Indien – der nächste Megatrend?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Global Anlegen
vom 13. August 2004 12:00 Uhr
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Heute möchte ich ein wenig über die "Emerging Markets" – also die sogenannten Schwellenländer – schreiben. Früher nannte man diese Staaten "Zweite Welt" (also die Staaten, die von der Entwicklung her zwischen den westlichen Industriestaaten und der Dritten Welt standen).
Sie wissen ja mittlerweile, dass ich ein großer Anhänger des Megatrends China bin. Aber darüber schreibe ich heute nicht. Sondern über ... Indien! Ich befasse mich seit einigen Monaten mit dem indischen Aktienmarkt. Und die Ergebnisse meiner Analysen möchte ich Ihnen heute mitteilen (die Leser meines Börsenbriefs wissen natürlich schon Bescheid). Also, los geht's:
Harte Fakten sind die eine Sache. Auf die komme ich gleich zu sprechen. Jetzt möchte ich Ihnen zunächst erst einmal schildern, wie es vor Ort in Indien aussieht. Denn ich halte nichts von Analysten, die lediglich in ihrem stillen Kämmerlein Statistiken Dritter auswerten. Nein, wenn wir es wirklich mit einem Megatrend zu tun haben, dann muss das auch vor Ort sichtbar sein. Sozusagen mit Händen greifbar. Deshalb habe ich einen Bekannten, der Indien-Experte ist, nach seiner Einschätzung gefragt. Er reist seit 17 Jahren regelmäßig nach Indien und hat insgesamt rund 9 Jahre dort verbracht. Er ist zwar kein Börsenexperte – im Gegenteil, mit Aktien hat er nur wenig am Hut. Er hat mir geschrieben, dass er sich "um wirtschaftliche Fakten/Zahlen nie gekümmert" hat. Aber ihm fällt einfach auf, dass Indien derzeit boomt. Er schrieb mir: "Was ich hier allerdings im täglichen Leben sehen kann, ist schon eindeutig eine Entwicklung in Richtung westlicher Standard, was sich vor allem in der Zunahme moderner Büro- und Wohnhäuser, Autos und Straßen und im Warenangebot zeigt."
Jetzt nenne ich Ihnen einige harte Fakten, die meine Thesen untermauern. Es handelt sich um volkswirtschaftliche Daten, die auf dem Tisch liegen und glaubhaft sind. Sie wissen, dass ich lieber "Märkte" als "Einzeltitel" kaufe – und selten haben die Fakten so eindeutig für den Markt "Indien" gesprochen:
1.) Das indische Wirtschaftswachstum überzeugt. Im laufenden Jahr wird die indische Wirtschaft voraussichtlich zwischen 7 % und 8 % wachsen (so prognostizieren etwa die Analysten von HSBC Trinkaus ein Plus von 7,6 %). Im Jahr darauf sind mindestens 6 % drin. Damit liegt das Wachstum zwar nicht ganz so hoch wie in China, kann sich aber auf jeden Fall sehen lassen!
2.) Besonders erfreulich: Die Armut in Indien geht zurück! In Indien gibt es leider neben einer sehr gut ausgebildeten Mittelschicht immer noch wirklich arme Familien, die hungern müssen. Der Anteil dieser Ärmsten an der Gesamtbevölkerung ist in den letzten beiden Jahren von 12 % auf 6 % gesunken. Eine sehr schöne Entwicklung! Natürlich in erster Linie für die Betroffenen selbst – aber auch für den Gesamtstaat. Denn ein Rückgang der Armenquote erhöht auch tendenziell die Steuereinnahmen bei gleichzeitiger Entlastung des Sozialbudgets.
3.) Indien hat – im Gegensatz zu China – eine sehr gut ausgebildete Mittelschicht. Während China zum "Produzenten der Welt" geworden ist, wird sich Indien hin zum "Dienstleister der Welt" entwickeln. In den Bereichen Software-Programmierung, Hochtechnologie allgemein und auch bei der Generika-Herstellung. Da die indischen Arbeitskräfte generell englischsprachig sind, können sie auch Dienstleistungen für Weltkonzerne in Bereichen wie Buchführung und Call Center erledigen.
Diese Fakten sprechen für sich. Am liebsten würde ich Ihnen ein Indien Bonus-Zertifikat empfehlen. Aber so einen Schein gibt es noch nicht. Noch nicht – denn das ist höchstwahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Ich bleibe für Sie weiter dran!
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
Michael Vaupel
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