Imperialer Krieg
Bill Bonner in Investors Daily
vom 09. September 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Heute sind die USA wieder mit einem neuen imperialen Krieg befasst – im Irak. Es ist ein imperialer Krieg, weil er in keinem Zusammenhang mit der Sicherheit in den USA steht. Und wieder scheinen wir einem Gegner gegenüber zu stehen, der keine Ahnung hat, wie man im Westen Krieg führt und dem die "Kosten" egal zu sein scheinen. Stattdessen scheint man die Kosten so weit wie möglich in die Höhe treiben zu wollen – um das eigene Land zu destabilisieren.
Amerika hat das Regime seines ehemaligen Verbündeten Saddam Hussein angegriffen. Nachdem seine Regierung beseitigt war, stellte man fest, dass man einen neuen Feind geschaffen hatte. Ohne diese Leute zu kennen, haben das Militär und die Presse sie mit einem Allzweckbegriff betitelt, der auf alle passt, die sich der imperialen Macht entgegenstellen: "Aufständische." Wenn man die Pressemitteilungen liest, dann entsteht der Eindruck, unsere Zenturionen würden zu den gleichen Mitteln greifen, wie McNamara in Vietnam: die Kosten steigern. Mehr Geld, mehr Feuerkraft, mehr Schutz. Länger bleiben, mehr arbeiten, mehr Zeit und Geld ausgeben.
Ich frage mich, ob die Aufständischen zählen können. Ich bin mir jedoch sicher, dass die Amerikaner zählen können. Früher oder später, da bin ich überzeugt, werden sie es über haben, die Leichen und das Geld zu zählen, die die Front in Mesopotamien gekostet hat.
Früher oder später, vermute ich, werden wir auch in Bagdad die Läden dicht machen müssen ... zusammenpacken ... und uns verdrücken.
Aber das ist ja das Schöne an einem Imperium: Man muss die Kriege nicht gewinnen ... man muss sie nur kämpfen. In einem echten Krieg könnte sich ein Verlust als katastrophal herausstellen. Der Feind könnte die eigenen Städte verbrennen, die Frauen vergewaltigen, und die Warhols aus dem Museum stehlen. Aber es bestand nie die Gefahr, dass der Vietcong in Kalifornien einfallen würde. Auch erwartet niemand, dass bald die Bomber der Aufständischen am Himmel über Amerika erscheinen ... nicht in nächster Zeit.
Es wird dazu kommen ... aber noch lange nicht. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reichs dauerte es noch drei Jahrhunderte, ehe die Barbaren die Stadt einnahmen. Uns bleibt immer noch etwas Zeit.
Und vielleicht auch noch ein Altweibersommer.