Industriemetallpreise – ein Blick zurück
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 8. März 2011, 20:00 Uhr
ENL5454
Nun ist es zwar schon März und damit ein bisschen spät für Jahresrück- und Ausblicke, aber ich möchte mich trotzdem noch mit den Aussichten für die Industriemetallpreise und hernach mit den Aussichten für die Agrarrohstoffpreise beschäftigen.
Sie wissen ja, ich beleuchte gerne so viele Faktoren wie möglich (daher resultiert auch mein Hang zu Reihen, die bisweilen einen ordentlichen Umfang annehmen können), außerdem passieren zwischendurch immer wieder interessante Dinge, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte...ich hoffe also, Sie nehmen es mir nicht übel, dass die Industriemetalle erst jetzt an der Reihe sind.
Also fangen wir an...und werfen zunächst einen Blick zurück. Am besten nutzen wir dazu stellvertretend für die Industriemetalle zunächst einmal die Kupfer-Preis-Entwicklung (die anderen Industriemetalle folgen später nach):
Kupfer-Preis-Entwicklung seit 2008
Quelle: CFX-Broker
Ja, der Kupferpreis...seit 2008 schreitet er beharrlich voran. Allein im vergangenen Jahr hat der Kupferpreis um 33% zugelegt. Seit Beginn dieses Jahres notiert der Kupferpreis aktuell zwar mit 2,3% im Minus, allerdings hatte der Preis zwischenzeitlich auch schon um 4,5% zugelegt.
Überprüfen wir einmal meine Aussagen zum Kupferpreis im letzten Jahr:
Im letztjährigen Jahresausblick vom 13. Januar hatte ich geschrieben:" Um eines gleich vorweg zu sagen: ich gehe davon aus, dass die positiven Fundamentaldaten in die Preisentwicklung der Industriemetalle aktuell bereits mehr als deutlich eingeflossen sind. Grundsätzlich deutet die fundamentale Ausgangslage somit seit einiger Zeit auf eine Preiskorrektur hin. Die Frage ist allerdings auch hier wieder, wann die Erwartungshaltung diese Korrektur zulassen wird... Möglicherweise könnten sich die Industriemetallpreise noch bis ins 2.Quartal stark halten und erst nach neuen Höchstständen dann eine deutlichere Korrekturbewegung beginnen."
Tja, gar nicht mal so schlecht: die Kursentwicklung verhielt sich zwar deutlich volatil, aber nach einem Hoch bei 3,58 USD im März letzten Jahres, kam dann die Korrektur bis auf 2,80 USD pro Pfund im Mai. (ich habe für Sie den Zeitpunkt meiner ersten Überlegung im Januar im Chart oben gekennzeichnet [erster Kreis]).
Hernach entschied ich am 09.Juli, dass es Zeit sei, für ein Update:"Auch wenn die Lagerbestandsentwicklung bei Kupfer aktuell preisunterstützend ist, muss zudem auch die Stimmung an den Märkten passen, denn die Preise werden nach wie vor, vor allem durch die Stimmung getrieben.".." Um die Marke bei 3 USD pro Pfund erhält der Kupferpreis eine wichtige Unterstützungsmarke und wenn das Stimmungsumfeld stimmt, kann der Preis von diesem Level aus betrachtet deutlicher anziehen." (den Zeitpunkt dieses Updates habe ich ebenfalls oben markiert [zweiter Kreis]).
Gefolgt von einem nächsten Update am 29.Juli:"Die fundamentalen Rahmenbedingungen stimmen und sorgen so für Unterstützung. Allerdings muss - wie die letzten Monate zeigen - auch die Stimmung dazu passen. Ein Level von 3,50 US-Dollar pro Pfund bis Jahresende sollte durchaus im Rahmen liegen, sofern - wie gesagt - alle Faktoren zusammen passen." (dritter Kreis)
So weit, so also gar nicht mal so übel....und dann hat mich die Kupferpreisentwicklung überholt.
Was mir zu denken gab und gibt...denn trotz der für die Preise positiven Erwartungen, steigen die LME-Bestände zum Beispiel seit Anfang des Jahres wieder an. Noch viel wichtiger ist aber, dass inzwischen ein wesentlich bedeutsamerer Faktor immer stärker die Preisentwicklung mitbestimmt. Ich spreche von der spekulativen und der Investmentnachfrage. Alles Anzeichen dafür, dass bald einmal wieder eine zwischenzeitliche Korrekturbewegung fällig wäre. Zumindest konsolidiert der Preis aktuell auf seinem hohen Niveau. Na ja, mal abwarten...wenn sich die Vergangenheit wiederholt, könnte der Preis nach einer zwischenzeitlichen Korrektur auch wieder deutlich anziehen. Hierfür muss dann aber auch die fundamentale Lage stimmen, sprich sinkende Lagerbestände und eine tatsächliche Angebotsverknappung, dank steigender Nachfrage, und nicht nur aus China..
Sehen wir uns im 2.Teil doch noch die Erwartungen für 2011, welche die Preisentwicklung so massiv unterstützt haben.
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