Impressionen der Indien-Reise
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. April 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Die letzten Tage habe ich meine Indien-Reise ein wenig sacken lassen. Ich habe Kollegen erklärt, warum wir es mit dem Ende der uns bislang bekannten Welt zu tun haben.
Wenn man Indien besucht... und ich gehe davon aus, dass es genauso ist, wenn man China oder Brasilien besucht... dann stellt man es zuerst nicht fest... man denkt kaum darüber nach... es ist eher so etwas wie ein Gefühl..."
Sicher, in Bombay herrscht immer noch ein großes Chaos... ich meine, der Verkehr ist schrecklich... die Hitze ist widerwärtig... und es gibt Menschen, die sehen aus, als hätten sie schon seit Monaten nichts mehr gegessen."
Und dennoch muss man immer wieder feststellen, dass sich Indien weiterbewegt. Es ist chaotisch, es ist unbequem, es ist unvorhersehbar... aber es geht nach vorne. Die Menschen sind jung, die Gebäude sind neu. Es gibt viele Autos in den Straßen... und neue Geschäfte eröffnen."
Ich habe einige von den neuen Nano-Autos von Tata Motors gesehen - das sind niedliche kleine Autos, die für nur 2.500 Dollar verkauft werden. Aber es gibt in Indien Dutzende Autotypen, die ich noch nie auf den amerikanischen oder europäischen Straßen gesehen habe."
Es lässt sich nicht vermeiden, dass man anfängt, in die Zukunft zu blicken... und sich vorzustellen, wie es sein wird, wenn sie eine Brücke fertiggestellt haben, oder wenn die Straße fertig geteert ist... oder wenn sie einen Slum niedergerissen haben werden... oder neue Möglichkeiten gefunden, die Dinge zu erledigen... neue Möglichkeiten, miteinander auszukommen... und neue Möglichkeiten, das Land zu führen."
Wenn man dann nach Frankreich oder Amerika zurückkehrt, dann ist man plötzlich wieder in der Vergangenheit. Es ist eine Erleichterung, weil einem alles so bekannt und geordnet erscheint. Wie in einem Museum. Es ist aber gleichzeitig auch eine Enttäuschung... weil man sich wieder mit den alten Problemen befassen muss... mit den alten Leuten... und den alten Institutionen. Während die Schwellenländer in die Zukunft blicken... blicken die entwickelten Länder in die Vergangenheit."
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von psvanda (12.04. 2010 17:55 Uhr):
Die Einen schauen zurück - und sehen wie es war. Die Anderen schauen nach vorne und sehen wie es sein wird. P. Svanda
Antworten - Kommentar von Christof Harnau (13.04. 2010 00:22 Uhr):
Hallo Herr Bonner, ist nicht gerade diese Erkenntnis, dass die "alte Welt" nun Ihr Ende erreicht, um der "neuen Welt" Platz zu machen eine große Chance für die Menschen, wieder etwas neues und (i hope so) evtl. sogar etwas nachhaltigeres oder besseres zu schaffen. Ich denke, dass die Menschen, die sich damit auseinandersetzen, dass wir eine erneute Epochenwende erleben, auch damit umgehen können. Da sich aber (gefühlte) 95 % der Menschen aus unterschiedlichen Gründen nicht damit befassen, werden sie nicht nur überrascht werden, sondern eben auch unvorbereitet sein. Nicht alle/viele werden diese Wendungen (ökonomisch/ökologisch) "überleben". Aber für die Umwelt und das Klima sowie für alle Menschen, die nachhaltige Veränderungen anstreben, wird sich Möglichkeit eines Neubeginns ergeben. Natürlich nicht ohne Verzicht von gewissen "Annehmlichkeiten" - Back to the Roots - Schöne Grüße aus Berlin Christof Harnau
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