Immobilienkrise, Kreditkrise, Bankenkrise, Rezession
Silvio Graß in Investors Daily
vom 29. Oktober 2008, 18:00 Uhr
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Nachdem das Thema Bankenkrise angeblich dank zahlloser Rettungspakete abgehakt ist, rücken die realwirtschaftlichen Folgen der Krise in den Mittelpunkt. Die tiefe Verunsicherung der Verbraucher führt selbst bei denen zu einem Konsumrückgang, die noch nicht von der drückenden Schuldenlast betroffen sind. Denjenigen, die ihren Lebensstil bislang auf Kredit finanzierten, ist der Konsum schon aus rein praktischen Gründen unmöglich geworden: es gibt keinen neuen Kredit. Im Gegenteil - die Banken dürften auf eine schnelle Abzahlung der ausgereichten Kredite dringen. So fallen denn auch deutlich öfter die Worte Kreditkarten- und Autokreditblase.
In den USA war die Finanzierung des Konsums mittels Kreditkartenschulden ausgesprochen beliebt. Die gemachten Schulden wurden von den Banken weiterverkauft. Bisher kam es zu keinen größeren Zahlungsausfällen. Das dürfte sich aber spätestens dann ändern, wenn zahllose Amerikaner im Zuge der Rezession ihren Job verlieren. Dass mit der Neuausgabe von Kreditkarten oder der Ausweitung der Kreditrahmen vorsichtig umgegangen wird, versteht sich daher von selbst.
Ähnlich sieht es bei den vor allem auf Kredit gekauften oder geleasten Autos aus. Die möglicherweise für viele nicht mehr bezahlbaren Raten dürften vor allem für die extrem verschuldeten US-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler zu einem erdrückenden Problem werden.
Aber ist es wirklich ratsam, sich jetzt auf die kommende Rezession zu fokussieren und die Bankenprobleme zu vergessen? Ist das US-Rettungspaket im Umfang von 700 Mrd US-Dollar ausreichend, um die Probleme der Banken zu beseitigen? Zumindest die ersten 250 Mrd US-Dollar, die zur Stärkung der Eigenkapitalbasis aufgewandt wurden, lösen kein Problem. Der Betrag reicht noch nicht einmal aus, um die Lücke zwischen bisher erfolgten Abschreibungen und den seit Beginn der Krise durchgeführten Eigenkapitalerhöhungen zu schließen. Mit anderen Worten: den Banken steht selbst mit den 250 Mrd US-Dollar weniger Eigenkapital zur Verfügung als vor Beginn der Krise. Derzeit sprechen aber bedrückend viele Fakten dafür, dass noch beträchtliche Summen abgeschrieben werden müssen. Diese erneuten Abschreibungen würden wieder an der viel zu dünnen Eigenkapitaldecke der Banken nagen.
Kompensiert werden könnten die Abschreibungen durch Gewinne aus dem operativen Geschäft. Aber auch dort sieht es mau aus. Das Geschäftsvolumen der Banken dürfte derzeit extrem schnell kollabieren. Neue Kredite werden kaum noch vergeben und das Investmentbanking ist tot. Es scheint, als sei das einzig prosperierende Geschäftsfeld der Edelmetallhandel - zumindest für die Banken, die aus dem physischen Handel noch nicht ausgestiegen sind und die noch liefern können.
Hinzu kommen die Zwangsliquidierung von Aktienposition durch Fonds, die mit starken Mittelabflüsse zu kämpfen haben.
Aus fundamentaler Sicht ist ein Ende des Abwärtstrends noch nicht in Sicht.
Charttechnisch zeigt sich das übergeordnete, mittel- bis langfristige Bild wie folgt: Für die charttechnische Analyse der US-Märkte soll hier stellvertretend der S&P500 Index dienen, der die 500 größten Unternehmen des US-Marktes enthält.
Betrachtet man sich den S&P500 im langfristigen Monatschart, dann sieht man deutlich den starken Aufwärtstrend, der seit dem Jahre 1975 anhält. Auffällig ist dabei jedoch das Doppeltop mit seinen Hochs aus den Jahren 2001 und 2007. Dieses Muster gilt in der allgemeinen Charttechnik als bärisches Trendwendesignal.
Ein Unterschreiten des Tiefs bei 760 Punkten würde dieses Muster vervollständigen und voraussichtlich ein weiteres Abrutschen des S&P500 bis in den 600er Bereich mit sich bringen.
Daher stellt sich nun die Frage: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit des nachhaltigen Abrutschens unter die 760er Marke?
Der Monat Oktober als einer der schwächsten Börsenmonate wird auch in diesem Jahr seinem Ruf gerecht. Schaut man sich die Historie des S&P500 genau an, so fällt auf, dass der Oktober 2008 die größte Volatilität und die stärksten Verluste seit dem Jahr 1965 aufweist. Diese Monatskerze spiegelt damit die Angst und Erwartung der Börsenteilnehmer sehr deutlich wider.
Sollte der S&P500 den aktuellen Monat in der Nähe des Tiefs beenden, so ist von einem Test der 760er Marke auszugehen. Da die Bedeutung dieser markanten Unterstützung jedoch sehr hoch ist, gehe ich nicht von einem nachhaltigen Bruch dieser wichtigen Marke aus. Vielmehr ist von diesem Niveau aus zumindest mit einer kurzen Gegenbewegung in Richtung 1000 Punkte zu rechnen.
Doch Vorsicht: Ein Bruch der 760er Marke auf Wochenschlusskursbasis ist negativ zu betrachten und würde als nächstes Ziel die 600er Marke nach sich ziehen.
Fazit: Entwarnung kann sowohl aus fundamentaler als auch charttechnischer Sicht auf dem aktuellen Niveau definitiv noch nicht gegeben werden. Weitere Verluste bis 760 Punkte sind sehr wahrscheinlich.
Erfolgreiches Trading wünscht Ihnen
Silvio Graß
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