Immer mehr und mehr und noch etwas mehr
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 18. Juli 2006 18:00 Uhr
ENL5462
Der Mensch an sich ist unzufrieden. Er will immer mehr als er hat, denn wollte er was er hätte, hätte er schließlich das was er wollte – aber wäre das nicht Stagnation?
Der Verstand sucht die Erfüllung in einer imaginären, vermeintlich besseren Zukunft.
Einer der Standardsätze des „normalen“ Menschen ist: Wenn ich erst dies oder jenes habe (erreicht habe), dann werde ich glücklich sein. Dabei sind die Vorstellungen höchst unterschiedlich. Der eine wünscht sich zu seiner persönlichen Zufriedenheit einen Porsche, Ferrari, Bentley, der andere ein Eigenheim, eine Villa am Strand, ein Schloss. Ein anderer will den Luxus, nicht mehr arbeiten zu müssen, den langen Urlaub in der Südsee, etc.
Doch allen ist eins gleich, die imaginierte, erhoffte Zukunft scheint wesentlich besser als das bereits erreichte.
Zufriedenheit kommt nicht von außen
Es gibt jedoch ein klitzekleines Problem dabei: Das ist ein absoluter Grundsatz des Menschen, der nie aufhört. Hat der Mensch sich seinen Lebenstraum erfüllt, steht der Porsche vor der Tür der Villa am Strand, dann wird es bitter. Nach eine kurzen Phase der Euphorie, nachdem wirklich jeder diesen Porsche und die Villa begutachten musste, stellt sich irgendwann der Alltag ein.
Die Villa ist der Alltag, der Porsche ist der Alltag, alles ist Alltag. Damit aber der erfolgreiche Mensch nicht die Unsinnigkeit seines Handelns enttarnt, ist der Verstand schon fleißig dabei, neue Wünsche zu kreieren. Die größere Villa, die teurere Segeljacht, den Privat-Jet. Und wenn es schon gar nichts mehr gibt, wird man sich eben eine Audi in echtem Silber anfertigen lassen, wie es vor kurzem ein Scheich getan hat.
Doch beim Traden ist es nicht anders
Ähnlich verhält es sich oft beim Traden. Hat man sein Gewinnziel erreicht, will man mehr und noch mehr und noch mehr, doch nirgendwo gilt offensichtlicher: Nach viel kommt: Nichts.
Und im Prinzip ist es auch im Leben so: Was ist am Ende aller Wünsche? Etwa die Zufriedenheit? Nein, die große Leere. Wer alles besitzt, besitzt keine Wünsche mehr und damit nichts.
Ein Trader, der nicht gelernt hat, sich mit dem zufrieden zu geben, was er ursprünglich als Tradingziel erwartet hat, ist kein guter Trader. Ein Trader, der dieses Prinzip nicht bereits auch auf sein Leben ausgeweitet hat, hat den wahren Hintergrund nicht verstanden und kann also auch kein guter Trader sein.
Wenn Ihnen also ein Trader sagt, er wäre erst dann glücklich, wenn er die Villa am Meer, die Yacht davor und den Porsche dazwischen hätte, enttarnt er sich dann nicht dem geneigten Zuhörer als schlechter Trader? Hmmm...
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