Indien
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily zum Thema Global Anlegen
vom 23. Dezember 2003 18:00 Uhr
ENL5454
*** Eine aktuelle Ausgabe von "India Today" hat auf dem Cover die Schlagzeile: "Champion of the World". Im globalen wirtschaftlichen Wettbewerb hat Indien nach eigener Ansicht die Fuehrungsposition.
Die Zahlen kann man anzweifeln, aber Indien hat eine der hoechsten Wachstumsraten in der Welt. Waehrend China zunehmend in die Schlagzeilen geraet, ist es Indien, wo die englischsprachigen Unternehmen zuerst auf der Suche sind, wenn sie etwas "outsourcen" (wie es neudeutsch heisst) wollen. Indien ist sehr buerokratisch, wie jeder weiss. Aber es waechst schnell ... und die Zahl der Arbeitskraefte ist fast so hoch wie in China.
Indien ist ein relativ freies Land. China ist relativ unfrei. In China koennte es derzeit so weit sein, dass sich eine Spekulationsblase entwickelt hat. Und die muesste platzen. Indiens Wachstum – weniger sichtbar und fuer die Aussenwelt verstaendlich – koennte auf Sicht der naechsten Jahre dauerhafter und stetiger sein.
*** Die Weihnachtsferien haben begonnen. Ich habe meine gesamte Familie fuer eine Woche in unserem Schloss in Frankreich zusammengebracht.
Unser aeltester Sohn, Will, ist aus Florida gekommen, zusammen mit seiner Verlobten. Unsere Tochter Sophia ist aus dem College in West Virginia angereist. Meine Mutter ist gerade von ihrer USA-Reise zurueckgekehrt – normalerweise wohnt sie bei uns in Frankreich. Und der Rest der Familie ist aus Paris angereist.
Mein franzoesischer Freund Michel ist derzeit an Indien interessiert. Er ist davon ueberzeugt, dass China ein grosser Betrug ist, und verglichen mit China sei Indien eine Riesenchance. Er ist auch ein Fan von Bollywood – der indischen grossen Filmindustrie – geworden.
Gestern versammelte sich die gesamte Familie vor de m Fernseher, um einen von Michels Lieblingsfilmen – Gadar – anzusehen. Dieser indische Film ist in indisch, mit Untertiteln, die irgendeine Form von Englisch sind. Zuerst haben wir alle ueber die komischen Uebersetztungen und die merkwuerdigen Tanz- und Gesangszenen gelacht. Aber nach und nach nahm uns der Film gefangen.
"Der war laecherlich", sagte unsere Filmkritikerin Maria, "aber uns hat der trotzdem gefallen."
Es ging um eine Liebesgeschichte, zur Zeit der Trennung Indiens und Pakistans im Jahr 1947. Der politische Hintergrund war bemerkenswert feinfuehlig und zynisch dargestellt. Es gab nicht einen einzigen Politiker, Soldaten oder Buerokraten im Film, der nicht als Luegner oder Schuft dargestellt wurde. Und jedes Mal, wenn Menschenmassen auftraten, dann ging es um Gewalt. Der einzige "politische" Charakter im Film ist ein Verrueckter, der seinen Verstand verloren hat und unablaessig von den Erfolgen des neuen Indiens spricht. Er ist allerdings Pakistani, der Todfeind aller Inder!
An dieser Stelle moechte ich es nicht versauemen, Ihnen Frohe Weihnachten zu wuenschen. Ich hoffe, Sie haben ein paar angenehme Feiertage – und kommen Sie gut ins Neue Jahr!
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