Inflation? Welche Inflation?
Adam Lass in Baltimore in Traders Daily
vom 07. Juli 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Liebe(r) Leser(in),
welche Inflation? Ach, diese Inflation.
Der Patriarch ist nicht im Haus, und deshalb darf der exzentrische alte Onkel, der normalerweise auf dem Dachboden versteckt wird, seine Kolumne heute übernehmen.
Und meine Meinung über die relative Stärke der US-Wirtschaft unterscheidet sich von der Meinung, die Herr Amberger hat, ein kleines bisschen.
Das amerikanische Energieministerium hat einige interessante Zahlen veröffentlicht, die zeigen, welche Güter "schneller im Preis gestiegen sind als Öl und Erdgas".
Und dieses Ministerium scheint ziemlich zufrieden damit zu sein, dass der Käsepreis in den letzten 20 Jahren um 54 % gestiegen ist, während der Benzinpreis in den USA im gleichen Zeitraum um "nur" 50 % gestiegen ist.
Hier sind ein paar weitere Waren, die in diesem Zeitraum schneller als die Energiepreise gestiegen sind:
Brot: +79,63 %
Schinken: +76,80 %
Äpfel: +79,31 %
"Sehen Sie?" sagen die Erbsenzähler vom US-Energieministerium. "Die Benzinpreise steigen langsamer als die Inflationsrate!"
Zunächst einmal – will dieses Ministerium wirklich damit prahlen, wie stark die Preise anderer Güter gestiegen sind? Und zweitens: Die Energiepreise sind ein führender Indikator, während der Käsepreis ein nachlaufender Indikator ist. Das bedeutet: Energie bringt Käse – und die anderen genannten Güter – auf den Markt, während Käse, Brot und Äpfel ...
*** Normalerweise könnt Ihr Leser(innen) durch den Rauch sehen. Leider kann das diesmal auch der Rest des Marktes: Der Ölpreis ist wieder gestiegen, auf rund 39,5 Dollar je Barrel. Und er scheint wieder Kurs auf Notierungen im niedrigen 40-Dollar-Bereich zu nehmen. Und der Ölpreis wird so schnell nicht erneut unter 37,50 Dollar je Barrel fallen: Einige andere OPEC-Mitglieder haben ins gleiche Horn gestoßen wie unser guter Freund und Alliierter, der saudische Ölminister Ali al-Naimi.
Der Tenor: Der aktuelle Ölpreis und die aktuelle Ölförderung sind genau richtig. Das lässt die Wahrscheinlichkeit für eine Änderung auf dem August-Treffen der OPEC in Wien gegen fast Null tendieren.
Aber wir hier vom "WaveStrength" traden nicht aufgrund von Ideen, sondern wir warten, bis Ideen sich in den sehr dicken kollektiven Schädel der Investoren-Herde durchgesetzt haben. Und alle diese negativen Ideen beginnen schließlich, sich den Weg in den Teil des Gehirns der Herde zu bahnen, der mit den Fingern verbunden ist. Besonders dem Finger, der bei einer Pistole den Abzug zieht.
Alle Dinge, die bis vor kurzem von wirtschaftlichen Cheerleadern hochgejubelt worden sind, beginnen nun, entschieden negativ auszusehen. Plötzlich heißt es nicht mehr: "Die schwache Lage am US-Arbeitsmarkt und die bescheidenen Prognosen für das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal sind gut, weil sie die Zinserhöhungen der Fed verlangsamen."
Nein, jetzt heißt es: "Meine Kinder, die gerade mit der Uni fertig geworden sind, leben immer noch bei mir im Haus." Und: "Hey, ich bekomme Probleme mit meiner Altersversorgung", und "um WIEVIEL ist meine Grundstuer gestiegen?"
Selbst der merkwürdig kugelsichere S&P 500 hat begonnen, neue Tiefs zu setzen. Unter seiner letzten Metronom-mäßigen Trading-Range.
*** Und jetzt kommen die Warnungen der Cheerleader. Brian Pear von Victory Capital Management (Quelle: AP Newswire, immer zuverlässig) meint: "Das allgemein Gefühl ist, das wir uns nur eine größere negative Nachricht entfernt von signifikanten Verkäufen befinden."
Letzte Woche tradeten wir Puts auf General Electric, mit 41 % Gewinn. Damit haben wir den Lesern von WaveSrength Pro je Kontrakt 500 Dollar in die Taschen gesteckt. (Das war ein reiner Gewinn-Play, denn wir empfahlen, für diesen Trade Kontrakte zu verkaufen, was überhaupt keinen Kapitaleinsatz erforderte!)
Und gestern Morgen sind wir in den fallenden Markt mit einem Trade gegen Microsoft eingetreten. Basierend auf einem Chart, den ich letzte Woche erstellte und der zeigte, dass es für Halbleitertitel negativ aussieht. Und dann sind wir noch einen Basket-Play eingegangen, mit Put-Optionen auf den Dow Jones als primärem Element.
Herzlichst, Ihr
Adam Lass
Senior Editor, WaveStrength