Inflation versus Deflation
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 10. Mai 2004 18:00 Uhr
ENL5454
"Die Ära des 'billigen Geldes' ist vorüber", verkündet das Magazin Economist.
Da scheint jeder zuzustimmen. "Die Inflation ist zurück", so die Schlagzeile vom "News Observer".
In den USA steigen die Preise für Milchprodukte stark an. Der Ölpreis steht auf 13-Jahres-Hoch. Bildung, Gesundheit, Wohnen- alles, das nicht in China hergestellt werden können, verteuert sich drastisch.
Natürlich mögen es die Leute, Geld auszugeben. Aber nur, wenn sie das wirklich ohne Nachzudenken tun können. So wollen sie z.B. massenweise die neue Google-Aktie zeichnen ... obwohl die ein KGV von 183 hat. Wenn diese Aktie zu einem Zehntel des Preises angeboten würde, dann würden diese Leute ihre Nase rümpfen und den Titel nicht anrühren.
Adidas hat neue Turnschuhe präsentiert, die 250 Dollar kosten. Bei denen sind elektronische Sensoren mit kleinen Kabeln verbunden ... die dann mit kleinen Motoren verbunden sind ... die dann wiederum mit irgendetwas verbunden sind ... und das alles ist direkt mit dem Gehirn des/der Laufenden verbunden, was dazu führt, dass er/sie sich Leuten, die nur normale Turnschuhe haben, überlegen fühlt.
Dann habe ich noch gelesen, dass ein Mann mit mehr Geld als Verstand in einer Kunstauktion 104 Millionen Dollar für ein Gemälde von Picasso bezahlt hat. Das Bild – ein Junge mit einer Pfeife – stammt aus der sogenannten "Rosenperiode" des Künstlers, und es war 1950 von einem gewissen John Hay Whitney für die damals riesige Summe von 50.000 Dollar gekauft worden.
Andererseits kann man natürlich argumentieren, dass sich niemand besser fühlt, wenn er auch für Dinge wie für Quark oder Milch mehr bezahlen muss. Denn dann gratuliert man sich nicht selbst dafür, dass man ein gutes Auge oder einen guten Gaumen hat. Dann wird einem nicht gesagt, was für ein scharfsinniger Investor man sei. Niemand bewundert den Milchkarton oder fragt, wo man den her hat.
Und deshalb ist eine Inflation auf Konsumentenpreisebene immer unwillkommen – im Gegensatz zu einer Inflation bei den Preisen von Vermögensanlagen.
Und ja, genau darauf setzt die Fed. Die Investoren hängen davon ab. Amerika, der größte Schuldner der Welt, braucht das verzweifelt.
Viele Volkswirte sagen: Gott sei Dank – die Inflation ist zurück. Die Wirtschaftserholung läuft. Bald wird die Fed die Leitzinsen erhöhen müssen, um das Wachstum kontrollieren und die Inflation akzeptabel moderat halten zu können.
Aber wir hier vom Investor's Daily glauben das nicht. Nicht wirklich. Noch nicht. Ich sehe mehr monumentale Kämpfe, nachdem gerade der 50. Jahrestag der französischen Kapitulation bei Dien Bien Phu war (mehr dazu siehe unten, im letzten Beitrag).
Inflation auf der einen Seite – gestützt von jedem Zentralbanker, jedem Schuldner, jedem Finanzinstitut (sogar General Motors, denn die erzielen mit ihrer Finanzabteilung mehr Gewinne als mit dem Verkauf von Autos!), und fast jedem Hausbesitzer und Kreditkartenbesitzer in den USA ... Deflation auf der anderen Seite – mit massiven Überschusskapazitäten, die in China bereitstehen ... steigenden Zinsen ... 10 Millionen Amerikanern, die vor der Pleite stehen ... 100 Billionen in Derivaten, die darauf warten, in die Luft zu fliegen!
Oh Leser(in!) Bezahlen Sie Ihre Schulden. Horten Sie Ihr Gold. Horten Sie Feuerholz und Weinflaschen. Und bereiten Sie sich darauf vor, diese Show zu genießen.
Während wir warten, ist hier Addison mit seiner ganz eigenen Show: