Immobilienkrise
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 25. Februar 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
die gestrigen Wirtschaftsdaten fielen (wie so oft) recht durchwachsen aus, aber diesmal störte sich der Markt nicht daran. Vermutlich war eine Erholung nach dem deutlichen Vortagesverlust überfällig. Negativ stachen beispielsweise die Verkaufszahlen neuer US-Eigenheime heraus. Die fielen gegenüber dem Vormonat um 11,2 Prozent von 348.000 auf 309.000 Einheiten, während die Konsensschätzungen von einem Anstieg auf 355.000 Einheiten ausgegangen waren. Der Verkauf neuer Eigenheime macht in den USA zwar nur etwa 15 Prozent des privaten Immobilienmarktes aus. Aber damit sind die Verkaufszahlen auf das niedrigste Niveau seit Erhebung der Zahlen aus dem Jahre 1963 (!) gefallen. Die erzielten Verkaufspreise fielen ebenfalls deutlich. Und das, obwohl wir doch angeblich mitten in der „Mutter aller Aufschwünge" stehen. Irgendwas kann an dieser Theorie nicht stimmen, wenn der Immobilienmarkt Daten liefert, die schlechter als auf dem eigentlichen Höhepunkt der Krise vor einem Jahr ausfallen. Offenbar gerät die Erholung auf dem US-Häusermarkt sofort ins Straucheln, sobald die US-Regierung ihre Stützungsmaßnahmen für den Häusermarkt zurückfährt.
Ebenso schießen derzeit die Kreditausfälle bei gewerblichen Immobilien in die Höhe. Gestern wurde gemeldet, dass sich die Ausfallrate im vierten Quartal von 1,6 Prozent in der Vergleichsperiode 2008 auf 3,8 Prozent mehr als verdoppelt hat. Die Ausfallsrate aus gewerblichen Hypotheken lag im dritten Quartal bei 3,4 Prozent. Daraus ergab sich zum Schlussquartal 2009 eine Steigerung an säumigen Krediten im Volumen von 4,5 Milliarden Dollar. Hier braut sich erneuter Abschreibungsbedarf bei den ohnehin angeschlagenen kleinen Banken und genossenschaftlichen Geldhäusern in den USA zusammen. Und zwar völlig unbeeindruckt von der konjunkturellen Erholung.
Bild vergrößern - Bitte hier klicken
Aber ist ja auch egal. Aktien müssen ja steigen, wenn die Zinsen niedrig bleiben, egal ob die Gewinnbasis für die Unternehmen - der zahlungsfähige Verbraucher - wegbricht. Zumindest konnte man das glauben, wenn man die gestrige Reaktion des Aktienmarktes auf die Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke verfolgte. Die Kurse zogen im Zuge der Rede ziemlich stark an. Dieser sagte, dass der US-Leitzins voraussichtlich für einen längeren Zeitraum niedrig bleiben werde. Wenn die Erholung der Wirtschaft anhalte, dann müsse die Fed zu einem bestimmten Zeitpunkt in weiterer Zukunft ihre Geldpolitik anziehen, um die Entwicklung inflationären Drucks zu vermeiden. Die Fed erwartet für 2010 ein Wirtschaftswachstum von etwa 3,0 bis 3,5 Prozent, für 2011 liegt die Prognose der Fed bei 3,5 bis 4,5 Prozent. Na wenn das mal nicht ein bisschen sehr optimistisch ist. Dabei sagt Bernanke doch selbst, dass die wirtschaftliche Erholung immer noch nicht auf einem nachhaltigen Weg sei.
ähnliche Beiträge:
- Folgen der US - Immobilienkrise bei IKB Bank waren mit dem Elliott Wellen Prinzip zu erkennen
- Immobilienkrise und "Credit Crunch"
- Das Warten auf den zweiten Schritt der Immobilienkrise
- US-Immobilienkrise: Es ist noch nicht vorbei
- US Immobilienkrise - Elliott Wave Warnsignale bei Lennar Corp und T-Bonds
- Autarke Aktien ziehen trotz Krise an
- Die Chronik der Immobilienkrise
Artikel weiterempfehlen