Im Zeitalter des Mammon
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. März 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Wir leben im Zeitalter des Mammon.
Wenn die Meinungsforscher den großen Parteien sagten, dass sie die Wahl ins Weiße Haus gewinnen können, wenn sie sich von der Verfassung, der Bibel und der Evolutionstheorie lossagen ... sie würden es sofort tun.
Konsubstantiation, Transsubstantiation … wer interessiert sich noch für solche ‘-ationen’, wenn diese nichts mit Geld zu tun haben?
Gibt es irgendetwas, was mehr zu sagen hat als Geld? Gibt es etwas delikateres, als anzugeben? Gibt es einen Kampf, den es wichtiger ist zu gewinnen, als die „überschäumende Souveränität?“
Sie wissen nicht, was das ist … dann lesen Sie weiter ...
Die Chinesen sind immer noch Kommunisten… aber sie sind für jeden Investoren auf der Welt Helden. Sie haben die dynamischste Wirtschaft weltweit und den spannendsten Aktienmarkt. Wen interessieren die Fossilien in der Regierung des Landes?
Nein, heute, liebe Leser, geht es um Kohle ... Brot ... Asche ... tote Präsidenten … Glasperlen ...
Ja, aus dem Zentrum der Zaster-Metropole, auch bekannt unter dem Namen London, kommen Nachrichten, dass ein einziger Angestellter der Barclays Capital im vergangenen Jahr Geschichte machte mit einem Gehaltsscheck, der dreifach so hoch lag, wie das gesamte Einkommen der Geschäftsleitung. Roger Jenkins nahm im vergangenen Jahr zwischen 70 und 140 Millionen Dollar mit nach Hause. Gute Leistung, wenn man das kriegen kann.
Aber was für Leistungen muss man erbringen, um so viel Geld zu bekommen? Muss man so etwas wie Klettverschlüsse oder Koffer mit Rädern erfinden? Muss man einen Hit schreiben wie „White Christmas“? Muss man einen Film wie „Vom Winde verweht“ drehen oder ein Unternehmen wie Microsoft gründen? Was muss man zum Wohlstand, zur Gesundheit oder zur Freude der Welt beigetragen haben, um so viel Geld verdient zu haben?
Mr. Roger Jenkins – der den Spitznamen ‘Dodger’ [Trickser] trägt – leitet einen Teil der Bank … den Teil, der sich mit ‘Structured Finance’ befasst. Was für ein Trick ist das? Ich wende mich auf der Suche nach einer Erklärung an The Business.
“Jenkins Abteilung entwickelt komplexe Strukturen, die dazu dienen, die Rentabilität einer Transaktion, die von anderen Teilen der Bank ausgeführt wird, zu erhöhen. Während die Transaktionen unterschiedlichste Formen annehmen können, haben ihre Strukturen doch ein gemeinsames Ziel – die Steuerbeträge unserer Kunden zu reduzieren.“
Mit anderen Worten, der Dodger trickst mit Steuern. Den Lesern wird aufgefallen sein, dass eine Reduktion der Steuern für die Superreichen nicht wirklich das ist, was zu wirtschaftlichen Booms führt ... zumindest nicht normalerweise. Die Kosten für Regierungsprojekte – Kriege, Bürokratie, Unsinn – sinken nicht, weil die Reichen keine Steuern zahlen. Also muss das Geld aus anderen Quellen kommen. Alles in allem ist die Wirtschaft nicht reicher, ganz egal wie dankbar die Kunden des Dodgers auch sein mögen.
‘Niemals haben so wenige so wenig getan und dabei so viel verdient’ schrieb ich einmal. Ich wiederhole es noch einmal, liebe Leser, so dass Sie es mitschreiben können.
Geldverschieberei macht niemanden reicher. Es bewegt das Geld bloß von den dummen Leuten, die es verdienen, zu den klugen Leuten, die es absahnen.
Aber die reichen Leute haben dann wenigstens diesmal Spaß mit dem Geld.
Normalerweise erlebt man es so, dass die reichen Leute versuchen, sehr diskret zu sein, Sie wollen keinen Neid und keine Unzufriedenheit aufkommen lassen, so wie Marie Antoinette, die berühmt ist, weil sie in Hörweite der angestellten Arbeiter Witze machte:
“Warum protestieren diese Frauen?” wollte sie wissen.
“Weil sie hungrig sind, sie haben kein Brot.”
“Dann sollen sie eben Kuchen essen.”
Was für ein kluges Köpfchen. Zu dumm, dass sie diesen Kopf verlieren musste.
Doch die klugen Köpfchen, die im Jahr 2007 leben, sind auch nicht halb so klug, wie sie denken.
Eine Untersuchung von 294 Hedgefonds-Managern mit einem durchschnittlichen Reinvermögen von 197 Millionen Dollar sagen, dass sie im vergangenen Jahr durchschnittlich folgende Beträge ausgegeben hätten.
3.9 Millionen Dollar für Kunst
429,000 Dollar für das Chartern von Yachten.
376,000 Dollar für Schmuck.
204,000 für Kleidung und Accessoires.
Wenn Ihr es habt, verschwendet es … das ist das elfte Gebot im Zeitalter des Mammon.
Hier in London, ziehen die Hedgefondsmanager ihre “Champagnerschlachten” ab, heißt es in der Sunday Times. Sie trinken nicht einfach nur Champagner, sie schütteln die Flaschen und sprühen einander damit ein. Laut eines Club Direktors kostet eine einzige solche Nachtschlacht, dieser ‚überschäumenden Überlegenheit’ diese Schlauköpfe 150.000 Dollar.
“Lasst die Revolution nur kommen …” sagt ein angewiderter Freund.