Inflation-Deflation: Wann startet die nächste Phase?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. Juni 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Der Krieg zwischen Inflation und Deflation setzt sich auch weiterhin fort. Die Inflation ist so viel in den Nachrichten, dass man meinen könnte, sie habe gewonnen. Sehen sie sich nur die Zeitungen an, man kann praktisch die Siegerparaden sehen und die Musik spielen hören.
Doch die Deflation hat noch nicht aufgegeben und sie geht auch nicht weg. Die Amerikaner stecken tief in den Schulden. Und die Schulden bewirken, dass man sich einschränken muss... dass man sich zurückziehen muss... dass man sich gesundschrumpfen muss.
Auch das kann man in den Schlagzeilen finden. Die Verkaufszahlen des Einzelhandels gehen zurück. Die Leute fahren weniger Auto. Sie tauschen ihre Geländewagen gegen kleinere und wirtschaftlichere Autos ein. Sie würden auch gerne ihre großen Häuser eintauschen... aber sie können keine Käufer finden.
Gesundschrumpfung bedeutet, dass man weniger Geld ausgeben kann. Und weniger Geld ausgeben bedeutet geringere Verkaufszahlen... und geringere Einkommen... und geringere Profite. Und das bedeutet einen Wirtschaftsabschwung - und normalerweise auch fallende Preise.
In der heutigen globalisierten Welt müsste diese Abschwächung weltweite Proportionen haben, um einen größeren Effekt auf die Preise für die Grundrohstoffe, wie z.B. Öl und Getreide zu haben. Aber das wird vermutlich noch kommen.
Das Heilmittel für hohe Preise sind hohe Preise. Das haben Sie vermutlich schon einmal gehört. Es beschreibt die Art und Weise, wie die Märkte funktionieren. Die Preise steigen. Und höhere Preise ermuntern die Verbraucher, weniger zu verbrauchen... und sie ermuntern die Produzenten, mehr zu produzieren. Dann dauert es nicht mehr lange, und das Angebot steigt... und die Nachfrage schrumpft. Dann passen sich die Preise auch wieder nach unten hin an.
Ein Teil des Grundes für den hohen Ölpreis ist, dass Öl in vielen Ländern subventioniert wird. Die meisten Regierungen in Asien und Südamerika haben die Benzinpreise unten gehalten, um die Verbraucher zufrieden zu stellen und zum Wachstum anzuregen. Sie werden nun gezwungen, die Preise anzuheben. Gestern gab Malaysia beispielsweise einen Anstieg der Benzinpreise um 40% bekannt - was die Nachfrage sicher drosseln wird.
Und so stolpert und schlurft die Wirtschaft voran.
Ben Bernanke macht vielleicht eine Finte in die Richtung einer Inflationsbekämpfung - vielleicht steigen die Zinssätze leicht. Öl wird irgendwann zurück auf unter 100 Dollar fallen. Anleihen werden steigen. Aber die Verbraucherpreisinflation mag immer noch nicht fallen, sie könnte in den Vereinigten Staaten sogar noch schlimmer werden, wenn die Wirtschaft in einen weiteren Abschwung versinkt.
Und dann kann die nächste Phase im Kampf zwischen Inflation und Deflation beginnen.