Im Kielwasser von John Law: Kurze Geschichte der Spekulationsmanie (II)
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 25. August 2006 07:30 Uhr
ENL5462
Die Phase des Platzens einer Spekulationsblase tritt ein, wenn langsam die Realität wieder die Oberhand gewinnt, Profite nicht realisiert werden und sich Zuversicht langsam in Angst verwandelt - und später in Panik. Ein großer Crash wird meistens begleitet durch eine jähe Reduzierung von liquiden Mitteln und einer eingeschränkten Kreditvergabe, da die Kreditgeber sich einer immer risikoreicher werdenden Klientel gegenübersehen, der es ungern sein Geld anvertraut. Die Deflation, die auf das Platzen der Mississippiblase folgte, verursachte in Frankreich einen drastischen Rückgang der Geldmenge, obwohl Philip II die größten Anstrengungen unternahm, diesen Rückgang zu stoppen. Die schlauesten Investoren brachten ihr Geld in Form von Gold- und Silbermünzen einfach außer Landes.
Durch den Verlust des Vertrauens in das Papiergeld fingen überall verschreckte Händler an, Münzen zu horten, mit denen sie ihre Matratzen füllten oder sie in Erdlöchern vergruben. Die Vergabe von Bankkrediten sank weiter. Ein Edikt legte fest, dass alle Banknoten im Werte zwischen 1.000 und 10.000 Livres nur für den Ankauf von Staatsanleihen oder Aktien der „Compagnie des Indes“ benutzt werden durften oder auf Bankkonten eingezahlt werden konnten. Dies führte zu einer weiteren Reduzierung der Geldmenge. Einer der Hauptgrundsätze von Laws Theorie wurde widerlegt. Wenn erst einmal das Vertrauen weg ist, ist es auch der Zentralbank nicht mehr möglich, den Geldfluss zu regulieren. Dieser Zusammenhang hat bis in unsere Zeit seine Gültigkeit nicht verloren.
John Law starb in Ungnade, seine Idee der Zentralbank war jedoch ein so großer Erfolg wie die Erfindung der Einkommenssteuer. Die erste Zentralbank mit bleibender Macht, die Bank von Frankreich, wurde knapp ein Jahrhundert später ins Leben gerufen. Sie folgte einem weiterem Finanzdesaster: Der Französischen Revolution. Das restliche Europa zog bald nach. Die mächtigen, zentralisierten Regierungen des 19. und 20. Jahrhunderts wollten die Kontrolle über das Geld gewinnen. Das System der Zentralbanken gab sie ihnen. Jedoch hatten sie ihre Lektion gelernt – jedenfalls für eine gewisse Zeit. Nach der Aussage von Ferdinand Lips von der Lion Capital Group in Zürich repräsentierte der Goldstandard des 19. Jahrhunderts „die größte Errungenschaft der zivilisierten Welt. Dabei war der Goldstandard nicht das Resultat irgendeiner Konferenz über monetäre Fragen oder die Idee eines Genies. Es war vielmehr das Resultat von Jahrhunderten der Praxis.“
Mit der Zeit verschwand jedoch die Gefahr, die das Papiergeld in sich birgt, langsam aus dem Bewusstsein der Menschen. Nach und nach fingen Ökonomen, Zentralbanker und Politiker wieder an, eine nicht gedeckte Papierwährung zu akzeptieren. Und sie begannen, sich darüber zu streiten, wie sie das Papiergeld dazu benutzen konnten, einen größeren Wohlstand als den, den die Natur erlaubte, zu erreichen. Es ist dieselbe Idee, die einst von John Law vorangetrieben wurde.
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