Inflation oder Deflation
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 09. August 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Die Zentralbank spricht immer noch vom Risiko einer Inflation … während das Risiko einer Deflation mit jedem Tag weiter steigt. Zu Deflationen kommt es, wenn die Liquidität austrocknet. Plötzlich ist das Geld verschwunden. Kreditgeber verleihen nicht mehr. Geldausgeber geben kein Geld mehr aus. Die Beweglichkeit des Geldes geht zurück, weil jeder an dem festhält, was er noch hat ... aus Angst, es zu verlieren.
Wenn so etwas passiert, dann kann auch eine Zentralbank nicht mehr viel dagegen unternehmen. Sie haben zwar ihre Druckerpressen ... aber sie haben keine gute Möglichkeit, das Geld in die Hände der Menschen zu bringen, die es dann in Bewegung versetzen. Normalerweise führt dieser Weg durch den Kreditmarkt. Die Zentralbank senkt beispielsweise die kurzfristigen Zinssätze und ermöglicht so den Kreditgebern, das Geld zu günstigeren Zinssätzen zu verleihen.
Aber wenn eine deflationäre Einstellung von den Menschen Besitz ergriffen hat, dann ist Geldleihen das letzte, was sie tun wollen. Sie haben Angst, dass sie vielleicht nicht in der Lage sein werden, es wieder zurückzuzahlen. Abgesehen davon fallen in Zeiten der Deflation die Verbraucherpreise. Also wird das Geld, das sie zurückzahlen, mehr wert sein, als das Geld, das sie geliehen haben und der effektive, wirkliche Zinssatz liegt wesentlich höher, als der nominale Zinssatz, den sie bezahlen.
Wenn die Preise fallen, dann kaufen die Verbraucher noch zögerlicher. Sie fangen an zu erkennen, dass sie ein besseres Geschäft machen, wenn sie noch ein bisschen warten. Sie werden zu Japanern.
Das ist der Alptraum, der Ben Bernanke verfolgt hat, als er die Zentralbank übernahm. Das hat ihn dazu bewegt bekannt zu geben, dass die „Zentralbank über eine Technik verfügt ... die sich Druckerpresse nennt ...“ mit der man fast ohne Kosten Dollar drucken kann ... und wenn es sein muss, so sagte er, dann wirft die Fed diese Dollar von Helikoptern ab, um mehr Geld in Umlauf zu bringen.
Dabei handelt es sich selbstverständlich um eine außerordentlich phantasiereiche Beschreibung der Geldpolitik. Lässt man die Zentralbank die Dollar mit Hubschraubern verteilen, dann wird der amerikanische Dollar noch schneller fallen, als die Währung in Simbabwe, wo es heißt, dass die Inflation bei 100.000% im Jahr liegt. Einige Dinge müssen einfach ihr Programm durchlaufen – z.B. eine Hyperinflation. Hat die einmal angefangen, läuft sie so lange weiter, bis die Währung zerstört ist. Das Gleiche gilt für die Deflation. Einmal begonnen, ist es schwer, sie aufzuhalten ... denn die Heilmittel sind oft noch schlimmer als die Krankheit.
Die japanische Wirtschaft war stark, als im Herbst 1989 die Preise angefangen haben, zu fallen. Dann kamen die Immobilien, dann die Verbraucherpreise. Alle Preise sind gefallen. Und jeder fallende Preis führte zu einem stärkeren Eingriff der Deflation in die Wirtschaft Japans. Die Leute horteten ihr Geld. Man musste den Verbrauchern gewissermaßen eine Waffe an den Kopf halten, um sie zum Geldausgeben zu bewegen. Und die Geschäftsinvestitionen? Übernahmen? Fremdverschuldeten Aufkäufe? Sie alle kamen zum Erliegen.
Doch Japan konnte sich die Deflation leisten. Die Leute hatten Ersparnisse – große Ersparnisse. Und die Wirtschaft hat sich immer eines Handelsüberschusses erfreut. Auch gab es kein großes Problem am Kreditmarkt.
Kann sich Amerika eine Liquiditätskrise leisten … eine Kreditkontraktion ... eine Deflation? Ich weiß es nicht ... doch wenn ich Ben Bernanke wäre, dann würde ich sicherstellen wollen, dass die Druckerpressen und die Helikopter alle ganz einwandfrei funktionieren.