"In" und "out"
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 06. Mai 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Heute war ich auf dem Weg nach Madrid, und dabei habe ich über Warren Buffett nachgedacht.
Was würde Warren Buffett tun, fragte ich mich.
Aber was ich wirklich bemerkenswert fand, war nicht, was Warren Buffett tut – sondern das, was jeder andere tut.
Was Buffett tut, das scheint komplett normal zu sein; was jeder andere tut, das scheint haarsträubend zu sein.
Buffett sucht gute Unternehmen und kauft diese dann. Wenn er keine guten Unternehmen zu einem günstigen Preis finden kann, dann kauft er gar nichts. Dann behält er sein Bargeld und wartet, bis er einen guten Deal findet.
Im seltenen Fall – den es im gesamten Leben dieses Mannes niemals zuvor gegeben hat –, dass sogar das Halten von Bargeld in dieser Währung Risiken birgt, dann tauscht er es in eine andere Währung. Aktuell traut Buffett dem Dollar nicht ... aus den gleichen Gründen, die wir hier im Investor's Daily schon oft beschrieben haben. Also hat Buffett ein Drittel seines Geldes in ausländische Währungen getauscht – so als ob er meinen Rat befolgt hätte.
Während ich nichts Außergewöhnliches bei dieser Handlungsweise von Warren Buffett sehe, raubt mir das, was ich bei den anderen Anlegern sehe, den Atem.
Kein Investor der menschlichen Geschichte hat jemals soviel Geld durch Investieren verdient wie Buffett. Er ist der zweitreichste Mann der Welt, und er hat jeden Cent davon verdient, ohne jemals schwitzen zu müssen oder eine Stechuhr zu betätigen. Er hat nichts erfunden. Er schreibt keine Lieder. Er war nie Fußball-Profi, arbeitete nie an der Wall Street und kandidierte nie für ein öffentliches Amt. Seine Hände und sein Verstände sind – soweit ich das weiß – sauber.
Was für ein besseres Vorbild könnte ein Investor wollen?
Und dennoch sind selbst Raucher mehr in Mode. Wie Marlboro-Zigaretten und gute Manieren ist auch Buffett nicht mehr "in". Der Mann aus Omaha ist nicht mit dem Zeitgeist mitgegangen. Er hat keine Hedgefonds gegründet. Er hat keine Hypothek auf sein Haus aufgenommen. Er hätte alle neuen Google-Aktien kaufen können, aber er hat sich diese Gelegenheit entgehen lassen.
Wenn man den durchschnittlichen Investor fragen würde, was er denn von Warren Buffett hält, dann würde er ihm sicherlich Tribut zollen. Aber wenn man denselben Investor mit dem aktuellen Rat von Buffett konfrontieren würde, dann würde er den ignorieren.
Und Sie, liebe(r) Leser(in)?
Mein persönlicher Geschmack ist noch weniger mit der Zeit gegangen als der von Warren Buffett. Ich mag keine Cherry Coke, und ich lese auch nicht die Washington Post (obwohl ich Amerikaner bin). Aber ich halte an den Ansichten von Warren Buffett fest wie an zu engen Krawatten; die werden schon wieder in Mode kommen, wenn der Dollar fällt und Google auf den Boden der Tatsachen zurückkommt.
Während ich darauf warte ... hier ist unser Mann an der Wall Street, der manchmal richtig und manchmal falsch liegt ... aber immer ein Trendsetter der Mode ist – Eric Fry: