Indien: Zwischen Ochsenkarren und Hightech
Volkmar Michler in Profit Radar zum Thema Global Anlegen
vom 26. Januar 2012, 19:00 Uhr
ENL5454
Incredible India! Unglaubliches Indien. Dieser Slogan empfängt mich schon am Flughafen der über 600.000 Einwohner zählenden Stadt Cochin im südindischen Bundesstaat Kerala. Dort wird das Gepäck der ankommenden Fluggäste - überwiegend Inder, die in Dubai arbeiten -, mit einem Traktor abgeholt, der in Deutschland wohl eher in einem Agrar-Museum stehen würde.
Bei der 1,5 Stunden dauernden Autofahrt zum Hotel sehe ich die Niederlassungen fast aller westlichen, koreanischen und japanischen Automarken - von BMW über Hyundai bis Toyota. Die Japaner haben in den Staub der unansehnlichen Vorstadtstraße eine ufo-ähnliche Fabrik gebaut.
Auf der Internetseite des indischen Touristenverbandes in Deutschland lese ich: „Indien wird Ihr Herz erobern." Das kann ich nach der mehrwöchigen Indienreise, von der ich gerade zurückgekehrt bin, ohne Weiteres bestätigen. Doch zunächst erobert Indien nicht mein Herz, sondern meine Ohren. Ich hatte für das nur 5 Minuten von der Küste entfernt liegende Hotel einen „balcony luxus room" mit Blick auf den Garten gebucht, also ganz bewusst nicht zur Straßenseite.
Was ich aber nicht wusste: dass sich in dem kleinen Innenhof ein PKW-großer Dieselgenerator befindet, der prompt anspringt, als ich mich gerade unter dem Moskitonetz etwas ausruhen wollte. Hubschrauberlandeplatzgefühl statt Gartenruhe.
Stromausfall. Selbst in dem touristisch recht gut erschlossenen Bundesstaat Kerala an der Tagesordnung. Dabei steht Kerala im Vergleich zu anderen Bundesstaaten noch recht gut da. Schon der Nachbarstaat Tamil Nadu fällt deutlich ab - Alphabetisierungsrate, Sterblichkeitsrate, Lebenserwartung, Zustand der Straßen. Das ist Indien auf dem Stand von China - vor 10 Jahren. Mit dem entsprechenden Aufholpotenzial für Sie als Anleger.