ifo Index zeigt sich stabil, die Ölreserven nicht
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 27. Juli 2006 07:30 Uhr
ENL5454
*** Während die Einkaufsmanager-Indizes in den USA in den vergangenen zwei Monaten eher nach unten wiesen, zeigen sich die deutschen Unternehmen ungebrochen optimistisch - dem Ölpreis, den Metallpreisen und dem Euro/Dollar-Kurs zum Trotz. Erstaunlich, eigentlich bin ich gewohnt, gerade in Deutschland das größte Wehklagen zu hören. Aber es mag sein, dass die WM und "unser" dritter Platz noch nachwirken ...
Der ifo Geschäftsklimaindex, bei dem ca. 7.000 Unternehmen aller Branchen und Größen ihre Noten zur aktuellen Lage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate abgeben, ist im Juli von 106,8 auf 105,6 gefallen. einen Tick unter den durchschnittlichen Erwartungen von 106, aber letzten Endes marginal. Vergessen wir nicht, dass der Juni-Wert ein 15 Jahreshoch markierte!
Dabei entwickelten sich die beiden Subindizes durchaus nicht wie erwartet. Der Index der aktuellen Lagebeurteilung fiel mit 106,8 deutlicher unter den Prognosen aus, die nur einen kleinen Rücksetzer von 109,4 im Juni auf 109,0 im Juli vorhergesagt hatten. Dafür zeigte sich die Geschäftserwartung für die kommenden sechs Monate relativ stabil, hier gab es nur ein kleineres Minus von 104,2 auf 102,6, was den Erwartungen (102,5) entsprach.
Eigentlich verblüffend, denn von heute ab gerechnet streckt bereits die Mehrwertsteuererhöhung im Januar ihre Tentakeln nach den in einem halben Jahr anstehenden Umsätzen aus. Ich persönlich muss zugeben, dass ich von dieser Stabilität des ifo überrascht bin, zumal sich die Investorenseite, gemessen am ZEW-Index, in der Vorwoche keineswegs so optimistisch gezeigt hatte. Einer liegt falsch. Ich vermute, dass hier eher die Unternehmen durch die aktuell noch sehr erbauliche Auftragslage etwas zu optimistisch in die Zukunft schauen ... dies werden aber erst die kommenden zwei bis drei Monate belegen können.
*** Weniger stabil zeigten sich hingegen die gestern um 16:30 veröffentlichten US-Ölreserven. Nach einer Woche mit über den Prognosen liegenden Lagerbeständen wurde nun die Reihe geringer als erwartet ausfallender Reserven fortgesetzt. Dabei war es weniger das Rohöl selbst. Hier lagen die Bestände gegenüber der Vorwoche unverändert, während im Vorfeld von einem Minus von 0,5 Millionen Barrel ausgegangen wurde.
Es ist vor allem das Benzin, das nun knapp ist: Hier fielen die Lagerbestände um ganze 3,2 Millionen Barrel, während ein unveränderter Wert erwartet wurde. Zzudem ist beim Heizöl die Reserve um nur 0,8 Millionen Barrel gestiegen, 1,5 Millionen wurden prognostiziert.
Während sich der Rohölpreis in den vergangenen Wochen gerade an diesen Tagen der Veröffentlichung der Lagerbestände kaum bewegte, ging es diesmal daraufhin nach oben: Nach einem erneuten Rücksetzer gestern schob sich der Kurs der gängigen US-Sorte Western Texas Intermediate (WTI) am späten Nachmittag wieder direkt an die 75 Dollar-Marke heran.