„Inflation als Enteignung des kleinen Mannes“
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte
vom 26. Januar 2012, 07:30 Uhr
ENL5462
Inmitten der Überschuldungskrise der Euro-Zone wagt sich der bayerische Ministerpräsident mit dem Ziel eines schuldenfreien Freistaats Bayern bis zum Jahr 2030 aus der Deckung. Am gestrigen Mittwoch bekräftigte Herr Seehofer in einer Regierungserklärung vor dem Bayerischen Landtag, bereits Mitte des Jahres 2012 ein konkretes Tilgungskonzept vorlegen zu wollen.
Länderfinanzausgleich im Visier
Das Tilgungskonzept soll vor allem darauf hinauslaufen, einen gerechteren Länderfinanzausgleich" zu erzielen. Laut Seehofer habe Bayern im Jahr 2011 gut die Hälfte des kompletten Länderfinanzausgleichs gestemmt. Fast 3,7 Milliarden Euro kamen aus Bayern. Wenn also der Freistaat Jahr für Jahr nur einen Teil dieser 3,7 Milliarden Euro behalten und damit Schulden tilgen könnte, wäre Bayern in ein paar Jahren schuldenfrei, so das Ziel des Ministerpräsidenten.
Einsparen von Zinskosten
Im Jahr 2030 soll Bayern dann als erstes Bundesland Deutschlands schuldenfrei sein. Das Ziel des Ministerpräsidenten ist es, auf dem Höhepunkt der Überalterung der Gesellschaft der dann aktiven Generation Freiräume für die Zukunftsgestaltung zu ermöglichen. In Zahlen ausgedrückt bedeute dies für Bayern eine Einsparung von rund einer Milliarde Euro an Zinsbelastung.
Lehren der Überschuldungskrise
Für Seehofer ist die Lehre der Überschuldungskrise eindeutig. Nur die Soliden seien die Starken; und auf Dauer seien nur die Soliden die Sozialen. Überschuldung, Staatsbankrott, Inflation treffen am Ende immer die kleinen Leute und die Schwächeren am stärksten. Inflation ist die Enteignung des kleinen Mannes", so der Ministerpräsident wortwörtlich.
Skepsis angebracht
Ja, auf den ersten Blick erscheint der bayerische Tilgungsweg zu schön, um wahr werden zu können. Die Risiken sind gewaltig. Wohl gemerkt, jetzt auf dem vermutlichen Höhepunkt der laufenden Katastrophenhausse und der Steuereinnahmen redet es sich leicht.
Was, wenn die Konjunktur die nächsten Jahre sich schwach entwickelt?
Was, wenn die Risiken aus der Euro-Rettung auch die deutschen Bundesländer mit voller Wucht erwischen?
Erst jüngst wurde bekannt, dass Berechnungen von Wissenschaftlern des Petersen-Instituts in Washington zufolge für den Fall einer dauerhaft schwachen Wirtschaftsentwicklung in Europa das ESM-Volumen auf sage und schreibe fünf Billionen Euro erhöht werden müsste! Ja, 5 000 000 000 000 Euro.
Billiges Geld bis Ende 2014
Last but not least noch kurz zum Geschehen am Edelmetallmarkt. Die gestrige Ankündigung der US-Notenbank, die faktische Nullzinspolitik bis Ende 2014 (bisher nur bis Mitte 2013) auszudehnen und im Fall einer unerwarteten Eintrübung der konjunkturellen Entwicklung in den USA, für weitere Schritte (Stichwort QE 3) bereit zu sein, katapultierten den Goldpreis wieder über 1700 US-Dollar. Am Abend kostete eine Unze des gelben Edelmetalls 1712 US-Dollar bzw. 1304 Euro. Der Silberpreis stieg auf 33,2 US-Dollar (25,4 Euro). Die Unze Krügerrand gab es gestern für 1320 Euro, den Wiener Silberphilharmoniker für 28,2 Euro. Das Gold/Silber-Ratio auf US-Dollar-Basis sank auf 51.
Zum zweiten Teil von: Die Zyklen der Immobilienpreiseähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Adelbernd (26.01. 2012 15:11 Uhr):
Stimmt schon soweit. Nur: Solange der kleine Mann nichts hat kann er auch nicht enteignet werden. Einen Nackten kann man nicht enteignen oder in die Taschen greifen (wie man früher gesagt hat). Aber vielleicht ist gemeint, daß seine Sozialgelder, Unterstützungsleistungen dann immer weniger wert sind. Das ist aber dann ein anderes Thema.
Antworten - Kommentar von Dr Heinemann (26.01. 2012 19:24 Uhr):
Hi, Mr. N. N., thanks for your comment. Ich habe mal wieder herzlich über die Träumer vom bajuwarischen Königreich lachen müssen. Bis 2030 wollen Sie alle Schulden abbauen. Ich kenne zwar die bayrischen Schulden nicht und die Euro-Verpflichtungen wollen wir einfach mal ignorieren. Wenn sie das tatsächlich machen würden, bräche das bayrische Sozialsystem und der ganze bayrische Staat zusammen. Das ist einfach nicht durchsetzbar! Wie heißt es so schön: Nicht an ihren Worten sollt ihr sie messen sondern an ihren Taten! Deshalb habe ich mal für Deutschland überschlagen, wenn wir ehrlich alle Staatsschulden bezahlen WOLLEN und es TUN. Dann wird die Abzahlung unserer ca. 80-igen Staatsverschuldung (ohne Beachtung weiterer Euro-Rettungskosten) von ca. € Mrd. 2.000 etwa bis zum Jahr 2900 (in Worten: Jahr zweitausendneunhundert) dauern. (Ich legte bei meiner Betrachtung den jetzigen Schuldenabbau zugrunde.) Schon an dieser, dahinter liegenden Zinseszinsrechnung lässt sich erkennen mit welcher gespaltenen Zunge Politiker reden, die vom Sparen reden und dabei gleichzeitig hunderte Milliarden neuer Schulden machen, z. B. für die sinnlose Euro-Rettung und den verbrecherischen Afghanistan-Krieg bei gleichzeitiger Kürzung aller Sozial- und Kulturbudgets. Sie reden von den Schulden für die Enkel. Haha! Wenn wir auf der Zeitachse rückwärts schauen, was erkennen wir, was war denn in Deutschland vor 2900 Jahren? Also, was hat das Gerede vom Schuldenabbau für einen anderen Sinn, als die Bevölkerung zu belügen, um uns weiter zu versklaven. Jeder klar denkende Mensch muss tiefste Verachtung vor jedem Politiker haben. Ich warte auf den Tag, an dem wir alle Politiker, die für die jetzige Staatsverschuldung zuständig sind, vor ein ordentliches Gericht stellen können. Die Reihe der Politiker beginnt bei Helmut Schmidt und geht über Merkel sowie die Bundespräsidenten Köhler bis hin zu Wulff. Niemand erhält mildernde Umstände. Die Knechtung der deutschen Bevölkerung muss endlich ein Ende haben. Wir sind alle freie Bürger in einem freien Land. Politiker haben kein Recht uns permanent zu belügen. Wünsche allen noch einen schönen Tag. Ihr Dr. H.
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