Inflation voraus!
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 7. April 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Zunächst ein Hinweis „in eigener Sache", wie es so schön (?) heißt:
Die Restplätze für das Lesertreffen diesen Monat in Stuttgart sind schnell vergeben gewesen! Sie brauchen mir deswegen also nicht mehr schreiben.
Diejenigen, welche noch einen Platz ergattert haben, haben bereits Bescheid erhalten.
Wenn Sie keine Antwort erhalten haben bedeutet das, dass Sie leider nicht mit dabei sein können. (Aus Zeitgründen habe ich nur diejenigen benachrichtigt, welche noch einen Platz bekommen haben.)
*** Dann hatte ich letztens das Thema „drohende Inflation" aufgegriffen.
Eine Begründung für diese meine Prognose ist das unverantwortliche (meiner Ansicht nach) Vorgehen diverser Notenbanken.
Insbesondere Japan, Großbritannien und die USA haben eine bestimmte Vorgehensweise noch nicht konsequent abgestellt. Die Vorgehensweise des "eigene Staatsanleihen mit selbst gedrucktem Geld kaufen".
Das finde ich nicht nur moralisch fragwürdig, sondern es erhöht auch die Geldmenge und damit tendenziell die Inflation.
Denn was passiert, wenn zum Beispiel die amerikanische Notenbank bestehende Staatsanleihen kauft?
Sie geht an die entsprechende Börse und gibt einen Kaufauftrag für US-Treasuries (Staatsanleihen) im Volumen von z.B. einem Milliärdchen.
Sie bezahlt mit einem Scheck.
Wenn der Verkäufer der Staatsanleihen nun zum Beispiel "Goldman Sachs" ist (die haben ja offensichtlich gute Beziehungen), dann hat diese jetzt einen Scheck der Fed. Goldman Sachs hat die eigenen Reserven bei der Fed damit um eine Milliarde US-Dollar erhöht.
Doch auf wessen Kosten geht es? Das auf den ersten Blick verblüffend Erfreuliche ist: Es kostet niemanden etwas. Denn die Fed hat schließlich gewissermaßen mit „Nichts" bezahlt.
Sie muss keine Bargeldbestände oder Aktiva angreifen. Sie kann einfach sagen, hier ist ein Scheck über eine Milliarde. Das Geld kommt daher, was amerikanische Finanzjournalisten mit „out of thin air" bezeichnen - „aus der Luft"!
Wenn ein Normalsterblicher einen Scheck ausstellt, dann ändert das gesamtwirtschaftlich nichts. Der Empfänger des Schecks hat dann einen bestimmten Betrag mehr, der Aussteller einen bestimmten Betrag weniger.
Aber wenn die Fed Staatsanleihen kauft und mit Scheck bezahlt: Dann steigen die Reserven des Verkäufers der Staatsanleihen um genau diesen Betrag, während keine anderen Reserven fallen.
Das Bezahlen der Fed besteht darin, dass sie einfach eine 1 und Nullen in ihr Computersystem tippt. So leicht kann man eine Milliarde bezahlen, wenn man die Fed ist. Und jetzt wird es noch spannender:
Die Reserven, die Banken bei der Fed haben, bestimmen auch, wie viel Geld sie verleihen können. (Wie viel genau, wird durch die „Mindestreservesätze" bestimmt).
Bleiben wir im Beispiel. Wenn Goldman Sachs nun die eigenen Reserven bei der Fed um eine Milliarde erhöht hat, ermöglicht ihr das, sagen wir mal 900 Millionen Dollar neue Kredite zu vergeben.
Wenn Goldman Sachs nun diese 900 Millionen Dollar an Krediten vergibt, dann ist die gesamte Geldmenge auf einmal noch deutlicher gestiegen.
Mit Geld „aus dem Nichts".
Fazit: Erheblich mehr Geld im System. Die Menge an Gütern und Dienstleistungen ist keineswegs genauso stark gestiegen.
Klassische Kombination, welche für eins spricht: Steigende Preise.
Bleiben Sie wachsam!
