In den guten alten Zeiten
Axel Retz in DAX Daily
vom 04. April 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
„In the „good old days" news items that we hear almost every day now, would have tanked the market into a four-year bottom by last fall."
Auf gut deutsch: In den "guten alten Zeiten" hätten Nachrichten, wie wir sie heute fast täglich hören, den Markt schon im letzten Herbst auf ein Vierjahrestief gedrückt."
Dieses Statement gab gestern ein technischer Analyst aus den USA ab, der seit über 40 Jahren im Geschäft ist, solche Marktphasen wie jetzt aber noch nicht erlebt hat. Vielleicht kann er sich auch nur nicht erinnern. Fakt ist:
Negativfaktoren scheinen von den Anlegern völlig ausgeblendet zu werden. Das, was die Börsen Ende Februar auf Talfahrt schickte, ist in das tiefe Loch des Vergessens und Verdrängens gefallen, das mit einem Haufen frischen Geldes zugeschüttet wurde.
So etwas nennt man „auf einem Auge blind". Damit geißelten sich die Anleger selbst im März-Rutsch – sie hatten „etwas" übersehen, das sie blitzschnell einholte. Dieses „etwas" war die Realität. Doch heute? Heute haben sich die Anleger wieder um 180 Grad gedreht, das zweite Mal in nur 5 Wochen.
Was nicht mit nach oben will, sind die Umsätze. Warum eigentlich, wenn doch alles so bullish ist? Auf was warten denn die kapitalkräftigen Fonds noch, gerade jetzt, nach dem ausgelaufenen Quartalsultimo?
Volume goes with the trend (die Umsätze gehen mit dem Trend), besagt eine alte Börsenregel. Diesmal begleiten sie ihn nicht.
Noch ein Nachtrag zu meinen Ausführungen bzgl. der von russischen Medien berichteten, angeblichen Angriffspläne der USA auf den Iran. Dazu erhielt ich gestern mehrere E-Mails. Tenor: Sie glauben doch nicht im Ernst, dass die USA den Iran angreifen werden, solange dort 15 Briten gefangen gehalten werden. Und: Das ist doch eine Zeitungsente.
Es geht gar nicht darum, was ich glaube oder nicht. Aber wenn Anleger auf die Weitergabe einer solchen, sicherlich bedenkenswerten Nachricht mit Ablehnung reagieren, dann bedeutet auch das ein Stückchen Ausblendung „unerwünschter" Wirklichkeit. Und, am Rande: Wen scheren 15 britische Soldaten, wenn es ums Öl geht? Und darum, die Stellung des Dollar als Weltleitwährung zu sichern. Denn Teheran hat angekündigt, für sein Öl bald keine Zahlung in Dollars mehr anzunehmen. Reuters brachte am 27. März dazu die Meldung: „China shifts to euros for Iran oil."
Warten wir einmal ab, was der April uns bringt. Die USA werden nicht die Hände in den Schoß legen und abwarten, bis der Dollar als Leitwährung abgelöst wird. Denn die Folge wäre ein Absturz der US-Devise ins Bodenlose. Und was dann passieren könnte, sollten sich nicht einmal die schlimmsten Pessimisten wünschen!