Im Osten viel Neues
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 12. März 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Letztens hatte ich Sie auf die schwache ungarische Währung und mögliche Trading-Chancen hingewiesen.
Heute möchte ich ein wenig die Hintergründe erläutern, was die ungarische Volkswirtschaft betrifft (denn wenn Sie auf oder gegen die Währung eines bestimmten Landes setzen, dann geht es immer auch um die Volkswirtschaft dieses Landes - die Währung ist gewissermaßen der „Repräsentant" derselben.)
Nun, das Problem von Ungarn ist eigentlich dasselbe Problem, welches auch andere osteuropäische Länder haben:
Sie haben sich in Euro und Schweizer Franken verschuldet.
Und zwar deshalb, weil in diesen Währungen niedrigere Zinsen bezahlt werden mussten als in der heimischen Währung.
Das ging jahrelang gut, und so flossen insgesamt über eine Billion Euro nach Osteuropa, als Kredite.
Die Osteuropäer nutzten das Geld, um damit z.B. Hauskäufe zu finanzieren. Und das nicht zu knapp: In Polen sollen über die Hälfte der Hypotheken in Schweizer Franken abgewickelt worden sein!
Das klappte ja auch jahrelang ganz gut: In Schweizer Franken mussten nur wenige Prozent Zinsen gezahlt werden, und solange sich die eigene Währung (ungarischer Forint oder polnischer Zloty oder lettischer Lat) relativ stabil hielt oder sogar stieg, war dies eine feine Sache.
Doch jetzt ist das Problem da: Die eigenen Währungen sind in Osteuropa drastisch eingebrochen.
Bleiben wir beim ungarischen Forint: Vor einigen Wochen mussten für einen Euro knapp 260 Forint auf den Tisch gelegt werden. Mittlerweile sind es rund 310. Eine Abwertung um rund 20%, in wenigen Wochen.
Und die Kredite müssen nun weiter in Euro oder Schweizer Franken zurückgezahlt werden. Der Zinsvorteil ist durch die massiven Abwertungen schon lange „in Luft aufgelöst".
Auch wenn die Zinszahlungen in Euro oder Schweizer Franken konstant bleiben - im Fall von Polen haben sie sich dennoch fast verdoppelt, weil sich der Zloty zwischenzeitlich gegenüber dem Franken halbiert hat.
Und dies spielt sich derzeit in zahlreichen Staaten Osteuropas ab.
*** Meine Einschätzung: Das wird noch gewaltige Probleme für die Kreditnehmer in Osteuropa geben. Und die Probleme dürften umso größer werden, je schwächer die osteuropäischen Währungen notieren werden. Und dann dürften auch unsere Brüder und Schwestern im schönen Österreich getroffen werden.
Grundsätzlich gilt: Ich rate Ihnen deshalb, zumindest in den nächsten Wochen sehr zurückhaltend zu sein, was Käufe von osteuropäischen Aktien angeht. Osteuropa bleibt mittel- bis langfristig natürlich ein schöner Wachstumsmarkt (und deshalb ist es ja auch richtig, dass die österreichische Wirtschaft stark auf diese Märkte setzt) - doch auf Sicht der nächsten Wochen und Monate sollten Sie vorsichtig sein. Es dürfte dort erst einmal noch mehr Schmerzen geben, bevor es wieder besser wird.
(Und in Bezug auf osteuropäische Währungen sind Scheine, die von einer jeweiligen Abwertung der Währung gegenüber Euro oder Franken profitieren, durchaus eine Überlegung wert!)
Mit den besten Wünschen für Ihre Trades,
Michael Vaupel
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