Im Kielwasser von John Law: Kurze Geschichte der Spekulationsmanie (I)
Bill Bonner, Kapitalschutz Akte vom 25.08.2006 07:30
ENL5292
Es gibt kleinere Spekulationsblasen und es gibt die größeren. In den nahezu dreihundert Jahren, die seit der Mississippi-Manie vergangen sind, haben sich die Umstände der Spekulationsblasen oft geändert, aber das Interesse an Liebe, Dialogen und dramatischer Spannung ist im großen und ganzen gleich geblieben.
„Die Saga der Mississippianlage (und die Südseeblase) ist historisch relevant,“ schreibt Marc Faber, „weil sie alle wesentlichen Merkmale der darauffolgenden Manien beinhaltet: Zwielichtige Gestalten, Korruption, Betrug, dubiose Praktiken, das Drucken von Geld und die Ausgabe von Risikoanleihen, um die Spekulationsorgie am Leben zu erhalten. Des weiteren einen Katalysator, der zu dem beginnenden Kollaps führt – normalerweise die Aufdeckung eines Betrugs, die Unfähigkeit eines größeren Spekulanten, seiner Nachschusspflicht nachzukommen, das Bekanntwerden des Ausstiegs eines Insiders oder eine zuwiderlaufende Nachricht aus Wirtschaft oder Politik – und die dann einsetzende Panik, in der Gier und Euphorie ersetzt werden durch Angst und den Wunsch der Spekulanten zu jedem Preis auszusteigen.“
Wieder und wieder, Generation auf Generation, kamen einfache Menschen zu der Überzeugung, dass sie Zeugen des Beginns einer „Neuen Ära“ wurden. Eine Ära, die unvorstellbare Reichtümer und Wohlstand für alle bringen sollte. Dieses Neue-Ära-Denken tritt in vielen Facetten auf, jedoch wird es meist durch eine neue Entdeckung hervorgerufen. Ein Beispiel dafür war der Fund von Goldvorkommen in Kalifornien im Jahr 1849 oder in Sydney und Melbourne 1851; die Anwendung neuer Erfindungen, wie z.B. Kanäle, die Eisenbahn, Autos, Radios, PCs, das Internet und schnurlose Kommunikation; oder die Öffnung neuer Kontinente und Märkte, wie Indien, Südamerika und die Mississippigebiete. Jedes dieser Ereignisse rief eine Zeit der Spekulation hervor. So wie es wahrscheinlich auch die Öffnung des chinesischen Marktes im 21. Jahrhundert tun wird.
Der Bann von „irrationalem Reichtum“ befällt von Zeit zu Zeit ganze Bevölkerungen und wandert von Ort zu Ort, so wie eine ansteckende Krankheit. Die Vermögen, die in Paris am Anfang des Jahres 1720 gemacht wurden, fanden nur sechs Monate später ihren Weg in die Hallen der Spekulanten in London, wo sie die Spekulationsblase um die Südsee auslösten. Auch Richard Cantillon tauchte dort einige Jahre später wieder auf, als er sein erstes bekanntes Buch über Ökonomie schrieb. Ähnliches geschah auch vor nicht allzu langer Zeit, als auf den Zusammenbruch des japanischen Marktes 1989 und die nachfolgenden Senkungen der Leitzinsen im Jahre 1990 eine Kapitalflucht von Japan in den amerikanischen Markt einsetzte. In dem als „Yen zu US$ Trade“ bekannten Mechanismus wurde Geld in Japan zu Zinsraten nahe Null geliehen und dazu benutzt US-Schatzanleihen zu kaufen, die mehrere Prozent abwarfen.
Kleinere Spekulationsblasen sind in der Vergangenheit regelmäßig aufgetreten, ohne dabei jedoch größeren Schaden versucht zu haben. In den Vereinigten Staaten kam es z.B. 1961 zu einem sprunghaften Anstieg von Bowlingaktienkursen, die Kurse von Kasino-Aktien explodierten 1978 und die Aktien der ersten PC Firmen, wie Commodore, Atari und Coleco (deren ursprüngliches Geschäft einmal die Installation hochgelegener Swimmingpools war) schnellten 1983 in die Höhe. In ähnlicher Weise erreichten 1995 dubiose Unternehmen, wie Presstek, Diana und Iomega schwindelerregende Bewertungen. Jedoch sind diese kleineren Blasen mit Grenzkriegen oder Revolutionen in kleineren Ländern zu vergleichen. Sie erregen wenig Aufsehen und sind vorbei, noch bevor die meisten Menschen etwas davon mitbekommen haben.
