Im Visier von Hedge-Fonds
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen zum Thema Fonds
vom 01. September 2005 16:00 Uhr
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Hedge-Fonds geht es vielleicht schon bald an den Kragen. Die Fonds, die oft mit hochspekulativen Finanzinstrumenten wie Optionen und Futures arbeiten oder sehr risikoreiche Strategien verfolgen, unterliegen zur Zeit – anders als beispielsweise in Deutschland zugelassene Aktien- oder Rentenfonds – kaum staatlichen Auflagen.
Das ist nicht nur in Deutschland so, sondern auch etwa in den USA. Viele der Fonds haben ihren Sitz auf den Bahamas oder Cayman Islands, beides ein Synonym für laxe Regeln im Finanzbereich.
Jetzt droht ihnen aber eine intensivere Kontrolle. Grund für die aktuellen Forderung nach mehr Überwachung der Branche sind Betrugsvorwürfe gegen den US-Hedge-Fonds Bayou Management. Der Fonds soll Anleger um 440 Millionen $ erleichtert haben.
Das ist nicht der erste Fall. Bereits vor wenigen Monaten brach der Hedge-Fonds KL Financial Group zusammen. Dabei legte das Management des Fonds seinen Investoren nicht nur falsche Quartalsmeldungen über den Fondsverlauf vor, sondern versenkte auch noch über 80 Millionen $ Anlagevermögen durch schlechte Geschäfte.
Sie als Anleger müssen sich dieser Gefahr nicht aussetzen, können aber trotzdem von Hedge-Fonds profitieren.
Denn für Sie lohnt es sich oft, Aktien zu kaufen, die im Visier der Fonds sind.
Beispiel Deutsche Börse. Anfang des Jahres mischten bei dem Indexbetreiber Hedge-Fonds als Investoren kräftig mit. Sie verhinderten nicht nur die geplante Übernahme der Londoner Börse, London Stock Exchange LSE, sondern setzten auch eine hohe Sonderdividende und Aktienrückkäufe durch. Schließlich saß die Deutsche Börse auf Cashbeständen von rund 800 Millionen €.
Das tat der Aktie gut. Kaum kochte bei der Deutschen Börse der Ärger mit den Hedge-Fonds hoch, stieg der Kurs kräftig an. Die Anleger verbuchten innerhalb von 3 Monaten ein Plus von 30 %.
Derzeit haben Hedge-Fonds generell deutsche Firmen im Visier. Grund: Eine vergleichsweise niedrige Bewertung. Mittel für den Einstieg sind auch reichlich vorhanden. Die weltweit rund 8000 Hedge-Fonds verwalten derzeit schätzungsweise 1 Billion € und freuen sich steigender Beliebtheit bei den Anlegern. Die Mittelzuflüsse liegen seit Jahren weltweit im zweistelligen Milliarden $ Bereich.
Bei ihren Opfern gehen die Fonds oft nach dem selben Muster vor: Sie setzen auf unterbewertete Unternehmen mit vielen Kleinaktionären, also hohem Streubesitz. So können sie sich leichter eine Mehrheit auf der Hauptversammlung verschaffen und dem Vorstand die gewünschte Richtung aufzwingen.
Reichlich Cash im Unternehmen, oder Mischkonzernen mit vielen Geschäftsfeldern und ohne klare Ausrichtung, sind ebenfalls beliebt bei den Fonds. Im Falle der Zerschlagung des Unternehmens bringen die Einzelteile dann normalerweise deutlich mehr, als das Unternehmen an der Börse wert ist.
Tipp:
Hedge-Fonds sind an folgenden Unternehmen teilweise schon mit mehr als 10 % beteiligt: Bilfinger Berger, Commerzbank, DaimlerChrysler, IWKA, Linde, MAN, Mobilcom, Rheinmetall, Siemens, Volkswagen. Platzt der Knoten und die Fonds fangen als Großaktionäre zu rebellieren an, dann können Sie mit den Aktien dieser Firmen wahrscheinlich gut verdienen.
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