Ignoranten - oder sogar Lügner?

Claus Vogt (Chefredakteur "Sicheres Geld") in Nebenwerte Daily
vom


 

Liebe Leser,

die europäische Staatsschuldenkrise begann Anfang 2010 mit einem scharfen Zinsanstieg griechischer Staatsanleihen. Seither sind mehr als zwei Jahre vergangen. Jahre, in denen die Eurokraten einen aussichtslosen Kampf gegen ökonomische Gesetzmäßigkeiten geführt haben – wie üblich auf Kosten der Steuerzahler.


Zuerst lautete der politische Glaubenssatz, der das sogenannte Krisenmanagement bestimmte, dass es keine Zahlungsausfälle griechischer Staatsanleihen geben werde, also keinen Staatsbankrott. Nachdem der unvermeidbare Staatsbankrott dann doch vollzogen war, hieß es, dass ein Austritt Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion ausgeschlossen sei. Jetzt mehren sich die Zeichen, dass der Austritt noch in diesem Jahr erfolgen wird.

Für jeden, der sehen will, hat der Verlauf der Griechenlandkrise zwei – auch für die Zukunft wichtige – Punkte mit Vehemenz deutlich gemacht. Erstens lassen sich die Zwänge der ökonomischen Realität nicht dauerhaft durch politisches Wunschdenken und -handeln außer Kraft setzen. Zweitens dürfen Sie den Versprechungen von Politikern und ihren Wirtschaftsberatern keinen Glauben schenken.
Entweder haben diese Damen und Herren die Lage vonAnfang an völlig falsch eingeschätzt, sie waren also überfordert und wussten nicht, was sie tun. Oder sie haben dasVolk ganz bewusst belogen. Beide Varianten lassen für die Zukunft nichts Gutes erhoffen.

 

Deutliche Rezessionssignale aus den USA

Meine wichtigste Prognose für das laufende Jahr sah den Beginn einer weltweiten Rezession voraus, die zu einer dramatischen Zuspitzung der Staatsschuldenkrise führen wird, an deren Ende der Zusammenbruch der Europäischen Währungsunion stehen wird. In großen Teilen Europas hat inzwischen eine Rezession begonnen. Und den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion würde ich als den Anfang ihres Endes interpretieren.

Die von der US-Wirtschaft kommenden Signale sprechen inzwischen relativ deutlich dafür, dass auch in der größten Volkswirtschaft der Welt der Beginn einer Rezession unmittelbar bevorsteht. Und dieWirtschaftsgeschichte lehrt, dass eine Rezession in den USA sehr unangenehme Folgen für dieWirtschaft Europas hat.

Die zurzeit vorherrschende Meinung einer sehr mild verlaufenden Rezession halte ich für Wunschdenken. Hier folgt die Mehrheitsmeinung dem üblichen Muster: Zuerst werden die Anzeichen eines Abschwungs ignoriert. Dann wird eine weiche Landung prognostiziert. Und wenn die Realität auch dieses Szenario zu Makulatur hat werden lassen, wird zähneknirschend ein milder Abschwung vorhergesagt.

Diesem Muster folgten dieVolkswirte auch während der Rezession der Jahre 2007 bis 2009. Damals argumentierte ich mit den typischen Folgen geplatzter Spekulationsblasen gegen die These eines milden Rezessionsverlaufs. Und auch jetzt sehe ich wieder einen wichtigen Grund, der gegen einen harmlosen Abschwung spricht: Sowohl die Staatsschulden als auch die Bilanzsummen der Zentralbanken sind heute sehr viel höher als damals und die Zinsen erheblich niedriger. Dem Staat und seinen Zentralbankbürokraten
stehen also kaum noch Mittel zur Verfügung, die sie zur keynesianischen Rezessionsbekämpfung einsetzen können.

Herzlichst Ihr

Claus Vogt

Chefredakteur "Sicheres Geld" (Deutschland)

 


Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
0 Sterne
Wertungen:
0 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben