Immer sind die Short-Seller schuld...
Miriam Kraus in Investors Daily zum Thema Börse
vom 29. August 2011, 18:00 Uhr
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In der vorletzten Woche war es wieder einmal so weit: die politischen Entscheider in Frankreich, Italien, Spanien und Belgien griffen einmal mehr zum letzten verzweifelten Mittel, um die Märkte in eine genehme Richtung zu lenken. Leider haben die politischen Entscheider aus der Geschichte nicht gelernt, dass jenes Mittel nicht dazu angetan ist, nachhaltig fallende Kurse zu verhindern.
Immer sind die Short-Seller schuld...
...wenn mal wieder die Aktienkurse fallen! So alt diese Aussage ist, so sehr zeigt sie aber immer vor allem eine panische Verzweiflung bei den Politikern auf, welche gerade ein Leerverkaufsverbot durchführen. Denn das Short-Selling (Leerverkäufe) besteht seitdem es Börsen gibt und wird seit Jahrhunderten immer dann verboten, wenn der Politik die Richtung des Marktes nicht schmeckt.
Doch der Erfolg lässt fast immer zu wünschen übrig
Aufgescheucht durch fallende Kurse gaben am 11.August Frankreich, Italien, Spanien und Belgien ein Leerverkaufsverbot bekannt - hauptsächlich für Finanztitel im Aktienmarkt, Spanien erließ zusätzliche Restriktionen für den OTC-Markt. Die Verbote gelten zunächst einmal bis zum 26.August. Die Folgen dieses Verbotes lassen sich zum Beispiel an der Aktie der SocGen sehr gut ablesen: die Aktie konnte von ihrem Tief am 11.August zwar zunächst deutlich steigen, gab aber ab Mittwoch vergangener Woche schon wieder deutlich nach.
Dies ist keineswegs ungewöhnlich, denn die Geschichte lehrt uns, dass Leerverkaufsverbote sich im Nachhinein nicht nur als denkbar ineffektiv erweisen, sondern die Probleme sogar noch verschärfen können. Jüngstes Beispiel: die letzte Leerverkaufsverbotswelle in 2008. Damals wurde in den USA nach dem Kollaps der Lehman Brothers ein temporäres Leerverkaufsverbot für Finanztitel eingeführt. Die Folge: kurzfristig legten die Märkte zwar zu, aber innerhalb von nur 3 Wochen hatten sich die zwischenzeitlichen Gewinne wieder verflüchtigt. Im Durchschnitt fielen die Kurse der vom Leerverkaufsverbot betroffenen Aktien hernach um 25%, während der S&P insgesamt um 21% nachgab.
Hier geht es weiter zum vollständigen Artikel im Rohstoff Daily: Verzweifelte Regulierungswut
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (30.08. 2011 11:41 Uhr):
Sehr geehrte Frau Kraus, zu Ihrer Ansicht Thema: "Immer sind die Short-Seller schuld....." nachstehend meine Anmerkung: Das eigentliche Problem ist doch - und das wissen Sie genau so gut wie ich bzw. sicher besser - , dass mittlerweile bei der Entwicklung von Finanzstrategien viel zu komplex vorgegangen wird. Dabei wird für mein Verständnis das Wesentliche aus den Augen verloren. Will heissen, dass die Technologien mittlerweile so komplex sind und die Märkte so eng zusammen-hängen, dass die Finanzmärkte immer unbeherrschbarer werden und in immer kürzeren Abständen neue Krisen generieren. Erinnern wir uns doch: In 2007 brachen die komplexen Finanzmarktmodelle der Investmentbanken reihenweise zusammen, weil ungeahnte Vorfälle auftraten. Keines der Finanzgenies hatte diese furchtbaren Wochen vorhergesehen, weil ihre Methoden in der Vergangenheit funktioniert hatten. Was aber einst todsichere Renditen brachte, muss in Zukunft noch lange nicht funktionieren, wenn eine grundlegende neue Situation eintritt. Billionen von Dollar sind damals auf die angeblich sicheren Strategien der Finanzgenies verwettet worden. In den ersten Wochen des August 2007 (ich weiß das noch so genau, weil ich in diesen Tagen damals in Rente ging) hat sich dann gezeigt, dass es nicht immer funktionieren muss. Wissen Sie, die Wirtschaftswissenschaftler sagen in so einem Fall, dass sich das >>Modell schlecht benimmt<< (Model Misbehaviour). Ganz toll - hauptsache ich habe mein Geld verloren! Oder nehmen Sie beispielsweise die "Long-Short-Hedge-Strategie, bei der teure Aktien einer Branche >>geshortet<< werden. Sie wissen ja, Frau Kraus: Der Fond leiht sich die Aktien und verkauft diese in der Hoffnung sie später billiger zurückkaufen zu können. Dann könnte der Fonds hohe Erlöse aus dem Kauf einstecken und müsste meines Wissens eine geringere Summe aufwenden, um sich wieder mit denselben Aktien einzudecken. Auf der an der anderen Seite nehmen die Hedgefonds dann ein entsprechende Menge Long-Positionen auf. Sie kaufen Aktien von ähnlichen Unternehmen, die im Vergleich zu den Short-Positionen billig sind. Das nennt sich dann wohl >>marktneutral<<, da sich die Long- und Short-Positionen in der Theorie zumindest gegenseitig aufheben. Zum Schluss bitte noch der Hinweis: Der Global Alpha-Fonds von Goldman Sachs, einer der größten Hedgefonds überhaupt, verlor im August 2007 über 30 % seines Wertes. So viel zur Krisensicherheit moderner Finanztechnologien. Ich grüße Sie, A.K.
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