Indien: Keine Bankenkrise
Volkmar Michler in Profit Radar zum Thema Global Anlegen
vom 27. Januar 2012, 19:00 Uhr
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Die Stimmung könnte in Indien kaum schlechter sein, darüber habe ich Sie im letzten Profit Radar informiert. Und genau das weckt meinen Anlegerinstinkt. Wenn keiner etwas von Indien wissen will, dann macht Taipan genau das Gegenteil. Wenn man alles zusammennimmt und sich in Indien nicht nur auf schöne Tempel, Landschaften und Sonnenuntergänge konzentriert, erfährt man auch ganz andere Signale. Nehmen Sie zum Beispiel den Bankensektor. In Europa haben die Regierungen in der Krise die Banken gerettet, in Indien aber haben die Banken die Verbraucher gerettet. Dies hat einen direkten Effekt auf den Binnenkonsum. Darüber hinaus zahlt sich das konservative System jetzt aus, hier wurde der Markt nämlich nicht à la FDP liberalisiert. Indischen Banken ist es weitestgehend verboten, im Ausland zu zocken.
Eine ganze Reihe von indischen Fondsmanagern sieht gerade jetzt im abgrundtiefen Pessimismus antizyklische Kaufchancen. „Die Produktivität wird sich durch verbesserte Technologien in der nächsten Zeit verdreifachen", so Sandeep Bakhshi von ICICI Prudential Life Insurance. Mukesh Ambani, Vorstandsvorsitzender des Petrochemie-Unternehmens Reliance Industrie, einer der reichsten Männer Asiens, sagt: „Ich teile den Pessimismus nicht. Indien bleibt das beste Investmentziel."
Der Vorsitzende der Planungskommission und wichtigster Wirtschaftsberater des Premierministers Ahluwalia sagt: „Ich sehe für das gesamte Jahr eine Wachstumsrate von 7%. Wir müssen dieses Wachstum auch in einem Kontext mit Europa sehen, das möglicherweise 0% wachsen wird. Glauben Sie wirklich, wir sollten von einer Wachstumskrise in Indien reden?" In der Tat ist Indien nach China immer noch immer die am schnellsten wachsende Wirtschaft der Welt. Große Konzerne wie Tata, Reliance und Essar nutzen ihre prall gefüllten Kassen, um im Ausland, zum Beispiel in Afrika, zu investieren. Insgesamt haben indische Firmen im letzten Jahr im Ausland über 43 Mrd. US$ investiert, in Indien rund 27 Mrd. US$. Wenn die großen indischen Konzerne sich massive Investitionen im Ausland leisten können, kann es ihnen nicht so schlecht gehen. Fakt ist, dass große indische Namen wie Tata, Reliance oder Essar längst zur Klasse der Global Player aufgestiegen sind. Genau diese Konzerne mit prall gefüllter Kasse können die Krise am ehesten überstehen.