Inflationsängste oder Wachstumsängste - oder beides?

in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
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Und auch heute kann er sich nicht über 1,24 US-Dollar halten, der Euro. Aktuell ist EUR/USD sogar wieder unter 1,23 gefallen. Und das obwohl die Europäer doch krampfhaft versuchen den heiklen Spagat zwischen Spar- und Wachstumsanstrengungen zu schaffen - zumindest in der Kommunikation nach außen.


Belasten nun eigentlich die Inflationsängste oder die Wachstumsängste den Euro-Kurs?

Ich würde sagen beides - aber dazu komme ich gleich noch. Nur eines vorweg: konkrete Inflationsängste sind zukunftsgerichtet, müssen also längerfristig betrachtet werden. Denn aktuell ist der Anstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone noch recht moderat.

Hingegen sind die Wachstumsängste im Moment wohl als etwas akuter zu betrachten. Die Sparpläne- und Bemühungen der Euro-Staaten schlagen den Marktteilnehmern offensichtlich aufs Gemüt. Obwohl selbst der größte Europa-Zweifler zugeben wird, dass solche Schritte notwendig sind, um langfristig Stabilität zu gewährleisten, verpassen diese Pläne den kurz- bis mittelfristigen Erwartungen der Marktteilnehmer einen Dämpfer.

Die Furcht ist leicht nachzuvollziehen: sparen die Euro-Staaten, so die Angst, wird sich dies negativ auf das Wachstum der Euro-Zone auswirken. Und dies setzt wiederum den Euro unter Druck!

Deshalb wurde nun auch heute von Seiten der EU-Finanzminister abgewiegelt. EU-Währungskommissar Olli Rehn erklärte heute den Plan folgendermaßen: nur die Länder, die fast keinen fiskalischen Spielraum mehr haben, müssen angemessen Maßnahmen ergreifen. Die anderen Länder, die noch deutlich mehr fiskalischen Spielraum haben, sollen dagegen eine wesentlich weniger restriktive fiskalische Haltung annehmen und zwar (jetzt kommts) zum Wohle des gesamteuropäischen Wachstums.

Also Griechenland, Spanien, Portugal müssen sparen. Italien sollte sparen und eigentlich wäre es ganz nett wenn Deutschland und Finnland....ja was?...einfach noch mehr ausgeben? Zumindest sollen wir und die Finnen mal nicht sparen!

Wie auch immer - wenn ich mir aktuell den EUR/USD-Kurs ansehe, muss ich sagen, dass die Wachstums-Abwiegelung von Seiten der Euro-Finanzminister offenbar nicht gewirkt hat.

Sehen Sie sich doch auch die aktuelle EUR/USD-Entwicklung an:

Quelle: CFX-Trader

Wachstumsängste und Inflationsängste belasten gemeinsam

Wie ich oben schon schrieb, gehe ich jetzt einfach mal davon aus, dass beide Ängste den Euro unter Druck setzen. Schließlich ist das Leben ein Kreislauf und die meisten Dinge und Entwicklungen bedingen einander.

OK - genauer!

Wir gehen jetzt einmal davon aus, dass die kurz-bis mittelfristigen Erwartungen der Marktteilnehmer, aufgrund schwächerer Wachstumserwartungen einen Dämpfer erhalten haben. Dies wiederum hat - zumindest kurz-bis mittelfristig - einen dämpfenden Effekt auf die Inflationserwartungen. Dadurch wiederum befindet sich die EZB in einer recht gemütlichen Situation, was die Fortführung einer lockeren Geldpolitik und einer Niedrigzinspolitik angeht. Viele Experten gehen im Moment tatsächlich davon aus, dass die EZB erst sehr viel später als die FED ihre Lockerheit ablegen und wieder einen hawkisheren Grundton anschlagen wird.

Und jetzt kommen wir wieder zu dem Punkt, an dem wir uns über die Heterogenität der Eurozone Gedanken machen müssen. Wir alle wissen, die Eurozone ist kein homogener Raum. Das wird im Moment zwar ganz besonders deutlich, war aber schon immer so. Verschiedene Staaten mit unterschiedlichen Bedürfnissen eben.

Nun gut, gehen wir davon aus, die Zinsen bleiben niedrig und die Länder, welche nicht sparen müssen, erfreuen sich einer steten Konjunkturerholung. Eigentlich müsste in diesem Umfeld nun die Geldpolitik schrittweise wieder auf ein normales Niveau zurückgeführt werden. Eigentlich...doch die EZB ist Mama von vielen Kindern und kümmert sich gerade aufopferungsvoll um die Schwächsten. Um diese nicht zu gefährden, wird sie die Geldpolitik - wie es für die stärkeren Kinder gut wäre - nicht so schnell auf ein normales Niveau zurückfahren. Damit schützt sie zwar ihre Sorgenkinder, doch dies geht zu Lasten der stärkeren Kinder. Im Klartext: die stärkeren Volkswirtschaften bekommen langfristig, da die Geldpolitik nicht auf sie ausgerichtet ist, ein Inflationsproblem. Und damit sind wir bei unseren langfristigen Inflationsängsten angelangt.

Also, beide Ängste haben so ihre Berechtigung!

So long liebe Leser...im 2. Teil finden Sie heute noch einmal (oder auch zum ersten Mal) meinen Beitrag vom letzten Mittwoch unter dem Titel: Estland willst du wirklich?...ich hatte Ihnen gestern ja schon geschrieben, dass ich in der letzten Woche mit einigen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte...so auch am Mittwoch...mittlerweile ist mir zu Ohren gekommen, dass der Mittwochs-Daily offenbar nicht alle Leser erreicht hat...für diejenigen unter Ihnen, die den Daily vom letzten Mittwoch nicht erhalten haben, aber dennoch gerne lesen möchten: Voila, im 2.Teil!...von allen anderen Lesern verabschiede ich mich dann an dieser Stelle...ich wünsche Ihnen allen noch einen schönen Abend und freue mich, wenn wir uns morgen wiederlesen...liebe Grüße

Ihre Miriam Kraus

von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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Kommentar von Marco Korngiebel

bezüglich des Inflationsproblems aufgrund zu niedriger zinsen für z.b. deutschland (starkes kind der mama ;-)) es ist zwar richtig, dass wenn die zinsen zu lange niedrig sind, inflation droht, aber der staat kann mit seiner fiskalpolitik gegensteuern, indem er spart, die steuern erhöht und so die konjunktur abkühlt und das vorher aufgebaute defizit abbaut. die abkühlung der konjunktur vermindert die inflationsgefahr.

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