Indexkonstruktionen im Vergleich
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 2. Februar 2012, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin , lieber Leser
Hin und wieder wird Ihnen bestimmt schon aufgefallen sein, dass zwischen Kursindizes und Performance-Indizes unterschieden wird. Aber auch gewichtete und ungewichtete (bzw. gleichgewichtete Indizes werden je nach Börsensituation fallweise genutzt. Ich möchte heute und morgen versuchen, Ihnen nicht nur die Unterschiede dieser Konstruktionen darzulegen, sondern Sie auch von der Notwendigkeit zu überzeugen, mit solch unterschiedlichen Konzepten zu arbeiten.
Beginnen wir heute mit der Konstruktion von gewichteten und gleichgewichteten Indizes.
Wenn Sie den Index eines Marktes oder eines Sektors abbilden wollen, dann gibt es gute Gründe dafür, die Aktien eines großen Unternehmens mit hohen Tagesumsätzen stärker zu gewichten als die Aktien eines kleinen Unternehmens mit geringer Kapitalisierung und Bedeutung für den Markt oder die Branche. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Aktien in den meisten Indizes entsprechend ihrer Marktkapitalisierung gewichtet werden. Letztlich soll dem Anleger, dem das Investment in eine Vielzahl von Aktien erspart werden soll, ein Index geboten werden, der den Markt so gut wie möglich repräsentiert. Ein ETF oder Derivat auf den (kapital)gewichteten Index weist eine hohe Korrelation zur Marktbewegung auf und gibt dem Investor die Möglichkeit, mit einem Wertpapier einen ganzen Sektor oder ein ganzes Land abzubilden.
Die Abbildung eines Index über einen ETF - ich habe erst kürzlich darüber geschrieben - ist bei einem (kapital)gewichteten Index einfacher und damit billiger. Schließlich können die Fondsmanager einen Großteil des Index mit einigen wenigen großen Unternehmen nachbilden, ohne gezwungen zu sein, eine Vielzahl von Aktien zu kaufen, deren Tagesumsätze für institutionelle Anleger zu gering sind.
Aber jede Medaille hat zwei Seiten. Stellen Sie sich Unternehmen vor, die sehr schnell wachsen und in einer Hausse sehr schnelle Kursgewinne hervorbringen. Der Index neigt dann zur Übertreibung, wenn nicht sogar zu einer Blasenbildung. Haben Sie es mit einem Index zu tun, in dem alle Aktien gleich gewichtet werden, dann können sich die großen Werte nicht so stark bemerkbar machen. Ihr Kursanstieg wird regelmäßig ausbalanciert. Im Falle einer Korrektur fällt der Index nicht so stark, weil eine große Anzahl von Aktien, die schon zuvor weniger gestiegen sind, nun weniger Korrekturpotenzial haben. Die Prozedur des Ausbalancierens ist aber auch hier ein Kostenfaktor, der gerade bei ETFs so klein wie möglich gehalten werden soll.
Zum zweiten Teil von: jetzt aber auf gleichgewichtete Indizes setzen!ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Ulf Cihak (03.02. 2012 09:24 Uhr):
>> einen Großteil des Index mit einigen wenigen großen Unternehmen nachbilden soweit mir bekannt ist, gibt es zumindest bei Aktienfonds eine Grenze von maximal 10% in einem Fonds. Ist das bei ETFs so nicht der Fall ?
Antworten- Antwort von juergen Nowacki (03.02. 2012 15:11 Uhr):
ja, da haben Sie recht
- Antwort von juergen Nowacki (03.02. 2012 15:11 Uhr):