Inflation versus Deflation
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 01. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5454
In den USA weiß jeder, dass die Inflation steigt ... und jeder weiß, dass die Zinsen steigen. Aber niemand weiß, was er damit anfangen soll.
Bei mir ist das anders. Ich denke nicht, dass die Inflation und die Zinsen in den USA weiter steigen werden ... noch nicht. Und ich weiß genau, was ich damit anfangen soll.
Ich räume ein, dass ich für diese Einschätzung keine wirklichen Beweise vorlegen kann. Die Auftragseingänge für langlebige Güter sind in den USA im April um fast 3 % gefallen. Die Verkäufe von neuen Häusern sind in den USA im April um über 11 % gefallen ... das ist der größte Rückgang seit 10 Jahren. Und der Bestand an unverkauften Häusern hat den höchsten Wert seit fast einem Vierteljahrhundert erreicht.
"Bis jetzt gibt es nur wenige Zeichen für ein Wiederauferstehen der Inflation", schreibt mein alter Freund Martin Spring. "In den USA lag der jüngste Zuwachs bei der 'Kernrate' der Inflation auf Verbraucherpreisebene (ohne die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise) bei einer Jahresrate von nur 2,2 %. In Japan, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, fallen die Einzelhandelspreise immer noch – in den 12 Monaten bis März betrug das Minus 0,2 %; sie sind fast kontinuierlich seit 1995 gefallen. In Deutschland, der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, sind die Konsumentenpreise im letzten Jahr um relativ geringe 1,6 % gestiegen."
Diese Fakten sind für jeden verfügbar ... selbst für die, die die exakt gegenteilige Schlussfolgerung gezogen haben. Ich teile meine Einschätzung mit Ihnen, liebe(r) Leser(in), im gegenseitigen Einverständnis, dass Sie bitte nicht denken, dass dies mehr als einen Cent mehr wert ist, als das, was Sie dafür bezahlt haben. Ok?
Die Arbeitskraft ist die größte Komponente der Preise. Und Arbeitskraft befindet sich dank der Vorteile der Globalisierung in einer sehr langfristigen Deflation. Real gesehen wird die Arbeitskraft weltweit billiger.
Greenspan wird alles versuchen, um eine Inflation zu kreieren. Das ist der Grund, warum er ernannt worden ist – er soll versuchen, die Wirtschaft vor den Präsidentschaftswahlen anzuheizen. Deshalb ist z.B. die Geldmenge (M3) zuletzt um 48 Milliarden Dollar in einer Woche gewachsen (zuletzt verfügbare Zahlen). Die Fed würde am liebsten sehen, dass sich dieses Geld in Gehälter verwandeln würde. Aber das ist nicht der Fall. Die Arbeitgeber sehen keinen Grund dafür, die Gehälter zu erhöhen; denn sie können immer Arbeitsplätze nach Indien verlagern!
Leute, die nicht mehr Geld verdienen, können nur mehr ausgeben, wenn sie ihre Ersparnisse anfassen oder sich verschulden. Das ist in den USA passiert. Solche Ausgaben produzieren einen temporären Boom; denn anders als höhere Löhne sind diese Quellen nicht gleichzeitig eine Ausgabe für jemanden. Aber irgendwann erreichen die Leute den Punkt, an dem ihre Ersparnisse aufgebraucht sind und sie sich nicht weiter verschulden können. Dann fallen ihre Ausgaben wieder auf das Niveau zurück, das sie mit ihrem Einkommen finanzieren können ... und dann fällt es darunter, weil ein Teil des Lohns für den Schuldendienst aufgewendet werden muss.
Ja, aber die chinesische und die indische Volkswirtschaft boomen. Sie verbrauchen immer mehr Öl ... immer mehr Rohstoffe ... ganz bestimmt wird das die Rohstoffpreise für alle steigen lassen.
Jetzt zu Addison mit mehr News: