ifo-Index weiterhin stabil: Die gute Laune hält an
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 25. August 2006 07:30 Uhr
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Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Die Stimmung scheint nach wie vor blendend zu sein: Wie ich bereits vermutet hatte, haben sich die drastischen Rücksetzer der ZEW Index, dessen am Dienstag veröffentlichter Wert sogar in negatives Terrain absank, auch in diesem Monat nicht auf den ifo-Index niedergeschlagen.
Die Gesamtrate des ifo lag für den August bei 105,0. Das war sogar einen Tick über der Prognose von 104,8 und wirklich nur marginal unter dem Juni-Level von 105,6. Es bleibt somit dabei: Der Index rangiert immer noch im Bereich eines 15-Jahreshochs, die Stimmung in der deutschen Wirtschaft scheint bombig zu sein. Dabei zieht das Argument, dass die Mehrwertsteuer-Erhöhung per 1.1.2007 alles ändern wird, offenbar nicht.
Auch die Erwartungen bleiben rosig
Denn nicht nur die Einschätzung der aktuellen Lage (Subindex 108,6, gegenüber Juli damit unverändert, Erwartung war 108,0) ist stabil, sondern auch der Subindex der Erwartungskomponente. Hier traf der Wert mit 101,5 genau die Prognosen und verringerte sich damit gegenüber Juli (102,6) nur geringfügig. Der Juni-Wert lag noch bei 104,2, der Rekord wurde im Mai mit 109,4 erreicht.
Wir sehen somit zwar eine leichte Verschiebung zugunsten der aktuellen Lage, aber ein drastisches, düsteres Bild der kommenden Monate, inklusive des Jahreswechsels, ist nicht zu erkennen. Dies ist ein erstaunlich zuversichtliches Bild, das man einmal dem ZEW gegenüberstellen sollte:
Globale Sicht kontra Auftragsbücher
Der ZEW-Index wird durch Umfragen bei Finanzexperten ermittelt. Es handelt sich bei den Befragten also um Personen, die sich mit der Lage der Konjunktur als solcher befassen, mit dem Zusammenwirken von verschiedenen Wirtschaftsräumen und der Entwicklung der Rahmenbedingungen wie Devisenrelationen oder Rohstoff- und Energiepreisen. Es ist letztlich also das globale Bild, die Gesamtzusammenhänge, die hier beurteilt werden.
Auf der anderen Seite steht der ifo-Index, der 7.000 Unternehmen befragt, also die Praxis vor Ort. Hier scheinen volle Auftragsbücher vorzuliegen, die auch über den 1. Januar mit seiner Mehrwertsteuererhöhung hinaus zu reichen scheinen. Ansonsten müsste eine größere Delle in der Erwartung der kommenden sechs Monate zu sehen sein, immerhin reicht der Blick von August aus bis Anfang Februar. Grundsätzlich sollte man davon ausgehen, dass diese Sicht der Dinge die Lage eindeutig klarer beschreiben kann.
Vor zu großem Optimismus warne ich dennoch. Es ist allemal möglich, dass die Versuche, der höheren Mehrwertsteuer zu entgehen, dazu geführt haben, dass die „Bugwelle“ der Aufträge bis in den Januar hineinreicht. Ob die Steuererhöhung wirklich nur geringe Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft hat oder nicht, werden wir frühestens im September, tendenziell aber sogar erst im Oktober ermessen können.
Die Anleihen reagieren positiv
Dergleichen Bedenken hatte der deutsche Anleihemarkt gestern jedoch nicht. Nachdem der Bund Future, wie zu Wochenbeginn bereits berichtet, seine hartnäckige Widerstandslinie bei 117,10 überwunden hatte, haben die Notierungen nach kurzem Verschnaufen wieder an Fahrt gewonnen. Zwar führte der überraschend stabile ifo zu einem kurzen Rücksetzer, dieser wurde aber binnen einer Stunde wieder aufgeholt. Denn wenngleich noch nicht sicher ist, ob und wie lange sich diese gute Stimmung halten kann, einen unmittelbaren Hinweis auf Inflationsdruck und damit auf weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank bedeuten sie nicht.
Damit stehen die Chancen recht gut, dass der Bund Future seine unmittelbar nächste Kurszielzone im Bereich 118,60/119,00 zügig erreichen wird. Insbesondere, da auch die relativ schwachen US-Konjunkturdaten in den USA gestern zu steigenden Anleihekursen und damit fallenden Zinssätzen führten.
Auch der Dax profitierte von den überraschen positiven ifo-Daten. Details zu dessen Verlauf und charttechnischer Situation finden Sie natürlich des öfteren hier, börsentäglich und weit ausführlicher aber im „Dax Daily“, dem Newsletter meines Kollegen Axel Retz, den ich ihnen nur wärmstens empfehlen kann. Wer sich hier einmal umsehen möchte, klickt bitte einfach auf den Link, der Sie zur Anmeldung für diesen natürlich ebenfalls kostenfreien Dienst führt: http://www.investor-verlag.de/?enl5032
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende – bis Montag!
Ronald Gehrt
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