In jüngerer Vergangenheit gab es auch größere, jedoch immer noch harmlose Spekulationsmanien, die sich aber auf einzelne Sektoren beschränkten. Ray Devoe zählt hierzu mindestens vier: Den „Großen Müllmarkt“ von 1968 - ein Boom, der alle Aktien betraf, die irgendwie mit Technologie zusammenhingen und deshalb stark an den „dotcom“-Wahnsinn von 1999 erinnert. Daneben kam es noch zu Spekulationsbooms in Uran, Fluggesellschaften und Farbfernseher – alle diese Spekulationsblasen blieben jedoch auf ihren Sektor beschränkt und befielen nicht weitere Teile des Marktes. Als diese Blasen platzten, beschränkte sich daher der Großteil des Schadens auf die entsprechenden Wertpapiere. Trotzdem kommt es auch in solchen Fällen immer zu gewissen Überlauf-Effekten, wenn die einstmalig hochfliegenden Aktien plötzlich nach dem Platzen der Blase unverkäuflich werden. Die Folge sind Liquiditätsengpässe, die dazu führen, dass auch größere Aktien mit guten Absatzmärkten verkauft werden müssen.
Dagegen sind die großen Crashs, ähnlich wie Kriege, ein ganz anderes Kapitel. Wenn es zum Platzen einer der großen Blasen kommt – wie 1873 und 1929 in den USA, 1989 in Japan oder 1997 in den sogenannten Emerging Markets – sind die Auswirkungen auf die Wirtschaft normalerweise schwerwiegend und meist global. Spekulationsblasen entstehen normalerweise in einem Umfeld geringer Inflationsraten. Dies erlaubt es größere Kredite aufzunehmen und Geld in Anlagen zu stecken anstatt in Konsumgüter. Die Inflation von Konsumgüterpreisen war niedrig in den USA der 1920er, sehr niedrig im Japan der 80er Jahre und niedrig und weiter fallend in den USA der 1990er.
Marc Faber erklärt hierzu: „Das Spekulationsblasenmodell beinhaltet immer eine Art von `Missverhältnis´, das dazu führt, dass es zu außergewöhnlichen hohen Profitmöglichkeiten, zu starkem Handel, Überschuldungen, Spekulationsexzessen, Betrugs- und Schundanlagen kommt, denen eine Krise folgt, in der ein Betrug massiven Ausmaßes ans Licht kommt. Am Ende steht der Schlussakt, in dem das empörte Publikum fordert, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. In jedem dieser Fälle heizten exzessive monetäre Anreize und das vermehrte Zurückgreifen auf Kredite das irrationale Spekulationsfieber an. Darüber hinaus wurde durch diese Faktoren ein immer größer werdenden Publikums angezogen, das eine größer und größer werdende Gruppe von Menschen umfasste, die den schnellen Reichtum suchten, ohne dabei jedoch irgendetwas von dem Objekt der Spekulation zu verstehen.“
Investoren beschweren sich nie, wenn der Preis ihrer Anlagen steigt. Dadurch wird der Geld- und Kreditinflation kein Einhalt geboten – sie wird sogar begünstigt – bis sie zum Schluss so groteske Höhen erreicht und die intelligenteren Anleger nicht anders können als dies zu bemerken und nach einem Ausweg zu suchen beginnen. Desweiteren tritt ein großer Boom immer zusammen mit dem Glauben an eine neue Technologie oder eine neue Form des Business auf. In den 1920ern glaubten die Menschen, dass die neuen Maschinen, Radios und andere Geräte die Quelle für den scheinbaren Boom waren. In den 1980er Jahren glaubten die Menschen an die Überlegenheit der japanischen Manager und der japanischen Unternehmensstruktur.
Wie Hyman Minsky aufgezeigt hat, spielen Booms eine wichtige ökonomische Rolle – sie bündeln Ressourcen in einem aufstrebenden Sektor und forcieren dadurch dessen Entwicklung. Die Entscheidung von Investoren, Geld in diesen Sektor am Anfang seiner Boomphase zu stecken ist durchaus rational; verrückt wird es erst, wenn diese Entscheidung am Ende eines Booms getroffen wird, dann, wenn die Preise absurde Höhen erreicht haben.
Das dicke Ende kommt erst noch!
Griechenland war nur die Blaupause für weitere Bankrotte mitten in der EU. Das Problem:
Deutsche Banken sind Hauptgläubiger in Griechenland! Darunter so „solide" Adressen wie die Hypo Real Estate (!) und mehrere Landesbanken.
Das nächste Land hat bislang noch keiner auf dem Radar (kein PIIGS-Land!). Obwohl seine Staatsanleihen „auf einem Bett aus Nitroglycerin" ruhen.
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