Industriemetalle: Meine aktuelle Einschätzung
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 12. Februar 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Nun werden auch im Rohstoff-Sektor „fleißig" Stellen gekürzt. Hier ein paar konkrete Beispiele:
- Alcoa vermeldet den Wegfall von 15.000 Arbeitsplätzen.
- BHP Billiton stoppt den Nickel-Abbau in einer australischen Mine (Ravensthorpe), kürzt 6.000 Stellen.
- Rio Tinto fährt die Investitionen in neue Bergbauprojekte massiv zurück, und zwar um 55,56% (von rund 9 auf ca. 4 Mrd. Dollar). Zudem werden 14.000 Stellen gestrichen.
- Vale (ehemals unter dem Namen „Companhia Vale do Rio Doce (CVRD)" bekannt) hat die Eisenerzförderung im vierten Quartal um 26% zurückgefahren.
- A propos Eisenerz: Das Handelsblatt vermeldet, dass in der brasilianischen Region Minais Gerais nur noch 4 von 20 Eisenerzminen aktiv sind.
*** Meine Bewertung:
Hier sehen wir wieder ein prozyklisches Verhalten. Die Bergbaukonzerne lassen sich von der derzeitigen Lage, nicht vom Ausblick, treiben:
Derzeit sind die Preise für Industriemetalle relativ niedrig. Entsprechend wird die Produktion zurückgefahren, die Investitionen in neue Minen drastisch gekürzt.
Weil dies aber „alle" (= viele der großen Bergbaukonzerne) so handhaben, wird eine Zeit kommen, in der die Nachfrage das verringerte Angebot wieder übertreffen wird.
Dann werden die Preise für Industriemetalle wieder steigen - und dann werden die Bergbaukonzerne wieder prozyklisch die Produktion erhöhen und auch die Investitionen in neue Minen wieder steigern.
*** Die Sache ist aber die: Das geht nicht von heute auf morgen. Die Produktion von Minen kann nicht innerhalb von ein paar Tagen gesteigert werden. Und die Exploration neuer Vorkommen kann Jahre dauern.
Genau das ist aber auch eine Chance für Rohstoff-Investoren: Denn die Zwischenphasen bieten recht klare Trends.
Konkret für die derzeitige Lage bedeutet dies: Die massiven Produktionskürzungen werden ab vielleicht 2010 dazu führen, dass die Nachfrage wieder über dem Angebot liegt und die Preise steigen. Wenn dann die Produktion erhöht wird, dauert dies einige Monate, bis sich das im Preis bemerkbar machen wird. Solche Entwicklungen werden vorweggenommen. Und deshalb könnte es ab der zweiten Jahreshälfte 2009 zu einem Anstieg bei den Preisen der Industriemetalle kommen.
Das könnte scheinbar paradoxerweise mit schwachen Konjunkturmeldungen zusammentreffen.
Grund wären aber die jetzt eingeleiteten massiven Kürzungen bei Produktion und Exploration.
Mein Fazit: Die Kürzungen der Minen führen mich zu der Ansicht, dass Industriemetalle schon ab der zweiten Jahreshälfte wieder interessant (steigende Preise) werden könnten.
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel