Immobiliensektor
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 12. März 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
gestern sahen wir erneut wenig überzeugende Konjunkturdaten. Die Aktienmärkte schien das allerdings nur wenig zu stören. Fundamentaldaten und Kursentwicklung sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe. Am wichtigsten dürften die vorbörslich veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten gewesen sein. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe haben mit einem Rückgang von 6.000 auf 462.000 den Vorabschätzungen von 460.000 nahezu entsprochen. Der weniger volatile gleitende Vier-Wochenschnitt ist jedoch um 5.000 auf 475.500 gestiegen, was dem höchsten Stand seit vergangenem November entspricht. Belastend wirkte außerdem der Umstand, dass die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger um 37.000 auf 4,56 Millionen gestiegen ist. Nach den kürzlich bejubelten monatlichen Arbeitsmarktdaten dürfte mit diesen neuen Zahlen wieder etwas Ernüchterung eintreten.
Das Handelsbilanzdefizit der USA ist im Januar etwas gesunken (von 39,9 Milliarden Dollar auf 37,3 Milliarden Dollar), während der Konsens einen Defizitanstieg auf 41 Milliarden Dollar vorsah. Die Exporte fielen im Januar um 0,3 Prozent auf 142,7 Milliarden Dollar. Dies ist der erste Rückgang seit acht Monaten, auch wenn er nur schwach ausfällt. Anlass zu größerer Sorge geben die Importe mit dem größten Rückgang seit einem Jahr im Ausmaß von 1,7 Prozent auf 180 Milliarden Dollar.
Vom US-Immobilienmarkt gab es (wie immer muss man fast sagen) wenig erfreuliche Daten. Die Anträge auf Hypotheken-Zwangsvollstreckungen sind im Februar gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 6 Prozent auf 308.524 gestiegen. Dies entspricht zwar dem geringsten Zuwachs seit dem Beginn der von RealtyTrac im Januar 2006 vorgenommenen entsprechenden Erhebungen. Allerdings lag das Niveau den zwölften Monat in Folge bei über 300.000. Landesweit sah sich im Januar jeder 418. Haushalt mit der Zustellung einer Zwangsvollstreckungsanmeldung konfrontiert.
Positiv zu werten ist zwar die Verlangsamung des Anstieges der Zwangsvollstreckungen. Allerdings sehen wir noch keine Trendwende. Das ist ziemlich schwach, wenn Sie bedenken, mit welch massiven Maßnahmen Regierung und Notenbank seit Jahren versuchen, den Immobiliensektor zu stabilisieren (Zinsniveau nahe Null, Aussetzung von Zwangsvollstreckungen, Kursstützung am Hypothekenmarkt, Steuerprämien für Hauskäufer usw.). Viel hat es bisher nicht gebracht, außer unvorstellbare Kosten. Es funktioniert eben nicht immer, wenn sich staatliche Stellen in Marktmechanismen einmischen. In 2009 legten die Zwangsvollstreckungen auf einen Rekord von 2,8 Millionen zu. RealtyTrac hält für dieses Jahr einen weiteren Anstieg auf über 3 Millionen für wahrscheinlich. Ohne eine Trendwende am Immobilienmarkt dürfte eine nachhaltige Konjunkturerholung aber nahezu unmöglich sein.
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