In dieser Woche ist alles möglich
Von Volkmar Michler in Profit Radar
vom 13. Juni 2006 19:00 Uhr
ENL5454
Stehen wir vor einer nachhaltigen Trendwende an den Aktienmärkten?
In dieser Woche ist alles möglich. Das bezieht sich natürlich auf die aktuelle Fußball WM. Doch ich oute mich hiermit als Nicht-Fußball-WM, der in den letzten Tagen gerade einmal 2 Minuten Fußball im Fernsehen geschaut hat. Erwarte Sie deshalb von mir nicht, dass ich den bisherigen Verlauf der WM kommentiere. Das machen andere viel lieber und viel besser als ich. Zum Beispiel mein Börsekollege Daniel Wilhelmi, den ich heute vertrete, da er auf einem Geschäftstermin ist.
Auch wenn ich die Fußball WM als willkommene Abwechslung absolut begrüße, mache ich mir zurzeit doch mehr Sorgen über die Frage, wie es mit den Aktienmärkten weiter geht. Es dürfte wohl kaum einen geben, den es nicht erwischt hat. Auch ich habe ich mich konsequent an die von mir gesetzten Stop- bzw. Verkaufsmarken gerichtet. Das Ergebnis: Etwa Zweidrittel der Werte habe ich gut verkauft, teilweise sogar sehr gut verdient, etwa Eindrittel habe ich mit einem Verlust verkauft, der sich aber in Grenzen hält. Das entspricht ziemlich genau dem Ergebnis, das wir aufgrund der letzten Crash-Wochen für Taipan erzielt haben.
Verluste sind unvermeidbar
Auch wenn uns Verluste nicht glücklich machen, sie sind unvermeidlich, wenn man sich an den Aktienmärkten aufhält. Die Kunst besteht nur darin, die Verluste so klein wie möglich zu halten. Immer wieder bekomme ich in diesem Zusammenhang E-Mail-Anfragen von Lesern, über die ich manchmal nur den Kopf schütteln kann. Häufig werden unsere Kursziel- oder Stop-Angaben nicht eingehalten. Nachdem wir einen Wert bereits seit Wochen oder Monaten verkauft haben, haben manche Anleger diese Aktien immer noch im Depot und fragen nun, was sie mit diesen Werten machen sollen. Dazwischen liegt nicht selten eine Differenz von 20%, 30%, 40% und mehr, die sich viele Leser als Plus gutschreiben lassen können, manche nun aber auch als Minus mit sich im Depot herumschleppen.
So ist das nun mal leider. Mangelnde Konsequenz wird an den Börsen häufig hart bestraft.
Doch zurück zur Ausgangsfrage: Wie geht es weiter? „In dieser Woche ist alles möglich“, so kommentiert es zum Beispiel Rolf Elgeti, Aktien-Stratege von ABN Amro in London. Denn eine ganze Reihe von Terminen stehen diese Woche an, die die Aktienmärkte bewegen werden.
Wichtige Konjunkturdaten diese Woche aus den USA
Dreh- und Angelpunkt ist weiterhin die USA. Dienstag, Mittwoch und Freitag werden folgende Konjunkturdaten gemeldet: Verbraucher- und Erzeugerdaten, Verbrauchervertrauen (ermittelt von der Universität Michigan) sowie die Inflationserwartungen. Gerade letzteres hat die Märkte in den letzten Tagen regelrecht erschüttert.
Das Problem daran: Der Riss geht mitten durch die Finanzbranche. Einige Investmenthäuser sprechen immer noch von einer zu erwartenden Korrektur. Ich würde dies mittlerweile als Panik bzw. sogar Crash bezeichnen. Andere sehen es noch schwärzer und sprechen bereits von einer Trendumkehr. „Der Ausverkauf an den Börsen ist noch nicht vorüber“, sagt zum Beispiel der Aktienstratege Teun Draaisma von Morgan Stanley.
Stellen Sie sich also auf eine turbulente Woche ein. Wir liegen jedenfalls auf der Lauer, um bei ausgesuchten Werten gezielt zuzuschlagen, aus denen wir in den letzten Tagen und Wochen ausgestoppt worden sind. Oder sollte ich mir doch lieber ein paar Fußballspiele im Fernsehen anschauen?
Gute Kurse (und noch bessere Nerven) wünscht Ihnen
Volkmar Michler