Inflation: Sind die offiziellen Zahlen glaubwürdig?
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 17. November 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Nochmal zum Thema Inflation.
Gegenüber den offiziellen Zahlen bin ich da sehr skeptisch.
Nein, damit meine ich nicht Simbabwe (wenn sogar die offiziellen Meldungen schon von 231 Mio. Prozent Inflation sprechen)...
...sondern ich spreche bzw. schreibe von den USA.
Da geschehen solche Dinge, dass technologischer Fortschritt z.B. bei PCs bei der Berechnung des Konsumentenpreis-Index als Preissenkung berücksichtigt wird. (Nach dem Motto: Dieser Standard-PC kostet zwar dasselbe wie ein Standard-PC vor einem Jahr, aber da er um 20% mehr Leistung bietet, ist der Preis eigentlich um 20% gefallen.)
Und das wird nicht nur bei PCs, sondern bei zahlreichen Gütern so gehandhabt.
Die Folge ist, dass diese „Preissenkungen" (die es de facto nicht gab) den starken Preisanstieg anderer Güter teilweise ausgleichen. Der Wert für die Konsumentenpreis-Inflation, welcher dann übrig bleibt, ist deshalb meiner Ansicht nach tendenziell „geschönt".
*** Mit dieser Ansicht stehe ich nicht alleine. Neben Männern wie Bill Bonner und Martin Weiss ist auch John Williams dieser Ansicht.
Den finde ich klasse! Wer das ist: Ein 59jähriger amerikanischer Volkswirt, welcher ein unabhängiger und kritischer Geist ist (so zumindest mein Eindruck) und sich dem Berechnen von „Shadow Government Statistics" („Schatten-Regierung Statistik") verschrieben hat.
Er zeigt Fragwürdigkeiten bei der Berechnung von offiziellen Zahlen zu Inflation (es beginnt mit den angeblichen „Kernraten", Wirtschaftswachstum und Beschäftigung auf. Und schlägt bessere Berechnungsmöglichkeiten vor.
Alles schön transparent und gut und sachlich begründet.
Was ich sehr interessant finde, ist die alternative Berechnungsmethode, welche John Williams vorschlägt!
Dazu veröffentlicht er auch konkrete Daten.
Und diese zeigen ein eindeutiges Ergebnis (bleiben wir bei der Inflation):
Seine Berechnungen der Inflationsrate (Konsumentenpreis-Index) kommen zu deutlich höheren Werten als die offiziellen Zahlen. Derzeit liegen seine Werte um bis zu 3 Prozentpunkte über diesen.
*** Das Thema „Inflation" ist also vielleicht schon jetzt gar nicht so „tot", wie es derzeit von vielen dargestellt wird.
Und 2009 könnte das Thema Inflation auch in den offiziellen Zahlen wieder „auferstehen" - wenn die Geldmengen weiterhin so explodieren und die Zinssenkungen noch stark weitergehen.
(Siehe dazu mein Beitrag vom letzten Donnerstag „Angst vor Deflation und Rezession? Doch was ist mit Inflation?").
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr
Michael Vaupel
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