Tom Firley ist einer der anerkanntesten Börsenexperten und Charttechniker Deutschlands. Tausende Privatanleger profitieren täglich von seinem Investors Daily.
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Aktien
vom
immer wieder höre ich von zu diesem Zeitpunkt noch flüchtigen Bekannten den folgenden Satz: „Hey Tom, Du machst doch irgendwas mit Aktien. Ich möchte jetzt auch mal was kaufen. Welche Aktie soll ich kaufen?". Früher habe ich auf solch eine Frage meist geantwortet: „Nicht eine, sondern mehrere."
Das war Lektion 1. Setze nie alles auf ein Pferd, sondern streue Dein Glück auf verschiedene Werte. Jetzt könnte ich hiermit diesen Beitrag beenden. Erfahrene Leser dürften dieser „Lektion" beipflichten. Börsenanfänger habe ich mit diesem Satz vielleicht vor einem kleineren Unglück bewahrt - gerade in diesen wankelmütigen Börsenzeiten. Doch wie Sie sich denken können, gab und gibt sich mein jeweiliges Gegenüber mit dieser allgemeinen Antwort nicht wirklich zufrieden. Zwangsläufig kommt die nächste Frage: „Und auf welche Aktien soll ich dann mein Glück streuen?".
Je nach Börsenlage fällt mir dann (natürlich) die eine oder andere Aktie ein. Ihnen als älterer Leser sicherlich auch. Nehmen wir einmal an, in einem Anfall von Leichtsinn hätte ich folgende lapidare Antwort parat: „Schau Dir mal Henkel, Beiersdorf, Nestle, McDonalds und Wal Mart an". Henkel und Beiersdorf sind recht solide Dax-Werte, Nestle erwähne ich fast immer, Mc Donalds meistens ebenfalls und Wal Mart läuft zwar seit Ewigkeiten seitwärts, wirkt aber ebenso defensiv-solide. Schauen wir uns das einmal im 10-Jahresbild an:
10-Jahres-Chart Aktien-Komposition
2002 bewegten sich die Welt-Börsen noch in einer Abwärtsbewegung, bevor im Jahre 2003 eine beachtliche Hausse begann. Hier die Ergebnisse der einzelnen Aktien aus 10-Jahres-Sicht.
Aktien-Entwicklung seit Juni 2012
| Aktie | Kurs Juni 2002 in Euro | Kurs Juni 2012 in Euro | Ergebnis |
| Mc Donalds | 30,0 | 71,8 | 139,3% |
| Henkel | 21,2 | 43,6 | 105,1% |
| Nestle | 23,8 | 46,6 | 96,2% |
| Beiersdorf | 38,7 | 52,7 | 36,1% |
| Wal Mart | 57,7 | 54,0 | -6,4% |
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| Gesamt | plus 56,75 Prozent |
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| Jahresrendite | plus 4,60 Prozent |
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Wie Sie sehen, ist das Ergebnis doch gar nicht so schlecht. Mein damaliger Bekannter kann sich nach 10 Jahren immerhin über einen Gewinn von fast 57 Prozent freuen; ohne Dividenden. Mit Dividenden wäre das Ergebnis noch besser. Allerdings wird dieser Erfolg geschmälert, wenn Sie die durchschnittliche Jahresrendite betrachten.
Die durchschnittliche Jahresrendite ist vergleichbar mit den Zinsen auf dem Sparbuch. In diesem Falle liegt diese Rendite bei 4,60 Prozent. Angesichts von Tages-Geldzinsen von 3 Prozent, die Sie im Jahre 2002 erhalten hätten, könnten Sie sich die Frage stellen, ob sich die Geldanlage in „riskante" Aktien tatsächlich lohnt (das ist ein etwas anderes Thema, und ja, natürlich lohnt sich die strategische Anlage in Aktien).