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von longshort (07.04. 2010 12:57 Uhr):
Sie vergessen was! Nämlich dass die Geldmengen M1, M2 und M3 seit Wochen massivst sinken! Schauen Sie sich die Charts dazu an. Im Moment warten alle auf Inflation, aber was ist, wenn plötzlich und unerwartet nochmals ein Minideflationsschock inziniert wird, alle auf dem falschen Fuss ertappt werden, umschwenken und dann die Geldmengen innerhalb kürzester Zeit massivst ausgeweitet werden und Inflation durchschlägt? Erscheint mir bei den momentan stark fallenden Geldmengen logischer und würde auch den Banken gut tun, die dann nochmals ein Sozialhilfsprogramm auf Kosten der Steuerzahler von den Politikhansels erhalten dürfen. Schäuble als Finanzminister und de Maiziere als Innenminister - schon das verspricht "unuhige" Zeiten.
Antworten - Kommentar von HJK (07.04. 2010 14:42 Uhr):
.. und was ist mit dem Geld geschehen, das im Zuge der Finanzkrise vernichtet worden ist?? Die Betrachtung ist sehr einseitig, wenn man nicht das gesamte System darstellt.
Antworten - Kommentar von Paul Martini (08.04. 2010 06:58 Uhr):
Sie schaffen es immer wieder mit leicht verständlichen Beispielen, große Dinge einfach zu erklären. Dafür lese ich Ihren Newsletter gern. Vielen Dank dafür und weiter so! Gruß Paul Martini, Thailand
Antworten- Antwort von Klaus Reinhardt (18.04. 2010 01:02 Uhr):
Hallo Paul, was hälst Du von Value-Investment oder Gold? Gruß Klaus
- Antwort von Klaus Reinhardt (18.04. 2010 01:02 Uhr):
- Kommentar von Paul Martini (19.04. 2010 04:38 Uhr):
Hallo Klaus, Value-Investment setzt umfangreiche Analyse voraus. Man muß sich mit dem Geschäftsmodell der Firma und den Zukunftsausssichten befassen, und man muß herausfinden, warum eine Aktie unterbewertet ist. Alsdann braucht man Zeit zum Warten. Warren Buffet hat es vorgemacht, daß man damit ausgesprochen erfolgreich sein kann. Doch auch Value-Aktien können in Zeiten starker Verkaufspanik mit in die Tiefe gerissen werden. Siehe Frühjahr 2009. Da wurde unterschiedslos alles verkauft, weil man Geld brauchte. Gold ist klassisches Wertaufbewahrungsmittel, das uns vor allfälliger Kapitalvernichtung schützen kann. Wer nicht spekulieren will, sollte auf jeden Fall mit einem gewissen Teil seines Geldes in diesen Sachwert gehen. Nur meine Meinung. Ich bin ja kein Anlageberater. Schöne Grüße nach Gießen!
Antworten- Antwort von Klaus Reinhardt (12.05. 2010 00:03 Uhr):
Hallo Paul, hatte leider zu viel zu tun (Haussanieren, auch ein Langfristinvestment mit Stresstest in der Beziehung garantiert). Ich selbst habe nicht die Zeit für Value-Investment im Gegensatz wohl zu Dir, wie ich vermute. Ich stütze mich auf die Analysen von Max Otte, der ein großer Bewunderer von Buffet ist. Ich treffe dann aber meine eigenen Entscheidungen und bin so etwas mehr in edelmetalle investiert. Besser als Aktenordner ist es, denke ich. Bin trotz Krise nicht schlecht gefahren. An sich es geht sowieso um einen Investitionshorizint über 10 Jahre. Jedoch weiß niemand wie die Märkte in einem halben Jahr aussehen, ich meine strukturell. Gibt es den Euro noch? etc.. Mano kommt in ein paar Wochen nach Thailand. Liebe Grüße nach Hua Hin Klaus
- Antwort von Paul Martini (12.05. 2010 08:23 Uhr):
Hallo Klaus, ich freue mich immer über Besuch! Für private Mitteilungen nimm doch fürderhin meine Email-Adresse! Beste Grüße von Paul
- Antwort von Klaus Reinhardt (12.05. 2010 00:03 Uhr):