zweistelligen Bereich neu in Umlauf gebracht wird. Diese Geldinflation bedeutet, dass die zukünftige Preisinflation schon beschlossene Sache ist. Anleihen reagieren immer negativ auf eine steigende Preisinflation (während sie sich gegenüber einer Geldinflation gleichgültig verhalten – seltsam!). Und die negative Reaktion auf steigende Inflation ist immer eine schlechte Nachricht für die Preise von Anleihen.
Irgendjemand in der ersten Reihe hat die Hand gehoben und fragt: "Und wie viel mehr Geld wird jetzt so auf der Welt in Umlauf gebracht?" Gute Frage! Und während ich sofort pflichtbewusst anfange, die Summe unter Zuhilfenahme meiner Finger zu errechnen und dann auch noch meine Schuhe ausziehen muss, als die Addition immer länger wird, wird Richard Russell vom Dow Theory Letter des Wartens müde (vielleicht ist er aber auch nur angewidert, weil ich meine stinkenden Socken ausgezogen haben und seine sensible Nase jetzt meinen stinkenden Füßen ausgesetzt ist) und er beeilt sich, für mich zu antworten. Australien: 9,8 %, Großbritannien 11,2 %, Kanada 9,8 %, Dänemark 16,3 %, Schweden 5,6 %, die Schweiz 6,3 %, die USA 6,6 % und die Eurozone 8,5 %.
Dieses ganze Geld wird den Banken geschuldet, weil nur die Banken Geld aus dünner Luft schaffen können. Sie fragen sich jetzt vielleicht "wenn man den Banken also so viel Geld schuldet, und die Leute ihre Schulden nicht bezahlen können, was bedeutet das dann für die Aktien der Banken und der Geldzentren?" Ich war schon bereit, ihnen eine vage, unverbindliche Antwort zu geben, um die Tatsache zu verschleiern, dass ich keine Ahnung habe, als Jim Willie das Feld betritt, der mir den Hintern rettet und sagt:
"Die Schlacht der Giganten bildet sich immer deutlicher heraus. Der Bankenindex BKX steht kurz vor dem Zusammenbruch. Er repräsentiert einige der größten und mächtigsten Geldzentren in den Vereinigten Staaten. Vor nur zwei Wochen gab es eine Warnung, dass die BKX unter den kritischen Supportwert von 95 fallen könnte. Dieses Niveau wurde in der letzten Woche gebrochen."
Nun, mit fällt auf, dass er mir die Show stiehlt, aber ehe ich das Wort ergreifen kann, kommt Robert Prechter von Elliot Wave, und fügt hinzu: "Banken sind so stark von Fremdkapital abhängig, dass schon die geringste Senkung der Immobilienpreise eine überstürzte Abwärtsspirale der Zwangsräumungen und Verkäufe auslösen kann und dann werden auch die Banken irgendwann zusammenbrechen."
Doch die Immobilienpreise hängen von den Zinssätzen ab. Kann die Fed also aufhören, die Raten zu erhöhen? Hmmm! Auch das ist eine gute Frage. Wenn die Inflation überall stark zunehmen wird und wenn schon jetzt andere Länder anfangen, als Reaktion darauf die Zinssätze anzuheben, dann würde der Dollar doch fallen müssen, wenn die amerikanische Zentralbank nicht gleichzeitig auch die Zinssätze anhebt? Und neigt das Geld nicht dazu, die Länder zu verlassen, in denen die Währung fällt? Wenn das so ist, dann muss auch Greenspan die Zinssätze anheben, oder nicht?
Da kommt Martin Weiss zurück und sagt: "Wir haben ein pralles Haushaltsdefizit, eine fallende Handelsbilanz und wilde, durch Schulden ermöglichte Spekulationen bei den Banken, Verbrauchern und auch bei der Regierung. Wir haben einige der größten Bullenmärkte aller Zeiten bei Rohstoffen, wie z.B. bei Öl, Gas, Kupfer und vielem mehr. Und wie man in dieser Woche sehen konnte, haben wir auch den größten monatlichen Anstieg der Preise in diesem Vierteljahrhundert. Alle diese Kräfte treiben die Zinssätze in die Höhe. Und sie kommen alle gleichzeitig zusammen. Aber im Moment sind die Zinssätze immer noch nicht weit vom tiefsten Wert der letzten 45 Jahre entfernt."
Die steigenden Sätze zeigen jetzt erste Auswirkungen auf die Immobilienblase. Was das betrifft berichtet Steve Sjuggerud: "Bill Gross ist zuversichtlich, dass eine große Veränderung der amerikanischen Wirtschaft kurz bevor steht." Seine Worte lauten: "fast unvermeidlich". Was ist "fast unvermeidlich"? Laut Bill Gross ist es 1.) Eine Immobilienblase gefolgt von einer 2.) schwächeren amerikanischen Wirtschaft. Ich wusste, dass Sie mir das nicht glauben würden, und daher werde ich Mr. Gross jetzt wortwörtlich zitieren: "Lassen Sie mich kategorisch festhalten, dass diese Reihenfolge nicht in Frage zu stellen, fast unvermeidlich, 99 % feststehend und, moderner und sportlicher ausgedrückt – ein 'Slam-Dunk ist."
Warum ist die Sache so bombensicher? Dazu meint Mr. Gross: "Die Fed fand heraus, dass Immobilienbooms gewöhnlich ihre Spitzenwerte ungefähr vier bis sechs Quartale, nachdem die Zentralbank des Landes die Zinssätze zum ersten mal angehoben hat, überschreiten. Nachdem der Höchstwert erreicht wurde, fallen die realen Immobilienpreise ungefähr fünf Jahre lang bis der vorherige Anlauf sich umgekehrt hat." Und um wie viel fallen die Immobilienpreise? Sie fallen in den fünf Jahre nach Erreichen der Höchstpreise um ungefähr 15 %. Und das war, ehe wir den riesigen Anstieg bei Immobilien hatten! Machen Sie sich also auf einen wesentlich größeren Rückgang als diese mickrigen 15 % gefasst.