Gehen wir einen Schritt weiter. Betrachten wir die Performance (=Kursentwicklung) der letzten 5 Jahre:
| Aktie | Kurs Juni 2007 in Euro | Kurs Juni 2012 in Euro | Ergebnis |
| Mc Donalds | 38,0 | 71,8 | 88,9% |
| Nestle | 27,5 | 46,6 | 69,3% |
| Wal Mart | 36,0 | 54,0 | 50,2% |
| Henkel | 35,7 | 43,6 | 22,0% |
| Beiersdorf | 53,0 | 52,7 | -0,6% |
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| Gesamt | plus 46,46 Prozent |
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| Jahresrendite | plus 7,93 Prozent |
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Sie sehen: In den letzten 5 Jahren brachten diese fünf Aktien durchschnittlich 46 Prozent. Durch die kürzere „Laufzeit" ist hier die durchschnittliche Jahresrendite wesentlich besser und liegt bei 7,93 Prozent. Für einen „schnellen Tipp" kann mein Aktien-Bekannter also durchaus zufrieden sein...
Ganz ordentliches Ergebnis
Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, macht sich vielleicht folgender Eindruck breit: „Naja, nicht der Mega-Hammer, was der Firley da für eine Aktien-Komposition zusammengestellt hat, aber schon ganz ordentlich...".
Im Vergleich mehr als ordentlich
Ich darf Ihnen etwas verraten: Die Zusammenstellung ist unterm Strich sogar mehr als ordentlich. Denn im selben Zeitraum, also von Juni 2007 bis heute, ist der Dax von etwa 7.960 Punkten bis auf 6.400 Punkte gefallen. Das ist ein Verlust von 19,60 Prozent. Dagegen kann sich der Gewinn von 46,46 Prozent wirklich sehen lassen.
Vom Börsenhelden zum Hass-Objekt
So weit so gut. Nun stellen Sie sich bitte einmal vor, ich hätte meinem flüchtigen Bekannten diese lapidare Aktien-Auswahl im Oktober 2007 genannt, kurz bevor der Finankrisen-Crash seinen Lauf nahm. Bis zum Tief im März 2009 sieht die Entwicklung wie folgt aus:
| Aktie | Kurs Okt. 2007 in Euro | Kurs März 2009 in Euro | Ergebnis |
| Wal Mart | 32,3 | 37,8 | 17,1% |
| Mc Donalds | 40,3 | 41,7 | 3,4% |
| Nestle | 30,7 | 24,7 | -19,7% |
| Beiersdorf | 54,5 | 32,4 | -40,5% |
| Henkel | 32,0 | 17,5 | -45,5% |
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| Gesamt | minus 18,87 Prozent |
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Fast minus 19 Prozent in 1,5 Jahren. Im Vergleich zum Dax (der in dieser Phase fast 50 Prozent verlor) ist dies natürlich immer noch ein herausragendes Ergebnis. Doch mein unerfahrener Aktienfreund sähe das natürlich anders. Bei einem gleich verteilten Gesamt-Einsatz von 10.000 Euro hätte er im März 2009 einen Verlust von cirka 1900 Euro zu verbuchen. Freilich, kurze Zeit später war der Verlust wieder aufgeholt. Doch zwischenzeitlich hätte er sich gewünscht, er hätte nicht auf meine dahin geworfene Meinung gehört.
Sie erkennen: Börsenerfolg ist subjektiv und individuell. Dieser Erfolg hängt sehr vom Kauf- und noch mehr vom Verkauf-Zeitpunkt ab. Der Erfolg hängt natürlich auch davon ab, auf welchen Tipp Sie hören und vor allem, was Sie überhaupt mit dem Tipp anfangen können. Und grundsätzlich ob Sie eine eigene Börsen-Strategie haben...
Am Anfang dieses Beitrags habe ich betont, wie ich früher mit der Frage „Hast Du einen Aktientipp" umgegangen bin. Morgen verrate ich Ihnen, wie ich heute auf solch eine Frage antworte. Soviel sei verraten, zunächst einmal klopfe ich ab, ob der Fragesteller wirklich dazu in der Lage ist, einen möglichen Tipp zu beurteilen.
Bis morgen, viel Erfolg an der Börse (an der wir, bis auf einen schlechten Einkaufsmanager-Index, auch heute nicht viel verpasst haben)
Ihr
Tom Firley
Das Ende der Mittelschicht
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