Inflation oder Deflation?
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 3. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Trader-Daily-Leserin Claudia E. fragt:
„Wissen Sie zufällig, ob inflationsindexierte Anleihen und Index gebundene Mieten während einer Deflation angepasst werden? Z. B. kann es sein, dass man bei den Anleihen weniger zurückbekommt, bzw. können Mieten sinken? Kann man eine Anpassung der Mieten nach unten verlangen? (falls Index gebunden)."
Meine Antworten:
Die Funktionsweise der inflationsindexierten Anleihen hatte ich ausführlich erklärt. Es wird fortlaufend ein Index geführt, der bei Preissteigerungen steigt und bei Deflation sinkt.
Der Emittent (Bundesrepublik Deutschland) garantiert aber eine Rückzahlung mindestens zum Nennwert, auch im Fall einer Deflation. Das ist entscheidend.
Was an die Inflation gebundene Mietverträge betrifft:
Hier gilt - wie übrigens bei einer Hochzeit auch, was erfahrene Gemeindemitglieder sicherlich bestätigen können:
Einzelfall prüfen! (Deshalb habe ich das übrigens bis jetzt mit dem "Hafen der Ehe" sein gelassen.)
Bei der inflationsindexierten Anleihe konnte ich in die Emissionsbedingungen schauen.
In Mietverträgen hingegen kann was weiß ich stehen.
Schauen Sie am besten selber nach, wenn Sie einen an die Inflation gebundenen Mietvertrag haben.
Ist dort explizit ausgeschlossen, dass die Miete im Fall einer Inflation sinkt? Oder steht dort, dass die Miete jährlich in Abhängigkeit von der Preisentwicklung (Referenz-Index sollte genannt sein) angepasst wird?
Einzelfall prüfen.
*** Und, wie gesagt: Ich denke, das Thema „Deflation" hat sich erledigt, sobald sich erste Anzeichen eines Endes der derzeitigen Krise zeigen werden. Das ganze ins System gepumpte Geld wird sich dann in einem Wiederanstieg der Inflation auswirken.
Nicht ohne Grund habe ich zuletzt Themen wie „inflationsindexierte Anleihen" aufgegriffen, während sonst in der breiten Finanzpresse eher die Sorge vor einer Deflation groß geschrieben wird.
Bleiben Sie wachsam. Und natürlich: Angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel