In Richtung 70 Dollar ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 15. August 2005 18:00 Uhr
ENL5454
In den vergangenen Tagen konnten deutsche Standardwerte wieder deutlich zulegen. Im Wochenvergleich schaffte der Dax ein Plus von gut zwei Prozent.
Ja, die aktuelle Stimmung könnte kaum besser sein. Und fast hätte der Leitindex ja auch noch die psychologisch wichtige 5000-Punkte-Hürde genommen. Auch die Nebenwerte, Mid- bzw. Small-Caps, eilen von einem Hoch zum nächsten. Mehr als die Hälfte der Anleger ist hinsichtlich der weiteren Entwicklung zuversichtlich gestimmt. Fast scheint es so, als ob kein Haar in würzigen Börsensuppe auffindbar ist.
Weiter kommt hinzu, dass die Masse der Privatanleger wohl immer noch an der Seitenlinie steht. Im ersten Halbjahr diesen Jahres zogen die Deutschen über drei Milliarden Euro aus Aktienfonds ab. Der Anteil des Geldvermögens, welcher in Aktien investiert ist, war per Ende 2004 auf dem selben niedrigen Stand wie 1991.
In anderen Worten, das Ende der gegenwärtigen Aufwärtsbewegung im Aktienmarkt steht wohl erst dann an, wenn hohe Netto-Mittelzuflüsse der Privatanleger interessante Gewinnrealisierungschancen für "smart money" ermöglichen.
Noch scheint es nicht so weit zu sein. Insofern ist es sehr gut vorstellbar, dass größere Abgabebereitschaft Institutioneller erst im Bereich der Hochs aus dem Jahr 2002 entsteht. Vom gegenwärtigen Niveau aus betrachtet würde dies noch rund zehn Prozent Aufwärtspotenzial bedeuten.
Fürwahr, diese hehren Kursziele sind vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen schon mehr als nur beachtlich. Mehr denn je scheint die Abkopplung der Börsen von der Real-Welt voranzuschreiten.
So befindet sich die deutsche Wirtschaft im Gegensatz zu den Aktien weiter in der Stagnation. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) blieb im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal gleich.
Vor dem Hintergrund einer solch schwachen wirtschaftlichen Entwicklung ist es auch nicht wirklich verwunderlich, dass die Spaltung der Gesellschaft sich immer rasanter vollzieht. Schenkt man einer jüngst veröffentlichten GfK-Studie Glauben, so verfügen fast zwei Drittel der Haushalte nur noch über ein disponibles Anlagevermögen von unter 10.000 Euro. Anders formuliert, die Vermögensverteilung spreizt sich immer mehr auf.
Des weiteren blickt lauter einer anderen aktuellen Studie die Hälfte der deutschen Jugendlichen skeptisch in die berufliche Zukunft. Mittlerweile soll es schon so weit sein, dass knapp 20 Prozent der 16-24-Jährigen unter der Armutsschwelle (sicherlich, immer relativ zu sehen) lebt.
Und, schnelle Besserung ist ebenfalls kaum in Sicht. Dafür sorgt unter anderem schon die Fortsetzung der MEGA-Öl-Hausse. In der letzten Woche konnte das schwarze Gold ein neues, nominales All-Time-High erreichen. Schon mitten in der Ferienzeit, im August, scheint es beim Ölpreis kein Halten mehr zu geben.
Fürwahr, momentan spricht einiges dafür, dass möglicherweise noch im Jahr 2005 auch kaufkraftbereinigt ein neues All-Time-High erreicht werden kann. Sowohl saisonale (im historischen Vergleich extrem niedriger Stand der Heizöltanks) als auch andere (politische Unsicherheit in erdölreichen Staaten) Punkte führen dazu, dass für Öl alle Ampeln weiter auf "grün" stehen. Sicherlich, rein technisch bedingte Konsolidierungsphasen wird es zwar immer wieder mal geben. Diese sollten aber als Chance begriffen und genutzt werden. Denn, nicht nur aufgrund des Eintritts des asiatischen Kolosses China dürfte der Rohstoff- bzw. Ölzyklus eher am Beginn als am Ende stehen. Nur als Beispiel sei erwähnt, dass der gegenwärtige jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Öl eines Chinesen lediglich ein Barrel beträgt. Das entspricht in etwa dem Konsum Südkoreas bzw. Japans im Jahr 1950. Insofern stehen wir wohl immer noch erst am Beginn der "Öl-Nachfrageparty".
Apropos Nachfrageschub, dieser dürfte – nicht nur aus Asien – auch für das gelbe Edelmetall kommen. Und sehr positiv stimmt, dass gegenwärtig Gold gegenüber allen Papierwährungen zulegen kann. Gerade auch in Relation zum gewaltigen Ölanstieg verfügt Gold über ein geradezu herausragendes Nachhol- bzw. Aufwärtspotential.